Doping-Experte "Ullrichs Manager ist eine elendige Mücke"


Der Streit zwischen Jan Ullrich und dem Mediziner Werner Franke eskaliert. Nachdem sowohl der gestürzte Radheld als auch dessen Manager Wolfgang Strohband den Anti-Doping-Experten persönlich attackiert hatten, schlägt dieser im Gespräch mit stern.de nun zurück.
Von Klaus Bellstedt

"Wer ist eigentlich Wolfgang Strohband? Das ist doch eine elendige Mücke, der Mensch soll still sein", reagierte Werner Franke gegenüber stern.de verärgert auf die Äußerungen des Ullrich-Managers. Dieser hatte ihn nur wenige Stunden zuvor im Gespräch mit stern.de als "Kesseltreiber" und "Profilneurotiker" bezeichnet hatte.

"Wir beteiligen uns nicht mehr an diesem Gequatsche über Jan. Dieser Mann hat einfach nur eine riesige Profilneurose und stellt sich nur allzu gerne selber dar", hatte Strohband stern.de gesagt. Er spielte damit auf den Fernsehauftritt Frankes an. Der hatte am Donnerstagabend im Interview mit dem regionalen TV-Sender rheinmaintv behauptet, Einsicht in die Akten der spanischen Behörden zu haben. Die Dokumente gelten als Beweismittel für Ullrichs angebliche Verstrickung in die Doping-Szene um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes.

"Ullrich kommt da nicht mehr raus"

"Soviel Dreck habe ich schon lang nicht gesehen", sagte der Heidelberger Krebsforscher und Dopingaufklärer am Donnerstagabend. Ullrich selbst habe dem spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes, der vermeintliche Drahtzieher im Dopingskandal, in einem Jahr allein 35.000 Euro zur Anschaffung von illegalen Substanzen bezahlt, so Franke.

Jan Ullrich wehrte sich mit scharfen Worten via Bild-Zeitung (Freitag-Ausgabe) gegen die schweren Anschuldigungen des anerkannten Mediziners: "Der Mann hört sich selber gerne reden und wollte mal wieder ins Fernsehen. So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört." Aber Franke bleibt dabei: "Ich bin die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsakten mit den spanischen Kollegen durchgegangen und daraus habe ich zitiert - und zwar 1:1, Jan Ullrich kommt da nicht mehr raus", sagte Franke stern.de.

Keine DNA-Probe bei Ullrich

Konfrontiert mit Strohbands-Aussagen über seine angebliche Profilierungssucht meinte der Anti-Doping-Experte: "Ich bin sicher nicht froh darüber, mich vor jede Kamera zu stellen und über diese Scheiß-Doping-Geschichten zu sprechen. Aber es ist doch so: Alle anderen haben doch die Hosen voll. Ich bin der einzige, der hier noch die Wahrheit spricht."

Ullrich und dessen Manager Wolfgang Strohband bestreiten allerdings weiterhin jegliche Verwicklung in den Dopingskandal. Der Tour-Sieger von 1997 war von seinem Arbeitgeber einen Tag vor Beginn der Frankreich-Rundfahrt suspendiert worden. Nachdem der Rennstall Einsicht in die Ermittlungsakten bekam, trennte sich das T-Mobile-Team umgehend vom einstigen Jahrhunderttalent, der nach wie vor eine möglicherweise entlastende DNA-Probe ablehnt.

Juristische Schritte gegen Franke

Ullrichs Manager kündigte am Freitag übrigens juristische Schritte gegen den Heidelberger Mediziner an: "So geht es nicht mehr weiter. Das Kesseltreiben gegen Jan ist unerträglich. Ich werde mich mit meinen Anwälten besprechen, und dann sehen wir weiter." Franke reagierte gelassen auf die Drohung: "Wissen sie eigentlich, wie viele Menschen es schon versucht haben, mich auf diese Weise zu denunzieren?


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