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Boxweltmeister im Halbschwergewicht Was macht eigentlich ... Henry Maske?

Boxlegende Henry Maske
Henry Maske, gebürtiger Brandenburger, gewann vor 25 Jahren seinen ersten WM-Titel als Boxprofi im Halbschwergewicht. Womit er sich heute die Zeit vertreibt.

Als Franchisenehmer betreiben Sie zehn McDonald's-Filialen. Braten Sie auch selbst Buletten?

In der Küche stand ich zuletzt vor 18 Jahren während meiner Ausbildung. Heute werden eher die Personalplanung von 350 Mitarbeitern und die Umsetzung der Strategien von McDonald's von mir abverlangt. Gerade stehen Umbaumaßnahmen in meinen Filialen an. Das ist Aufgabe genug.

Wurden Sie während Ihrer Ausbildung dauernd erkannt?

Als Auszubildender musste ich auch an der Theke kassieren. Weil ich in Deutschland zu bekannt war, arbeitete ich zuerst in Großbritannien und später in Wien. Dort habe ich mir einen Bart wachsen lassen, meine blauen Augen mit braunen Haftschalen verändert und eine Brille aufgesetzt. Die Tarnung ist nie aufgeflogen.

Mit Olympia-Gold 1988 gehörten Sie zu den besten Amateurboxern. Bald darauf wurden Sie Profi, im März 1993 dann IBF-Weltmeister. Welcher Titel ist schöner?

Ein Olympia-Sieg ist das Größte. Aber einen Titel bei den Profis zu gewinnen war für mich lange Zeit unmöglich und deswegen so besonders. Und natürlich auch eindeutig lukrativer.

Wie wäre Ihre Karriere ohne den Mauerfall verlaufen?

Ich hätte nach den Olympischen Spielen 1992 als Boxer aufgehört und wäre Trainer geworden. Durch die Wiedervereinigung konnte ich in ein zweites Leben starten.

Von Ihren 31 Profi-Kämpfen unterlagen Sie nur in einem Fight gegen Virgil Hill. Bei Ihrem Comeback 2007 boxten Sie erneut gegen Ihren einzigen Bezwinger. Wollten Sie sich noch mal beweisen – oder war die Millionengage zu verlockend?

Geld hat für mich nicht die entscheidende Rolle gespielt, und die Niederlage gegen Virgil Hill 1996 war längst verheilt. Virgil hat mich beeindruckt, da er mit 42 Jahren noch mal Weltmeister wurde. Deshalb kam in mir die Frage auf, ob ich das auch schaffen könnte. Ich war mehr als zehn Jahre aus dem Profisport raus. Da überlegt man eine Weile. Mein Entschluss, das Comeback anzugehen, war mit 54 Wochen hartem Training verbunden. Die Antwort auf meine Frage habe ich mit dem Sieg gefunden.

Es blieb bei nur einem Kampf, obwohl Sie fit waren. Warum hatten Sie keine Lust, weiterzumachen?

Der eine Kampf war mein Ziel und die Kür meiner Laufbahn. Die sportliche Karriere habe ich bereits zehn Jahre davor abgeschlossen. Ein Neuanfang war nie geplant. Man sollte das Glück auch nicht zu sehr strapazieren (lacht).

In einer Filmbiografie spielten Sie 2010 Max Schmeling. Der Streifen erhielt relativ schlechte Kritiken. War es deshalb ein einmaliger Ausflug als Schauspieler?

Schauspielern war niemals mein berufliches Ziel, sondern eine Ehre, Max Schmeling zu verkörpern. Ich bin überzeugt, dass ich gut gespielt habe und mich am besten in die Rolle hineinversetzen konnte.

Bis zu 18 Millionen TV-Zuschauer verfolgten Ihre Kämpfe. Heute ist Boxen fast aus der Öffentlichkeit verschwunden. Fehlen Talente und die richtigen Typen?

Die großen TV-Sender haben sich aus dem Boxsport zurückgezogen. Heute dreht sich im Sport fast alles nur um Fußball. Beim Boxen gibt es aktuell zu wenig Akteure, die die Massen begeistern. Talente hätte Deutschland bestimmt.

Ihr Sohn Steven boxte auch. Hat er Talent?

Mein Sohn hat mit elf Jahren angefangen, verfolgt das Boxen aber nicht weiter. Heute arbeitet er als Kfz-Schlosser und ist damit sehr glücklich.

Interview: Tobias Ott

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