HOME

Hintergrund: "Eure Hoheit, es gibt keinen Zweiten!"

Schillernde Persönlichkeiten, Millionen-Budgets, Spionage-Affären, Hochtechnologie und die besten Segelteams der Welt - das ist der Stoff, aus dem America's-Cup-Träume seit der Premiere gemacht sind.

Am 22. August 1851 startete die US-Yacht America gegen 14 britische Boote in ein Rennen um die Isle of Wight im Süden Englands. Sie gewann unter den Augen der britischen Queen Victoria. Um Kompensation bemüht, soll die enttäuschte First Lady gefragt haben: Und wer wurde Zweiter? Sie bekam die berühmte Antwort, die auch 156 Jahre nach der Premiere im America's Cup unbarmherzige Gültigkeit hat: "Eure Hoheit, es gibt keinen Zweiten!"

Die Amerikaner brachten die berühmte Silberkanne nach Hause und legten in einer Stiftungsurkunde die Rahmenbedingungen für zukünftige Rennen um das Beutestück fest. Die Wichtigste: Der Cup solle auf ewig zu einem Herausforderer-Cup für den freundschaftlichen Wettbewerb zwischen Nationen werden. Mit diesen Sätzen war die viel zitierte, immer wieder neu interpretierte und oft umstrittene "Deed of Gift" - die Stiftungsurkunde - geboren. Darin war der Cup namenlos. Weil er aber vom Schoner America gewonnen wurde, nannte man ihn fortan America's Cup.

Der New-York-Yacht-Club ist einzigartig

Lange sprach der Lauf der Geschichte für diesen Namen, denn in 156 Jahren und insgesamt 31 Cup-Auflagen konnten amerikanische Teams das Objekt ihrer Begierde 27 Mal gewinnen. Als Seriensieger hält der New-York-Yacht-Club einen in der Sportgeschichte einzigartigen Rekord: Die Sielberkanne heute auf Grund der notwendigen Millionen-Budgets spaßeshalber bodenlose Kanne genannte Trophäe war von 1851 bis 1983 ohne Unterbrechung 132 Jahre lang im Besitz des prominenten Vereins. Spaßeshalber wird die Kanne als bodenlos bezeichnet, weil Millionen-Budgets notwendig sind, um ein konkurrenzfähiges Boot zu haben. An der Dominanz des New York Yacht Clubs konnten enthusiastische Herausforderer wie Teebaron Sir Thomas Lipton, Lord Dunraven oder T.O.M. Sopwith nichts ändern.

Erst 1983 musste sich Dennis Conner, der mit vier Cup-Siegen bis heute den Rekord hält, mit seiner Liberty der Australia II geschlagen geben. Doch "Big Dennis" holte sich den Cup mit seiner Stars and Stripes, rund 16 Millionen US-Dollar Budget und Nasa-Unterstützung schon bei der darauf folgenden Auflage 1987 zurück. Eine neue Ära begann, als Neuseeland als zweite nicht-amerikanische Nation 1995 triumphierte und den Cup fünf Jahre später in eigenen Gewässern unter Leitung des 2001 von Piraten im Amazonas ermordeten Sir Peter Blake und Skipper Russell Coutts erfolgreich verteidigte.

Das Schweizer Team Alinghi löste die Neuseeländer ab

Mit dem Wechsel von Coutts und einigen der besten neuseeländischen Segler zu Ernesto Bertarellis Schweizer Dream Team Alinghi wurde der Niedergang der "Kiwis" im Jahr 2000 eingeläutet. Alinghi kam, sah und besiegte Neuseeland am 2. März 2003 im 31. Match um den Cup 5:0. Als Sportdirektor und Stratege an Bord gewann Jochen Schümann mit Alinghi als erster Deutscher den Cup. Die Schweizer brachten die begehrteste Trophäe des Segelsports erstmals seit 1851 nach Europa zurück.

Mangels eines passenden Segelreviers in der Schweiz fiel die Wahl nach internationaler Ausschreibung auf Valencia als Austragungsort. Den elf Herausforderern aus neun Ländern und Verteidiger Alinghi stehen Budgets von insgesamt rund 700 Millionen Euro zur Verfügung. Bei der 32. Cup-Auflage ist erstmals eine deutsche Mannschaft am Start. Der dänische Doppel-Olympiasieger Jesper Bank ist Skipper und sportlicher Leiter des Teams "United Internet Team Germany" mit einem Etat von rund 50 Millionen Euro, das von Internet-Unternehmer Ralph Dommermuth finanziert wird.

Tatjana Pokorny/DPA / DPA

Wissenscommunity