DHB-Pokal Bitters bittere Niederlage gegen Kiel


Wenn in Hamburg das Finale um den Handball-Pokal angepfiffen wird, kommen selbst die Fußballprofis vom HSV zum Zuschauen. In einem leidenschaftlichen Finale bezwang der THW Kiel den HSV - und ein Fußballkeeper litt mit an der Niederlage seines Handball-Kollegen.
Von Iris Hellmuth, Hamburg

Es ist nicht oft der Fall, dass sich Fußballer und Handballer in ihren Posen gleichen. Wenn man ehrlich ist, sind Handballer schon immer ein bisschen cooler gewesen. Sie führen keine bescheuerten Tänzchen auf, wenn sie ein Tor schießen, sie lassen sich nicht unmotiviert fallen, und zur Rudelbildung kommt es höchstens, wenn drei Spieler auf dem gleichen Schweißfleck ausrutschen.

Im Moment der Niederlage gab es keinen Unterschied

Doch in diesem Moment nach dem Pokalfinale in der Hamburger Color Line Arena hätte niemand den Unterschied zwischen den beiden bemerkt: Jogi Bitter, der Torhüter des Handballbundesligisten HSV, der gerade mit seiner Mannschaft das Pokalfinale gegen den THW Kiel 29:32 verloren hatte. Und Frank Rost, der Schlussmann des Fußballbundesligisten HSV, der in den letzten Wochen gleich aus zwei Pokalwettbewerben geflogen war. Rost hatte sich das Spiel als Zuschauer angesehen und stand ein paar Meter entfernt vom Innenraum an der Außenbande. Vielleicht war es ja die Einsamkeit der Torhüter, die beide in diesem Augenblick so weich wirken ließ.

"Ach, es hat einfach gereicht, irgendwie schade", sagte Rost, die Arme vor dem Körper verschränkt, nur ein paar Meter von ihm entfernt verhaarte Jogi Bitter in ähnlicher Pose. Und beide blickten mit traurigen Augen auf die Spieler des THW Kiel, die mit ihren Pokalgewinner-Siegeshüpfern das Podest in der Mitte des Spielfelds zum Wackeln brachten. Ruhig und gefasst wirkte Bitter, auch wenn ihm die Enttäuschung der Niederlage deutlich anzumerken war. "Wir waren heute ein ebenbürtiger Gegner", sagte er nach dem Spiel, "wir können nicht sagen, dass wir schlecht gespielt haben, nur dass wir am Ende eben einen Tick schlechter waren."

Kieler Fans feierten ihr Team wie Popstars

Mit einem Tor Vorsprung hatte sich der HSV in die Halbzeit verabschiedet, es waren packende 30 Minuten gewesen, mit klugen Zuspielen und schnellen Toren, vor allem des Kielers Karabatic und Hamburgs Kyung-Shin Yoon. Doch so richtig davonziehen ließ der HSV den Nachbarn aus dem Norden nie. Erst in der zweiten Halbzeit gelang das den Kielern, sie lagen zwei Mal mit fünf Toren vorne, was vor allem den Paraden des französischen Nationalkeepers Thierry Omeyer zu verdanken war. "Meine beiden Torhüter waren in den ersten 30 Minuten kaum zu sehen, doch dann steigerte sich Omeyer", sagte ein begeisterter THW-Coach Zvonimir Serdarusic nach dem Spiel. Die mitgereisten Kiel-Fans feierten ihre Mannschaft wie Popstars. 60000 Tickets hätte man an beiden Tagen für das Finale verkaufen können, doch in Hamburger Color Line Arena passen leider nur 12.800 Zuschauer. Sie erfüllten die Halle mit ohrenbetäubendem Lärm.

Zwei Mal spielten die Kieler in der zweiten Halbzeit in Unterzahl und schafften es trotzdem, die Führung zu halten, "wir haben uns zu viele leichte Gegenstoßtore eingefangen, und dann fehlte uns in der zweiten Halbzeit die Durchschlagskraft im Rückraum", sagte Bitter. Dem Spiel des HSV fehlte die Übersicht des verletzten Linksaußen Torsten Jansen und schließlich, gegen Ende der zweiten Hälfte, auch Yoon und Bertrand Gille, die das Feld verletzt verlassen mussten. Gegen den zurzeit wohl weltbesten Rückraumwerfer Nikola Karabatic war Bitter oft chancenlos. Jedes Mal, wenn er den Ball aus dem Netz hinter sich fischte, schien seine Miene sich weiter verdunkelt zu haben.

Rost und Bitter sind Fanatiker

Rost und Bitter sind Fanatiker ihres Fachs. Als die Handball-Nationalmannschaft vor der EM im Januar ein öffentliches Training abhielt, sollte Bitter die Bälle aus der Drehung fangen, was in etwa so aussah: Er begann mit dem Rücken zum Werfer, drehte sich blitzschnell um die eigene Achse und fing trotzdem jeden Ball - bis auf einen. Den holte er aus dem Netz, lief knallrot an und drosch ihn mit der Wucht eines Wasserwerfers gegen die gegenüberliegende Wand. Ein paar Meter darunter standen versteinert und mit eingezogenem Kopf die Journalisten. Hätte Frank Rost diese Szene gesehen, hätte er sie sicher gut verstanden.

Nach dem Spiel lag eine Spur Mitleid auf dem Gesicht des sonst so verbissenen Torhüters. "Ich komme ja aus einer alten Handballfamilie, früher habe ich mich auch oft ins Handballtor gestellt, einfach nur aus Gaudi", sagte er. Ein Lächeln huschte ihm über das Gesicht. Dann wurde es wieder dunkel. Das Feuerwerk für den THW Kiel hinter dem Siegerpodest musste schließlich weitergehen.


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