Martin Schmitt Motivator statt Dominator


Martin Schmitt soll den flügellahmen DSV-Adlern zu neuen Höhenflügen verhelfen.

Martin Schmitt soll den flügellahmen DSV-Adlern zu neuen Höhenflügen verhelfen. Von der Rückkehr des 24-Jährigen in das verunsicherte Team der deutschen Skispringer erhoffen sich vor allem die Trainer eine Signalwirkung. »Für uns ist es gut, dass Martin wieder dazu kommt. Durch sein Charisma nimmt er eine Führungsrolle ein, die Sven Hannawald so nicht spielt«, sagte Co-Bundestrainer Wolfgang Steiert. Der Mitte September am Knie operierte Schmitt ist im Trainingslager in Lillehammer vor allem als Motivator gefragt, nachdem die deutschen Springer in Kuusamo so schlecht wie selten zuvor in die Saison gestartet waren.

»Martin wird seinen Zeit bekommen«

Sportlich kann der Doppel-Weltmeister aus Furtwangen der Mannschaft allerdings noch nicht weiterhelfen. In der Olympia-Stadt von 1994 absolvierte Schmitt die ersten Schneesprünge in diesem Winter; an Wettkämpfe war vorerst noch nicht zu denken. Nach dem misslungenen Auftritt von Sven Hannawald beim Weltcup-Auftakt will Bundestrainer Reinhard Heß seinen zweiten Top-Springer auf keinen Fall verheizen. »Martin Schmitt wird seine Zeit bekommen. Ich werde ihn nicht in den Weltcup schicken, um Aufbau-Wettkämpfe zu bestreiten«, kündigte Heß an.

Wahrscheinlich ist, dass Schmitt erst kurz vor Weihnachten in Engelberg (21./22. Dezember) sein Saisondebüt gibt. Dann soll auch Hannawald aus seinem Formtief herauskommen sein. »Die Orientierung geht zur Vierschanzentournee. Ich hoffe, dass die beiden dort in bewährter Form antreten können«, setzt Heß auf den Faktor Zeit.

Ursachenforschung
In Lillehammer betrieben Trainer und Athleten Ursachenforschung, warum das Team mit Ausnahme von Michael Uhrmann in Kuusamo versagt hat. »Wir müssen unsere Hausaufgaben besser machen«, übte Steiert nach dem ernüchternden Ergebnis Selbstkritik. Sein Appell an alle: »Wir müssen aufpassen, dass wir den Einsatz nach Olympia nicht zurückfahren.«

Nachholbedarf


Bei der optimalen Rundumbetreuung der Athleten haben andere Nationen das deutsche System übernommen und setzen es momentan erfolgreicher um. Beispielsweise fehlt Schmitt & Co. ein hauptamtlicher Physiotherapeut. Ein weiteres Problem legte Reinhard Heß offen. »Man muss auch über das Material diskutieren. Andere Nationen sind da offensiver. Wir müssen wesentlich präsenter werden, auch finanziell. Wir müssen mehr im Spitzenbereich investieren«, übte der Bundestrainer Kritik, ohne konkrete Personen anzusprechen.

Dünne Personaldecke


Als Ausrede wollte er dies ohnehin nicht gelten lassen. »Das Material spielt keine unwesentliche Rolle, die Grundlagen für den sportlichen Erfolg bilden aber immer noch trainingsmethodische Strategien und deren professionelle Umsetzung durch die Athleten mit Hilfe ihrer Trainer und Betreuer«, sagte Heß. Dies war in Kuusamo lediglich Michael Uhrmann gelungen. »Meine Leistung ist nicht davon abhängig, ob Sven gut springt oder Martin dabei ist«, erklärte der 24-Jährige aus Rastbüchl selbstbewusst. Für die Mannschaft seien Hannawald und Schmitt aber nicht zu ersetzen, zumal die Decke dünner ist als von Heß vor Saisonbeginn erwartet. »Wir haben ein Problem mit der zweiten Reihe. Die Athleten können besser springen, dass haben sie im Training gezeigt. Im Wettkampf sind sie hinter den Erwartungen geblieben«, kritisierte der Thüringer.

Jochen Knecht DPA

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