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Eisschnelllauf: Anni Friesinger auf Olympia-Kurs

Super-Comeback von Anni Friesinger, Zuversicht bei Jenny Wolf, "Klatsche" für Sabine Völker: Knapp drei Wochen vor den Olympischen Winterspielen könnte die Ausgangslage für die deutschen Eisschnellläuferinnen kaum unterschiedlicher sein.

Während die "Gold-Anni" bei ihrem ersten Test 20 Tage nach ihrem Eis-Unfall in Erfurt den Bahnrekord über 1500 m nur knapp verpasste, erlebte die Vorjahrs-Dritte Sabine Völker bei den Sprint-Weltmeisterschaften in Heerenveen wohl den Tiefpunkt ihrer Karriere.

Wolf mit Olympia-Optimismus

Voller Optimismus reist hingegen die "Aufsteigerin des Jahres", Jenny Wolf, nach Turin. Als Zweite in 38,33 Sekunden untermauerte die Berlinerin am ersten WM-Tag ihre Ambitionen auf einen Platz auf dem Turiner Siegerpodest. "Mit wäre es lieber gewesen, sie wäre im Bereich zwischen Platz fünf und sieben eingekommen", kommentierte Trainer Thomas Schubert ihren Auftritt. Tags darauf tat ihm Jenny Wolf "den Gefallen" und wurde nur Siebte (38,76). "Am Samstag lief es super, am Sonntag fehlte vielleicht ein bisschen die Kraft. Natürlich wäre ich bei Olympia nicht zufrieden mit Platz sieben", sagte die 26-jährige Germanistik-Studentin.

"Wer hier vorn ist, kann auch in Turin vorn sein", glaubt sie. Da sie über 1000 m keinerlei Ambitionen hegte, war sie im Vierkampf wie erwartet chancenlos, verbuchte aber mit Platz 13 ihre bislang beste WM-Platzierung. Den Titel erkämpfte mit Swetlana Schurowa zum ersten Mal seit 24 Jahren wieder eine russische Sprinterin.

"Gold-Anni" verblüffte selbst ihren Trainer

Mit dem Druck der Olympia-Favoritin leben muss nun wieder Anni Friesinger, die beim Comeback nach der schlimmen Schnitt-Verletzung am Unterschenkel in 1:57,83 Minuten über 1500 m eine Klassezeit präsentierte und damit ihren Trainer verblüffte. "Diese Zeit hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten", meinte Markus Eicher. Friesinger freute sich über die Zeit, sieht aber noch Reserven: "Es lief sehr hölzern und noch nicht rund. Dennoch bin ich nun wieder zuversichtlich für Turin". Ein Wermutstropfen war für sie jedoch die verpasste Olympia-Qualifikation ihres Bruders Jan. Dieser war in Ausscheidung um die letzte Olympia-Fahrkarte für die Team- Verfolgung gegen den Erfurter Jörg Dallmann chancenlos.

Noch nicht in Olympia-Form stellte sich Team-Weltmeisterin Sabine Völker in Heerenveen vor. Gehandicapt durch mehrere Infekte läuft die Thüringerin derzeit ihrer Bestform hinterher und enttäuschte bei der WM mit Gesamtrang 15. Schlechter war sie nur 1996 und 1997 platziert, als sie Stürze zurückgeworfen hatten. "Das war eine herbe Klatsche, so desolat wollte ich mich nicht präsentieren", sagte die 32-Jährige, die 2002 drei Olympia-Medaillen gewonnen hatte. "Vielleicht lege ich mich jetzt ins Bett und stehe dann mit Top-Form in Turin wieder auf", flüchtete sie sich in Sarkasmus.

Gillarduzzi verpasste Olympia-Ticket

Glücklich über die erreichte Olympia-Qualifikation war ihre Club-Gefährtin Judith Hesse. Die deutsche Meisterin schaffte am Sonntag in 39,22 Sekunden mit Platz 14 über 500 m den zweiten Teil der NOK-Norm, nachdem sie tags zuvor Rang 13 (38,99) belegt hatte. Im Endklassement kam die 23-Jährige auf Rang 17. "Jetzt hoffe ich nur, dass mich das NOK am Mittwoch auch nominiert", meinte sie nach ihrer WM-Premiere vor 12.000 Fans in der Thialf-Halle.

Mit hängendem Kopf verließ Dino Gillarduzzi die Arena. Der Inzeller kam am Sonntag wieder nur auf Platz 28 über 500 m (36,20), nachdem er auch tags zuvor mit hinteren Rängen deutlich das Olympia-Ticket verpasst hatte, das er nur bei einem Top-12-Resultat gelöst hätte. Joey Cheek (USA) übernahm mit seinem 500-m-Erfolg in 35,09 die Führung nach drei Strecken.

Frank Thomas/DPA / DPA

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