VG-Wort Pixel

Mehr Sport Snooker - Rundumschlag von Barry Hearn und Hendry in Nöten


Barry Hearn hat genug. Der Snooker-Boss ist sauer auf einige Spieler, die das Brazilian Masters abgesagt haben. Die fadenscheinigen Ausreden sorgten für einen verbalen Ausraster von Hearn - gerade für Judd Trump und Ding Junhui droht hier ein Nachspiel. Der Respotted-Blog berichtet zudem von einer Steuerhinterziehung.

Viel Talent hat Judd Trump - das konnte man dem jungen Engländer noch nie absprechen. Den Durchbruch schaffte er aber erst in der letzten Saison, als er das erste PTC-Event in Europa gewann, später auch bei den China Open triumphierte und schließlich bei der WM bis ins Finale spazierte.

Es war klar, dass The Ace ab nun mit anderen Augen betrachtet werden würde. Sein aggressives und druckvolles Spiel stand zudem für eine mögliche neue Ära, doch davon war zu Saisonbeginn nicht viel zu sehen. Bei den Australian Open scheiterte er in Runde eins an Mark Davis und auch beim ersten PTC-Event verpasste er es, die erste Hürde - David Gilbert - zu überspringen.

"Ich habe einfach nicht genug trainiert, denn ich wollte die ganze Situation nach dem Erfolg bei der WM genießen", erklärte Trump bei worldsnooker.com. "Es ist eine lange Saison und jeder Spieler will mich nun schlagen. Von daher ist dieser Sieg eine schöne Sache, denn meine Gegner haben nun noch mehr Respekt vor mir."

Drei Matches - ein Frame

Das dürfen sie auch durchaus haben. Denn in Glucester zeigte der 21-Jährige eine sehr gute Leistung und nach Siegen über Mark Allen und Mark Davis setzte er sich denkbar knapp gegen Neil Robertson durch. Dem Australier lief beim Stand von 3:3 der Spielball in die Tasche, als es im Endspiel nur noch um Schwarz ging.

Dieser Sieg war eine Art Durchbruch in seinem Spiel. "Bis zum Achtelfinale habe ich nicht sonderlich gut gespielt", erklärte Trump später. "Dann habe ich Neil mit 4:3 geschlagen und meine Form wiedergefunden. Danach habe ich mich gut gefühlt und zu meinem Spiel gefunden. Im Halbfinale und auch im Finale war das Publikum dann auch da und hat mich zusätzlich motiviert."

Zwischen dem Viertelfinale und dem Finale gab er lediglich einen Frame ab, beim 4:1 gegen Yu Delu. Fergal O'Brien und Ding Junhui blieben jeweils ohne Erfolgserlebnis. Im Finale gegen Ding spielte Trump dabei Breaks von 81, 68 und 12 und sicherte sich das Preisgeld von 10.000 Pfund und die 2000 Punkte für die Rangliste.

Schon im letzten Jahr hatten sich die Top-Profis die ersten beiden Austragungen gesichert. Mark Williams und Mark Selby gewannen da in der letzten Saison. Nun folgte Trump auf Ronnie O'Sullivan, der im Viertelfinale an Fergal O'Brian gescheitert war. Wir dürfen gespannt sein, ob es bei zwölf Turnieren erneut zwölf Sieger wie in der vergangenen Saison geben wird. Doch ich mag nicht daran glauben.

Hearn auf 180

Doch bei Trump ist momentan nicht nur eitel Sonnenschein zu finden, denn er bekommt bald mächtig Ärger mit Barry Hearn. Aber beginnen wir die Gesichte vor vorne. Der Snooker-Boss hat sich einige Profis zur Brust genommen. Dabei geht es um das Brazilian Masters, ein Einladungsturnier in - ihr habt es erraten - Brasilien. Denn viele Top-Spieler haben keine Lust, diese weite Reise auf sich zu nehmen. Anderen scheint es nicht lukrativ genug.

"Der Umstand, das Mark Williams, John Higgins, Ding Junhui, Neil Robertson, Stephen Maguire, Ronnie O'Sullivan, Judd Trump, Mark Allen und Matthew Stevens ihre Einladung abgesagt haben, ist sehr enttäuschend", wird Hearn auf snookerscene.blogsport.com in einen Brief zitiert. Danach geht es noch auf mehreren Seiten gnadenlos weiter.

Besonders stört es den neuen Snooker-Chef, dass die Spieler sich alle für mehr Turniere ausgesprochen hatten und nun kneifen würden. Gerade Argumente, mehr bei der Familie seien zu wollen, finden bei ihm keinen Anklang. Denn Snooker sei kein Hobby, sondern ein Beruf.

Nun mag es eine persönliche Entscheidung sein, ob man ein Turnier spielen will, doch auf Judd Trump und Ding Junhui könnte noch Ärger zukommen. "Weiter ist es sehr negativ zu sehen, dass Judd Trump am Tag des Finals beim Brazilian Masters in China gegen Ding Junhui in einem TV-Match antreten wird", so Hearn.

"Ich bin enttäuscht, dass sie nicht in Brasilien spielen. Aber mehr enttäuscht bin ich darüber, dass sie scheinbar ihren Vertrag nicht gelesen haben. Denn da steht, dass es einem Spieler verboten ist, bei einem Event zu spielen, welches nicht von World Snooker autorisiert ist."

Stevens mit der Doppelmoral

Ich kann ihn verstehen. Auf der einen Seite soll er den Sport revolutionieren, dann aber picken sich die Top-Stars nur die Rosinen aus dem Kuchen und lassen ihn mit seinen Plänen alleine stehen. Auch wirkt es ein wenig komisch, dass Matthew Stevens erst Ali Carter verbal angeht, der erklärt hatte, viel zu wenig Zeit mit seiner Familie verbringen zu können und dann nicht nach Brasilien reist.

Aber auch da ist es schwer zu beurteilen, warum jeder einzelne Spieler nicht ins Flugzeug steigt. Vielleicht gibt es bis nächste Woche einige Statements. Zumindest werde ich mich darum bemühen, um ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen.

Hendry versteuert sich

Dann war da noch die Geschichte um Stephen Hendry, der zuletzt ungläubig gestaunt haben dürfte. Denn der siebenmalige Weltmeister hat Probleme mit unbezahlten Rechnungen. Wie diverse Medien berichten, geht es dabei um nicht versteuerte Gewinne aus den letzten drei Jahren. So gab es eine Forderung vom Finanzamt, die sich auf knapp 100.000 Pfund beläuft.

Seine ganzen Einnahmen fließen dabei auf das Konto der Stephen Hendry Snooker Ltd, die es schon gibt, seit der Schotte 15 Jahre alt ist. Von dort bezieht Hendry einen monatlichen Betrag, der auf sein privates Konto fließt. Nach Angaben auf mirror.co.uk hat das Finanzamt beim Sheriffs Court von Glasgow eine - mittlerweile erfolgreich verlaufende - Verfügung eingereicht, nach dem alle Versuche, das Geld zu bekommen, nicht geklappt hatten.

Stephen Hendrys Agent Ricky Cowan erklärte: "Dies ist die persönliche Firma und nicht die seines Managements. Mr. Hendry wird weiter kein Statement zu seinen persönlichen Finanzen machen." Lassen wir uns auch da überraschen, wie es weitergeht."

In den diversen Foren ist natürlich die Hölle los und Hendry kommt dabei nicht gut weg. Bei eurosport.co.uk wird seine Ein-Mann-Firma als Steueroase bezeichnet, da er selber nicht für unbezahlte Steuern haftbar gemacht werden kann. Hört sich nicht sonderlich gut für Hendry an. Aber warten wir ab, wie sich diese Geschichte entwickelt.

Das war es für diese Woche. Kritik, Lob und Anregungen sind erwünscht und ansonsten wie immer vielen Dank für die Aufmerksamkeit und einen schönen Start in die neue Woche.

Gunnar Beuth

sportal.de sportal

Wissenscommunity


Newsticker