HOME

Klitschko-Gegner: Infight, Cuts oder K.o.

Der britische Boxer Danny Williams hat schon Mike Tyson besiegt, am Wochenende will er Vitali Klitschko den Titel entreißen. Ex-Champion Lennox Lewis gibt ihm dafür gute Ratschläge.

Der Weltmeister schien die tellergroßen Handschuhe seines Trainers nur zu touchieren und machte dabei einen äußerst entspannten Eindruck. Der Herausforderer indes schlug wild auf die ledernden Fäustlinge seines Coaches und den Sandsack ein, als ginge es bereits um den Weltmeistertitel. Gegensätzlicher hätte die letzte öffentliche Übungseinheit vor dem WM-Kampf nach WBC-Version zwischen Titelverteidiger Vitali Klitschko und dem Briten Danny Williams in der Nacht zum Sonntag im Mandalay Bay Casino von Las Vegas kaum ablaufen können. Während der Schwergewichtler aus der Ukraine am Dienstag seinen 30-minütigen Auftritt in Boxerkluft als die übliche Showeinlage verstand, wollte Williams bei der halbstündigen Präsentation mit brutalen, schweißtreibenden Schlagkombinationen imponieren.

Selbstbewusstsein tanken, möglichst in jeder Lebenssituation, lautet die Devise des gebürtigen Londoners mit der labilen Psyche, der nach dem sensationellen K.o.-Sieg am 30. Juli gegen Mike Tyson nun den Schützling von Fritz Sdunek ebenso spektakulär vom WM-Thron boxen will. "Auf drei Wegen ist das möglich", behauptete Williams’ prominenter Landsmann Lennox Lewis. Vor 18 Monaten hatte er seinen WM-Gürtel gegen Vitali Klitschko nur durch Verletzungsabbruch nach der 6. Runde verteidigt. Im Gesicht des 33 Jahre alten Verlierers klafften fünf Risswunden. Der Brite beendete danach die Karriere.

Klitschkos Vorgänger als Weltmeister des World Boxing Councils (WBC) riet dem Faustkämpfer aus Brixton, entweder er müsse im Infight Körpertreffer landen oder versuchen, Klitschkos empfindlichem Gesicht Cuts zuzufügen, oder er müsse ihn schlichtweg ausboxen. Das werde aber keine leichte Aufgabe, sagte Lewis, der das Duell als TV- Kommentator analysieren wird. Dennoch glaubt der Olympiasieger von 1988 fest an Williams, und ist zuversichtlich, dass der 1:3-Außenseiter als neuer Champion den Ring verlassen wird.

Lewis sieht den älteren Klitschko-Bruder zwar als den derzeit Besten unter den drei wichtigsten Weltmeistern an, zu denen er außerdem John Ruiz (USA) von der World Boxing Association (WBA) und Chris Byrd (USA) von der International Boxing Federation (IBF) zählt. "Trotzdem sind da noch viele Fragen, die er bislang unbeantwortet gelassen hat", gibt der Box-Pensionär zu bedenken. Als Beispiele nennt er Kondition und Stehvermögen. "In der Vergangenheit zeigte er auch kein wirklich großes Herz, wenn er verletzt war. Und sobald ihm der Wind ins Gesicht bläst, kann er nicht mehr weitermachen." Williams (32 Siege/3 Niederlagen) hingegen habe im Kampf gegen Tyson mit seiner Entschlossenheit bewiesen, dass er definitiv Schwergewichts-Weltmeister sein möchte.

Den Titelträger (34/2) und dessen Boxlehrer lassen die Sätze des von Lewis kalt. "Vitali muss Williams auf Distanz halten und den Kopf zurücknehmen, dann droht keine Gefahr", ist sich Sdunek sicher. Klitschko glaubt nicht, dass man im Kampf jemandem bewusst einen Cut zufügen kann. Er sei auch nicht so anfällig im Gesicht wie Lewis vermutet. Lewis versuche, allen Gegnern Ratschläge zu geben. Besser wäre jedoch, wenn er sein Versprechen einlösen und zum Rückkampf antreten würde, wünschte sich der Ukrainer. Das wird aber nicht passieren. Denn Lewis will sich unter "keinen Umstände" zum Comeback überreden lassen.

Gunnar Meinhardt/DPA / DPA

Wissenscommunity