Markus Beyer K.o. einer Boxkarriere


Der Kampf dauerte acht Minuten und 58 Sekunden - dann streckte der Däne Mikkel Kessler den deutschen Champ im Supermittelgewicht zu Boden. Nach dem Fight machte sich Beyer Mut: "Es wird schon weitergehen". Vermutlich aber nicht im Boxring.

Eine krachende Rechte hat die Profi-Karriere von Box-Weltmeister Markus Beyer so gut wie beendet. Durch seine bittere K.o.-Niederlage gegen den Dänen Mikkel Kessler verlor Beyer (35) am Samstagabend in Kopenhagen seinen WBC-Titel im Supermittelgewicht. "Irgendwie wird es weitergehen. Jetzt ist es noch zu früh, darüber zu befinden", sagte Beyer nach dem Kampf. Experten geben ihm jedoch so gut wie keine Chance auf einen Neuanfang.

In dem Duell mit dem mit acht Jahre jüngeren WBA-Champion stand Beyer von Beginn an auf verlorenem Posten. Seine Ambitionen auf den zweiten WM-Gürtel währten nur acht Minuten und 58 Sekunden. Nach einer Rechten seines Kontrahenten fand sich Beyer auf dem Ringboden wieder und konnte nach dem Stopp des Ringrichters nur ungelenk in die Ringecke stolpern. "Ich war noch nicht wieder voll da. Das war zu sehen", räumte der entthronte Champion ein. Über Kessler sagte Beyer: "Er hat viel Power in seinen Händen. Das ist schon bewundernswert."

Immerhin 1,2 Millionen eingesackt

Der neun Zentimeter größere Kessler hatte nie einen Zweifel daran gelassen, dass er nach dem WBA-Gürtel auch den der WBC erobern wollte. "So dominant hatten wir ihn nicht erwartet. Für mich ist er momentan der beste Supermittelgewichtler der Welt", meinte auch Beyer-Trainer Ulli Wegner. Sein Schützling fand gegen die Führhand des Dänen kein Mittel und war in den ersten beiden Runden zu passiv. Beyers gefürchtete Linke, mit der der Sachse in der Vergangenheit häufig seine Kämpfe gewann, kam nie zum Einsatz. 10.000 Zuschauer verfolgten den Kampf vor Ort.

Beyers einziger Trost war die höchste Börse seiner Laufbahn von geschätzten 1,2 Millionen Euro. Dass weitere Zahltage hinzukommen, erscheint unwahrscheinlich, auch wenn sich noch keiner der Protagonisten äußern wollte. "Wer mich kennt, weiß, was ich Markus raten würde", sagte Manager Wilfried Sauerland. Beyer hatte sich zuvor bereits öffentlich beklagt, er werde in Sauerlands Box-Stall nicht mehr genügend gewürdigt.

Für das Karriere-Ende vorgeplant

Beyer war es bisher als einzigem deutschen Box-Profi gelungen, den WM-Titel in einer Gewichtsklasse drei Mal zu erobern. Ein viertes Mal wird es wohl nicht geben. Auch die Hoffnungen auf einen Kampf gegen IBF- und WBO-Titelträger Joe Calzaghe sind gering. Der Brite, der am Samstag in Manchester seine WM-Gürtel gegen den Australier Sakio Bika verteidigte, möchte einen Kampf gegen Kessler.

"Vielleicht will ja Kessler einen Rückkampf oder Calzaghe mich trotz der Niederlage. Das müssen wir in Ruhe besprechen", hofft Beyer. Im Gegensatz zu den meisten seiner Berufskollegen hat Beyer für den unausweichlichen Fall eines Karriere-Aus aber bereits vorgesorgt. Dem Boxen wird er mit der Firma 12rounds, die er mit seiner Lebensgefährtin Danii Haack betreibt, ebenso verbunden bleiben wie als ARD-Experte. Trainer wird Beyer aber nicht. "Das ist mir zu stressig", hatte er bereits vor dem Desaster von Kopenhagen klar gestellt.

DPA DPA

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