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Mehr Sport: Die Juliane Schenk-Kolumne 2011/12 - Teil 3

Zur Million hat es nicht gereicht, dafür durfte Juliane Schenk Sylvester doppelt feiern. In ihrer Kolumne erklärt der Badminton-Star, wie man das Alkohol-Verbot auf dem Flughafen in Dubai umgeht, wieso die Umstellung von - 8 auf 27 Grad eine Bronchitis bringt und warum man auf dem Weg nach London nicht nur Rückenwind hat.

Hallo Leute,

auf dem Weg zum Eine-Million-Dollar-Turnier in Korea wurden wir mit einem feinen Feuerwerk in Dubai begrüßt. Wie angekündigt bin ich mit ein paar Nationalmannschaftskollegen um Punkt 24.00 (drei Stunden vor deutscher Zeit) für einen kleinen Zwischenstopp dort gelandet und so durften wir uns davon überzeugen, was die Ölscheichs zum Jahreswechsel zu bieten haben.

Kaum hatten wir den Flieger verlassen, bekamen wir große Lust auf etwas Prickelndes, denn das neue Jahr sollte doch gern auch 2012 mit einem Glas Sekt beginnen. Unser Wunsch wurde wohl erhört, denn umgehend begrüßten uns die Teamkollegen, die aus Frankfurt kamen, mit eben diesem Tropfen, aus dem so manche Neujahrsträume hervorgehen.

Alles topsecret, denn in Dubai ist Alkohol zumindest an öffentlichen Plätzen des Flughafens verboten. Wir haben nichtsdestotrotz diesen ungewöhnlichen Jahreswechsel würdig zu feiern gewusst. Der Weiterflug nach Seoul war für 3.30 Uhr terminiert, sodass wir sogar noch nach unserer Zeit Silvester begehen konnten, indem wir Punktum mit unseren Familien und Freunden korrespondierten. Nun gut - besser als nichts!

Nach weiteren quälenden Flugstunden war ich glücklich, endlich im - wenn auch sehr kalten - Seoul (-8 Grad) angekommen zu sein. Topbedingungen rund um das Turnier, wie auch mein erzieltes Ergebnis, waren ein schöner Trost, dass der Weihnachtsurlaub in diesem Jahr sehr kurz ausgefallen ist.

Der Start ins Olympiajahr war für mich kein angenehmer, hatte ich es mit der amtierenden German Open Siegerin 2011, Liu Xin aus China, zu tun, gegen die ich bereits zwei Mal das Nachsehen hatte. Die Jagd auf weitere Olympia-Qualifikationspunkte hatte begonnen und ich durfte zu meiner Freude den klaren Erstrundensieg für mich verbuchen.

Nach einem weiteren Sieg in Runde zwei gegen Poon aus Hongkong konnte ich mich auf mein erstes Viertelfinale in diesem noch jungen 2012 freuen. Allerdings war hier dann gegen die Weltranglistenerste Wang Yihan aus China Endstation, die mir an diesem Tag mit Schnelligkeit, taktischer Meisterleistung und unglaublicher Stabilität in Ihrem Spiel keine Chance ließ. 10:21 und 11:21 – eine deutliche aber mit Sicherheit erkenntnisreiche Niederlage.

Leider war ich im Rennen um den großen Jackpot der Korea Open ausgeschieden, allerdings habe ich meinen Setzplatz unter den Top acht der Welt bestätigt, einige Punkte für die Olympiaqualifikation gesammelt und ich denke die Leistungen konnten sich durchweg sehen lassen.

Das gesamte Team freute sich nun auf Kuala Lumpur. Auch wenn der Flug, was man kaum glauben mag, schon wieder über 7 Stunden dauerte, wussten wir, dass uns herrliche 27 Grad erwarten würden. Nach der Kälte in Seoul sicherlich keine leichte Herausforderung für unser Immunsystem, aber wer ist nicht gern in wärmeren Gefilden.

Die Umstellung war schnell geglückt, auch wenn die Trainingseinheiten jetzt mehr denn je bedeuteten: schwitzen, schwitzen, schwitzen. Kurz nach dem Aufwärmen hatten wir schon so viel geschwitzt, wie sonst ein ganzes Training nicht. Aber auch hieran gewöhnt man sich schnell.

Nach einigen Tagen der Akklimatisierung startete ich dann gegen Linda Zetchiri aus Bulgarien erfolgreich in die Malaysia Open. Auch in Runde zwei konnte mich Lokalmatadorin Jing Ji Tee nicht stoppen, gegen die ich im ersten Satz gut zu tun bekam. Im 2.Durchgang durfte ich dann aber durch eine souveräne Vorstellung erneut den Einzug unter die besten Acht der Welt feiern.

Dafür herrschten schließlich keine leichten Bedingungen in der 16.000 Zuschauer fassenden Arena, denn die Klimaanlage und der Windzug in den Eingangsbereichen führen dazu, dass man auf einer Seite des Spielfelds mit Wind und auf der anderen Seite gegen ihn spielt. Diese unliebsamen Bedingungen machen es geradezu notwendig, taktisch versiert zu spielen, um das Spiel für sich zu entscheiden.

Im Viertelfinale wartete mit Wang Shixian, der aktuellen Korea Open Siegerin, das nächste Match auf Topniveau. Das in erster Linie von Taktik geprägte Spiel erforderte viel Geduld und Übersicht. Leider konnte ich trotz stetiger Führung im ersten Satz keinen Satzgewinn erzielen und hatte trotz ausgeglichener Spielanteile auch im zweiten Durchgang mit 19:21 eine knappe Niederlage einzustecken - schade, gefühlt war hier mehr drin.

Aber im Großen und Ganzen kann ich positiv auf das Spielerische dieser Asientour zurückblicken. Leider habe ich mir schon während des Turniers in Malaysia eine Bronchitis eingefangen. Meine Gesundheit ist noch bis heute instabil, aber ich hoffe sehr, dass ich bald wieder bei vollen Kräften bin. Die Belastungen waren wieder sehr hoch, dazu noch wenig Pause und Regeneration seit dem Superseries Finale und der langen Olympiasaison. Der Körper nimmt sich halt rücksichtslos seine Pausen.

Die nächsten Wochen warten mit Bundesligaspielen, der Deutschen Einzelmeisterschaft in Bielefeld und der Damen Team EM in Amsterdam auf. In erster Linie gilt die Aufmerksamkeit jetzt aber meiner vollständigen Gesundung und Erholung. Denn nur im Vollbesitz meiner Kräfte können alle kommenden Aufgaben zufrieden stellend angegangen und bewältigt werden. Dies gilt natürlich nicht nur für Sportler. Darum wünsche ich allen Lesern für die kommende Zeit viel Kraft, Besinnlichkeit und Freude.

Bis bald,

Eure Juli

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