Interview mit Box-Promoter Ahmet Öner "Deutsche sind unfassbar Klitschko-geil"


Er bezeichnet sich selbst als deutsch-türkischer Don King: der aufstrebende Box-Promoter Ahmet Öner. Am Samstag steigt sein Schützling Juan Carlos Gomez in den Ring und will Vitali Klitschko den WM-Gürtel entreissen. Im Interview mit stern.de spricht Öner über die Arroganz von "Dr. Weichei", coole Schwiegermütter und Pöbeleien auf der Straße.

Herr Öner, ist der kommende Samstag der wichtigste Tag Ihrer bisherigen Laufbahn als Boxpromoter?

Ja definitiv. Das ist eine Schwergewichts-WM, mehr geht nicht im Boxen. Und dann noch gegen diese arroganten Klitschkos, das wird ein Spaß.

Am Montag auf der Pressekonferenz ging es zwischen Vitali Klitschko und Ihrem Schützling Juan Carlos Gomez verbal schon mal zur Sache. Mehr als das übliche Geplänkel war es aber nicht. Warum muss das eigentlich immer sein? Vitali und Juan Carlos kennen sich seit ewigen Zeiten, sie schätzen sich auch. Wie stehen Sie zu so einer Show?

Das war keine Show. In Juan Carlos Gomez brodelt es wie in einem Vulkan, der kurz vor der Eruption steht. Ein Grund dafür ist, dass die Klitschkos ihn immer schon respektlos behandelt haben. Mein Schützling fühlt sich auch von der Presse und von der deutschen Boxszene als Herausforderer nicht genug gewürdigt. Es wurmt ihn, dass keiner glaubt, er könne Klitschko bezwingen. Seine Sprüche waren doch gar nicht gegen Vitali gerichtet. Juan ist stolz. Er wollte nur noch mal so richtig auf sich aufmerksam machen. Das finde ich auch völlig legitim.

Zum Sportlichen: Juan Carlos Gomez ist klarer Außenseiter im WM-Fight gegen den älteren der beiden Klitschko-Brüder. Dennoch scheint die Klitschko-Seite leicht nervös zu sein, oder wie werten Sie die Auswechselung von Punkt- und Ringrichter für den Kampf, die ja auf Initiative von K2-Promotion zustande gekommen ist?

Absolut, da ist eine Verunsicherung zu spüren. Aber nicht bei Vitali Klitschko. Der ist nicht verunsichert, der ist genauso wie mein Schützling Juan Carlos Gomez Sportler und Sportler glauben immer, dass sie gewinnen. Nein, es ist vielmehr das Management von Klitschko, das Umfeld, die Funktionäre. Ich habe das Gesicht von Vitali während der Pressekonferenz genau beobacht, er war total überrascht und wusste gar nichts von der Auswechslung. Dafür ist das Management von Klitschko verantwortlich. Berater, Manager, sein Bruder, die sind alle vorsichtig geworden. Vladimir hat ja sogar schon mal gegen Juan Carlos Gomez verloren. Die wissen alle, wie unangenehm und ekelhaft mein Mann zu boxen ist. Wissen Sie was? Selbst Emanuel Steward (amerikanische Trainerlegende, die derzeit Vladimir Klitschko coacht, Anm. der Red.) hat mir vor zwei Monaten bei einem Kampfabend in Los Angeles gesagt, dass es sehr schwer für Vitali gegen Juan Carlos Gomez wird. Und der Mann weiß, was er sagt.

Sie haben früher selber geboxt, zeigen Sie doch mal die boxerischen Vorteile von Juan Carlos Gomez im Vergleich zu Vitali Klitschko auf. Wie kann er ihn knacken?

Juan ist viel schneller, er muss nur vor Klitschkos rechter Geraden Respekt haben. Juan muss Klitschko permanent attackieren, ihn in die Defensive drängen, beschäftigen. Das macht Vitali müde. Und dann wird es für ihn gefährlich. Schauen Sie sich seine Kämpfe doch an, zum Ende hin baut er immer ab. Gegen Lewis hat er stark abgebaut, gegen Chris Byrd ebenfalls, dann kam da noch diese kuriose Schulterverletzung hinzu. Vielleicht war er ja wirklich verletzt, aber ich hab schon Boxer gesehen, die haben mit gerissenen Sehnen geboxt, zum Beispiel Artur Grigorian. Nicht vergessen: In der Szene nennt man Vitali auch gerne "Dr. Weichei". Klar, er ist stark, er ist groß, aber er ist kein guter Boxer, er ist ein Holzfäller. Sein Bruder ist ein technisch sehr guter Boxer, aber dem fehlt die Härte. Also ganz ehrlich: Ich verstehe die ganze Zuversicht im Klitschko-Lager überhaupt nicht. Juan Carlos Gomez ist ein Tausendsassa im Ring, der alte Klitschko wird das schon zu spüren bekommen.

Was denken Sie, wie wird die Stimmung in der Halle sein? Wird es ein "Auswärtsspiel" für Ihren Boxer?

Ach, das wird natürlich ein "Auswärtsspiel" für ihn, aber das kann sich ganz schnell ändern. Nämlich dann, wenn der Herausforderer und Underdog Herz zeigt. Und das wird bei Juan Carlos Gomez der Fall sein. Das ist kein Krieg, aber mein Mann geht da rein uns ist bereit zu sterben. Das ist ein Boxkampf, Brot und Spiele, so wie man das kennt. Das ist auch alles eine Frage der Ehre. Wir mögen die Klitschkos nicht , die behandeln uns ohne Respekt. Und noch etwas: Hochmut und der tiefe Sturz nach unten, das liegt ganz dicht beieinander.

Themawechsel: In den vergangenen Monaten ist es um Ihre Person in der Öffentlichkeit vergleichweise ruhig geworden. In welchem Zusammenhang steht das mit der Klage der Hamburger Staatsanwaltschaft gegen Ihre Person? Sie müssen sich unter anderem ja wegen Nötigung, Erpressung und Körperverletzung in 16 Fällen verantworten…

Das steht in keinem Zusammenhang. Mittlerweile bin ich so bekannt durch diese ganze Thematik, da macht es den Leuten von Universum Boxpromotion doch gar keinen Spaß mehr, gegen mich Druck zu machen. 14 von 16 Anzeigen kommen aus der Universum Richtung. Die Richter werden schon sehen, dass das alles sehr weit hergeholt ist. Ich bin doch gar nicht so, wie ich oft dargestellt werde. Es ist nicht so, dass ich auf der Straße anhalte und irgendwelche Leute anpöbele. Man hat mir Beine gestellt und ich habe lediglich mein Revier markiert. Mehr war nicht. Und mehr möchte ich dazu auch nicht sagen, weil es ein schwebendes Verfahren ist.

Hat Sie das Business ruhiger werden lassen?

Nein, meine Gegner haben mich kennengelernt! Sie haben gemerkt, dass man mich nicht so einfach wegschieben kann. Sie haben alles versucht, sie wollten mich gar nicht hochkommen lassen. Aber genau das Gegenteil ist eingetreten. Mit Verlaub und ohne dabei arrogant zu klingen: Ich entwickele mich doch immer mehr zum deutsch-türkischen Don King.

Wie steht es um Ihre Pläne, in den deutschen TV-Markt einzusteigen? Stehen Sie in konkreten Verhandlungen mit Sendern?

Ja, ich stehe in Verhandlungen. Aber jetzt lass uns doch erstmal den Kampf Klitschko gegen Gomez abwarten. Wenn mein Kämpfer gewinnen sollte, gibt es vielleicht ein Rematch. Mal schauen, was dann in Sachen TV-Übertragung geht. Wer weiß das schon. Eigentlich würden wir uns dann sowieso viel lieber den jungen Klitschko schnappen. Ich höre es schon wieder... die Rache des kleinen Bruders. Das ist ja so peinlich. Das Schlimme daran: Die Menschheit freut sich darauf. Die Deutschen sind alle Klitschko-geil, unfassbar.

Letzte Frage, Herr Öner: Am Samstagabend steht Ihnen Ihr Schwiegervater Fritz Sdunek, Trainer von Vitali Klitschko, in der gegnerischen Ecke gegenüber. Was ist das für ein Gefühl? Wird da noch mal kurz vor dem ersten Gong geplaudert?

Ich möchte meinen Schwiegervater gar nicht in Schwulitäten bringen. Wir werden nicht viel vor dem Kampf sprechen. Der Draht zu ihm ist aber nicht so schlecht. Ihm gefällt halt meine schlechte Presse nicht, da bin ich ihm zu extrem. Meine Schwiegermutter ist da lockerer, die ist cooler, die findet es insgeheim gut, wenn ich auch mal einen raushaue.

Das Interview führte Klaus Bellstedt


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