HOME

Eishockey: Prügel on the rocks

Hemmungslose Schlägereien, Stockstiche und Rassismus-Vorwürfe: Das Playoff-Viertelfinale zwischen den Eishockey-Profis aus Hamburg und Düsseldorf ist vollkommen aus den Fugen geraten. In den nächsten Begegnungen wird es vermutlich noch härter zu gehen.

Der 4:0-Sieg der DEG Metro Stars am Sonntag war nicht nur von 151 Strafminuten überschattet. Der Vizemeister bezichtigt zudem Freezers-Stürmer Marc Beaucage, den afroamerikanischen DEG-Verteidiger Jean-Luc Grand-Pierre beleidigt zu haben. Beaucage bestreitet den Vorwurf.

Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) leitete am Montag ein Ermittlungsverfahren ein. Mit einer Entscheidung ist laut Ligenleiter Gernot Tripcke aber erst am Donnerstag oder Freitag zu rechnen. Beaucage kann damit am Dienstag auflaufen. Wie Tripcke weiter erklärte, haben die Freezers ihrerseits ein Ermittlungsverfahren gegen den Düsseldorfer Charlie Stephens wegen eines angeblichen Stockstiches im ersten Spiel am vorigen Freitag angestrengt. Die DEG will noch eine Strafe gegen den Hamburger Brad Smyth, der sich von der Ersatzbank aus in eine Prügelei eingemischt haben soll. Tripcke zeigte sich über das vergiftete Klima äußerst unerfreut.

Ungeklärte Rassismus-Vorwürfe

Ungeklärt bleiben zunächst die Vorwürfe gegen Beaucage. "Ich hasse Rassismus, und eine solche Geschichte trübt die Freude über den Sieg", sagte DEG-Manager Lance Nethery. Nach Angaben der Düsseldorfer hätten auch Grand-Pierres Teamkollegen Nils Antons und Benjamin Barz die Äußerungen gehört. Beaucage - wie Grand-Pierre Franko-Kanadier - habe eine Entschuldigung abgelehnt.

"Ich weiß nicht, warum Nethery so etwas erzählt. Ich habe noch nie in meinem Leben mit Grand-Pierre gesprochen, und wenn, würde ich es auf Französisch tun", sagte Beaucage dem "Hamburger Abendblatt" (Montag). Freezers-Geschäftsführer Boris Capla unterstellte Nethery, er wolle Beaucage zum Sündenbock machen, um von den Verfehlungen seiner Spieler abzulenken. Der Düsseldorfer Sean Brown musste nach einem Check gegen Benoit Gratton vom Eis und ist am Dienstag gesperrt. Torjäger Klaus Kathan sah die Freezers als Auslöser der Hektik und meinte: "Wir haben uns nie provozieren lassen und sind sehr cool geblieben. So müssen wir weiter spielen."

Trainer stehen zu ihren Männern

Der zwei Drittel lang gut pfeifende US-Profischiedsrichter Rick Looker hatte seine Müh und Not mit der Partie. Freezers-Trainer Bill Stewart beklagte, es habe eine Autoritätsperson auf dem Eis gefehlt. DEG-Trainer Don Jackson sprach vom "körperbetontesten Spiel, das ich außerhalb Nordamerikas jemals gesehen habe". Das Verhalten ihrer Spieler kritisierten beide mit keiner Silbe.

Sportlich fehlen Düsseldorf in der Best-of-seven-Serie nach den beiden Auftaktsiegen ebenso nur noch zwei Erfolge wie Pokalsieger Adler Mannheim, den Kölner Haien und dem Vorrunden-Sechsten Hannover Scorpions. Frankfurts Widerstand gegen Mannheim schien nach dem 2:6 und dem Innenbandriss von Stürmerstar Pat Lebeau gebrochen.

Ebenso wie Mannheims Coach Greg Poss warnte Kölns Trainer Doug Mason nach dem 4:1 über den ersatzgeschwächten ERC Ingolstadt davor, dass der Weg unter die letzten Vier noch weit ist. Den Bayern fehlt der auch im ersten Spiel schon aufgefallene Yannic Seidenberg wegen einer Sperre. "Ich hätte ihn gern in meiner Mannschaft", sagte Mason, "aber jeder Spieler muss die Grenzen zwischen Biss und Verantwortung kennen." Hannover erhöhte mit dem 3:2 über Nürnberg den Druck auf die Ice Tigers, denen zum siebten Mal in Serie das Viertelfinal-Aus droht. Scorpions-Trainer Hans Zach prophezeite nichts Gutes: "Ich erwarte, dass sie am Dienstag noch härter zur Sache gehen werden.

Robert Semmler/DPA

Wissenscommunity