Langlauf Hinterhergekrampft


Große Erwartungen, kleine Ergebnisse. Zum Auftakt der olympischen Wettbewerbe in Pragelato haben die deutschen Langläufer in der Doppelverfolgung ein Debakel erlebt.

Beim überraschenden Sieg des Russen Jewgeni Dementjew kam der als Favorit gehandelte Angerer am Sonntag als bester DSV-Athlet nur auf den enttäuschenden zwölften Platz. "Ich habe alles gegeben, aber es war nicht mehr drin. Die anderen waren heute besser. Natürlich ist die Enttäuschung groß, aber es geht weiter", sagte der Vachendorfer.

Im Damen-Rennen über zwei Mal 7,5 Kilometer in der klassischen und freien Technik hatte zuvor Kristina Smigun aus Estland triumphiert. Claudia Künzel (Oberwiesenthal) kam lediglich auf Platz 18. Stefanie Böhler (Ibach) wurde 28., Manuela Henkel (Oberhof) gar nur 52. Nicht viel besser erging es ihren männlichen Kollegen über die doppelte Distanz. Jens Filbrich (Frankenhain) landete abgeschlagen auf Rang 23. Der von einem Magen-Darm-Virus geschwächte René Sommerfeldt (Oberwiesenthal) musste kurz nach der Hälfte des Rennens aufgeben.

Angerer krampfgeschüttelt

Angerer, der zwei seiner fünf Weltcupsiege in dieser Saison in der Doppelverfolgung gefeiert hatte, begann das Rennen gewohnt stark. "Bis zur Halbzeit hatte ich das Gefühl, dass ich alles gut kontrollieren kann. Dann habe ich Krämpfe in den Armen bekommen. Die Tempowechsel im Skating haben mir schwer zu schaffen gemacht", berichtete der 28-Jährige, der am Dienstag im Team-Sprint eine Pause erhält. Ähnliche Probleme wie Angerer bekam Filbrich. "Im klassischen Bereich habe ich gedacht: Das wird heute ein ganz großes Ding. Da bin ich fast übermotiviert vorne weg gelaufen, weil ich mich so gut gefühlt habe. Beim Skating war das Gefühl plötzlich weg", sagte der Frankenhainer.

Bundestrainer Jochen Behle machte Materialprobleme dafür verantwortlich. "Wir hatten im Skating nicht den Spitzen-Ski, den man gebraucht hätte. Wenn du dich in den Abfahrten nicht positionieren kannst, ist das zu Kräfte zehrend. Das ist zwar nur eine kleine Nuance, aber eine entscheidende", erklärte Behle. Für Verunsicherung im Team hätten zudem der Ausfall von Axel Teichmann und die Schutzsperre für Evi Sachenbacher-Stehle gesorgt. "Das ging auf die Psyche und damit nicht spurlos an uns vorbei", sagte der Chefcoach.

So mussten die DSV-Läufer mitansehen, wie andere ausgelassen jubelten. Dementjew, der im Finish den Norweger Frode Estil und den Italiener Pietro Piller Cottrer nieder rang, küsste vor Freude immer wieder den Schnee. Smigun war nach ihrem Erfolg vor der Tschechin Katerina Neumannova und Jewgenia Medwedewa-Abruzowa (Russland) in einen Freudenschreikrampf verfallen und wie ein Springball durch den Zielraum gehüpft. "Für mich ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Dafür habe ich jeden Tag trainiert", sagte die Estin.

Claudia Künzel hatte mit dem Ausgang nichts zu tun. "Nach meiner Erkältung fehlte mir die Wettkampfpraxis. Ich hatte schon zeitig einen ekligen Blutgeschmack im Mund. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass es schwer geht", berichtete Künzel. Im Ziel plauderte sie dennoch locker mit Bundespräsident Horst Köhler und gab danach ihre Kampfansage ab: "Im Freistil-Sprint möchte ich ins Finale der besten Vier kommen."

Gerald Fritsche und Eric Dobias/DPA


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