Eishockey Bye, bye Germany


Der Frust sitzt tief: Als der vorzeitige Olympia-Abschied für Deutschlands Eishockeyspieler praktisch besiegelt war, wollte Kapitän Stefan Ustorf "am liebsten alles zusammenschlagen".

Der Frust nach dem 2:2 (0:0, 1:2, 1:0) gegen Favoritenschreck Schweiz und dem verpassten Viertelfinale saß bei der DEB-Auswahl am Sonntag tief. Mit dem erwarteten Erfolg von Weltmeister Tschechien über Gastgeber Italien am Abend wäre das deutsche Aus auch rechnerisch besiegelt. Damit würde die Partie gegen Finnland am Dienstag bedeutungslos.

Das Team von Bundestrainer Uwe Krupp blieb in Turin auch im vierten Vorrundenspiel sieglos, nachdem sie schon Samstag beim 3:3 gegen Italien, dem vermeintlich schwächsten Gegner, das angepeilte Weiterkommen fast schon verspielt hatte. Zwei Monate vor der B-WM gelang damit erneut nicht der Nachweis internationaler Erstklassigkeit. "Man kann keinem vorwerfen, dass er nicht alles versucht hat. Ich weiß nicht, warum wir im entscheidenden Moment nicht das Tor machen", sagte Ustorf und ärgerte sich, dass dies am Ende auch nicht gegen die Schweiz gelang. "Der Abschluss - die alte Story", sagte Krupp.

Sven Felski (23.) und Tino Boos (53.) ließen mit ihren jeweils zweiten Turniertoren kurzfristig noch einen kleinen Rest Hoffnung keimen, der erste Sieg unter Krupp gelang jedoch nicht. Flavien Conne (29.) und Paul DiPietro (39.) trafen für die in Kopf und Beinen anfangs müde wirkenden Eidgenossen, die die vergangenen vier Vergleiche gegen das deutsche Team gewonnen hatten. Krupp nahm sogar noch Torhüter Olaf Kölzig vom Eis - allerdings erst wenige Sekunden vor Ende. "Es war wichtig für die Moral, dass wir nicht verlieren", erklärte er sein langes Abwarten. Am Samstag hatte Marcel Goc 77 Sekunden vor Ende zumindest eine Pleite gegen WM-Aufsteiger Italien verhindert. Zuvor glichen Tomas Martinec und Felski Rückstände aus.

Die Schweiz zeigte die Zähne

Nach der Slowakei, Russland und Finnland kann nun auch die Schweiz für das Viertelfinale planen. Eine große Schweizer Fan-Kolonie unter den 8756 Zuschauern in der Palasport-Arena feierte daher ihre Lieblinge. Das Sensationsteam hatte nach dem 3:2 über Tschechien die NHL-Stars von Olympiasieger Kanada mit 2:0 entzaubert. 2002 waren die Eidgenossen in Salt Lake City noch Elfter, während die DEB-Auswahl bis in das Viertelfinale vorgestoßen war.

Ausgerechnet der gebürtige Kanadier DiPietro schoss am Samstag schon beide Treffer gegen sein Heimatland. Die Schweizer zeigten erneut eine großartige kämpferische und mannschaftlich geschlossene Leistung. Torhüter Martin Gerber parierte 49 Schüsse, "Daran dürfen sich die Spieler später mit Stolz erinnern - aber nicht jetzt", forderte Nationaltrainer Krueger anschließend. Einige Akteure hätten in der Nacht vor dem Deutschland-Spiel nicht geschlafen, erklärte er.

Tschechien bangte nach dem Aus von Star-Torhüter Dominik Hasek auch um Jaromir Jagr. Der beste NHL-Torjäger wurde am Samstag beim 2:4 gegen Finnland nach einem bösen Bandecheck von Jarkko Ruutu mit einer blutenden Kopfwunde vom Eis geführt. Jagr soll seinem Team in Turin aber weiter zur Verfügung stehen.

Robert Semmler/DPA


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