HOME

Golden-Girls: Weltrekorde wie am Fließband

Deutschlands Power-Frauen erobern mit Weltrekorden am Fließband die Schwimm-Welt. Petra Dallmann, Daniela Samulski, Britta Steffen und Annika Liebs zogen bei den Europameisterschaften in traumhaften 7:50,82 Minuten Gold über 4 x 200 Meter Freistil an Land.

Ungläubig blickten die deutschen Frauen auf die Anzeigetafel, ehe sie überglücklich der Welt zuwinkten. Der Wiesbadener Helge Meeuw landete über 50 m Rücken den goldenen Befreiungsschlag. Antje Buschschulte und Janine Pietsch holten über 100 m Rücken Silber und Bronze. Die Olympia-Zweiten Tobias Schellenberg/Andreas Wels eroberten im Synchronspringen vom Dreimeterbrett Gold.

Das Damen-Quartett war im Regen von Budapest eine Klasse für sich. "Ich bin stolz auf uns, die Mädels sind alle über sich hinaus gewachsen", sagte die Berlinerin Britta Steffen, die ihren dritten Weltrekord von Budapest feiern konnte. Petra Dallmann sagte: "Mit dieser Zeit haben wir auf keinen Fall gerechnet." Weltrekord-Neuling Daniela Samulski war glücklich: "Das ist ein sehr, sehr schönes Gefühl." Und die überragende Schlussschwimmerin Annika Liebs zeigte sich nach der besten "fliegend" gemessenen Staffelzeit von 1:55,64 Minuten bescheiden: "Ich bin mit zwei Weltrekorden hier erst mal ganz gut bedient."

Befreiungsschlag von Meeuv

Der Wiesbadener Meeuw wirkte nach seinem Befreiungsschlag über 50 m Rücken in 25,06 Sekunden gelöst. "Darauf habe ich gesetzt", sagte der angehende Medizinstudent, der vorher zwei bittere Niederlagen hatte wegstecken müssen. "Ich habe mich saustark gefühlt. Der Start war genial." Steffen Driesen (Wuppertal) wurde Fünfter.

"Es ist keine gute Zeit, aber egal", sagte Antje Buschschulte nach Silber über 100 m Rücken in 1:01,40 Minuten. Die 27 Jahre alte Studentin der Neurobiologie aus Magdeburg hatte "feste Beine. Ich habe mich nicht so gefühlt, denn ich bin nicht in der Form meines Lebens." Janine Pietsch war nach 1:01,55 Minuten und Bronze "absolut stolz. Wir können sehr zufrieden sein". Die 24 Jahre alte Bürokauffrau hatte sich "bei 50 Metern noch blendend gefühlt, aber danach war der Ofen aus". Sie mussten sich der 19 Jahre alten Französin Laure Manaudou geschlagen geben, die in 1:00,88 Sekunden 33 Minuten nach ihrem Sieg über 200 m Lagen zu ihrem dritten Titel von Budapest schwamm.

Auch Enttäuschungen

Nicole Hetzer (Burghausen), Silbermedaillen-Gewinnerin über 400 m Lagen, musste sich über 200 m Lagen in 2:14,98 Minuten mit dem fünften Platz begnügen. Gehandicapt durch eine Wirbelsäulen- Verstauchung verpasste Annika Mehlhorn als Halbfinal-Elfte in 59,55 Sekunden den Endlauf über 100 m Schmetterling. 15/100 Sekunden fehlten. Die Wuppertalerin Sarah Poewe qualifizierte sich als Halbfinal-Vierte in 2:28,90 Minuten für das Finale über 200 m Brust. Der Würzburger Langstreckler Thomas Lurz, der in der Vorwoche zum EM- Auftakt Gold über 5 und 10 Kilometer aus dem Plattensee gefischt hatte, musste seine Becken-Ambitionen über 1500 m schon im Vorlauf begraben. 15:17,75 Minuten reichten nur zum elften Platz, zu wenig für das Finale der besten Acht. Das Projekt Doppel-Start war gescheitert.

Europameister über 200 m Brust wurde in 2:12,12 Minuten Slawomir Kuczko. Der Pole profitierte allerdings von der Disqualifikation des Italieners Loris Facci. Die 200 m Schmetterling gewann in 1:55,04 Kuczkos Landsmann Pawel Korzeniowski. Tobias Schellenberg und Andreas Wels bewiesen in einem Krimi vom Dreimeterbrett starke Nerven und sprangen im letzten Durchgang und mit 403,86 Punkten zum Titel vor den Russen Dimitri Sautin/Juri Kunakow (401,46). Wels war danach "total happy" und Schellenberg schenkte den Sieg Sohn Robin zum ersten Geburtstag.

Richard Janssen und Dietmar Fuchs/DPA

Wissenscommunity