HOME

Mountainbike: Mit zwei Rädern auf die Berge

Radfahren im Gebirge zieht immer mehr Urlauber in seinen Bann. Im österreichischen Pillerseetal kommen nicht nur die Cracks auf ihre Kosten, auch Einsteiger und Familien finden das passende Terrain.

"Es begann mit meinem Fahrrad, diesem elend falschen Stück, ich trat in die Pedale und mein Fahrrad trat zurück." Auch ohne Rebellion der Haushaltsgegenstände beißt der Anstieg von Waidring auf die Steinplatte in die Beine. 10 Kilometer Strecke mit mehr als 10 Prozent Steigung ohne ebene Passagen, die zumindest kurzfristige Linderung verschaffen könnten. Trotz oder gerade wegen der offenkundigen Anstrengung wird das Mountainbiken von Jahr zu Jahr beliebter. Auch jenseits der sportlichen Hot-Spots in den Dolomiten oder der Kräfte zehrenden Alpenüberquerungen. Im Pillerseetal in den Kitzbüheler Alpen entdecken neben den reinen Cracks immer mehr Spaß- und Genussbiker die Möglichkeit, mit dem Rad mehr und manchmal auch minder sportlich die Alpen zu erkunden. Etwa zwei Autostunden südöstlich von München liegt diese österreichische Ferienregion. Hier setzt man nicht allein auf die Extremsportler, sondern auf ein breites Familienangebot. Die klassischen Wanderer werden dabei immer öfter von flotten Bikern überholt, die die Berge um das Pillerseetal erklimmen.

Nur schön mit Schmerzen

Wie mancher Wandersmann ersparen sich viele Pedalritter an der Steinplatte den mühsamen Aufstieg über 750 Höhenmeter. Ruhm und Ehre gewinnt man so nicht, aber das ist egal. Am Ende der Mautstraße werden die Pkws geparkt und dann kann es losgehen. Andere Möglichkeiten zum geruhsamen Aufstieg bieten die Lifte, die im Winter die Skifahrer und Snowboarder zu Tausenden in die Höhe schaufeln. Mit ihnen lässt sich das Mountainbikegebiet auf der Hochebene im Dreiländereck von Bayern, Tirol und Salzburg sehr bequem erreichen. Oben warten neben fantastischen Ausblicken sanfte Höhen, moderate Anstiege und ein Netz von Forstwegen. Die Steinplatte kann nicht mit den allerhärtesten Touren aufwarten, bietet sich aber lange Rundfahrten zwischen Loferberg und Peitingköpfl.

Ganz entspannt um See und Berge

Wer will, kann selbst im Gebirge ganz wie gewohnt Rad fahren. Er bleibt am See und im Tal, kein Mensch wird im lieblichen Tirol gezwungen, eisenhart Höhenmeter zu fressen. Anders als an Orten wie dem Gardasee wo "klassische Routen" leicht 2.500 Höhenmeter bedeuten, muss man hier nicht nach dem Gipfeln greifen, sie lassen sich gemütlich umfahren. Für Urlauber wie Ulrike und Stefan B. aus Berlin macht das den Reiz aus. "Hier können wir die Kinder mitnehmen, ohne das nach einer Stunde gemeutert wird." Wenn sie es wollen, könnten sie allein anstrengendere Routen abfahren. Nur eines funktioniert nicht, lacht Stefan. "Die Kinder nehmen den Lift und du selbst den Forstweg, spätestens an der Talstation siegt der innere Schweinehund."

Leichter Einstieg mit Guide

Der Fremdenverkehr fördert massiv den "sanften Radtourismus". Mit der Anlage von separaten Radwegen neben den Durchgangsstrassen und dem unendlichen Netz der Wald und Forstwege ist stressfreies radeln ohne Angst vor dem nächsten Schwertransporter auf der Fahrbahn möglich. Etwa 310 Kilometer Fahrradrouten überziehen das Pillerseetal. Die sanfte Landschaft von Tälern, Flüssen und Seen zwischen den imposanten Bergketten macht für Familien auch die kleineren Ausflüge zu einem Erlebnis. Zum Reinschnuppern empfiehlt sich eine geführte Radtour. Die Vorteile liegen auf der Hand. Man ist nicht allein, sondern in einer lockeren Gruppe unterwegs. Der einheimische Guide macht jede Route interessanter und nimmt den Mitfahrern obendrein die Orientierung im Gelände ab. Gerade Ungeübte verfahren sich schneller, als sie denken. Mit dem Rad geht es sehr schnell bergab, der lange Weg zurück zur "richtigen" Abzweigung kann dann sehr bitter werden. Mit Leihbike und Gondelaufstieg geht es für 12 Euro jeden Dienstag auf die Steinplatte. Trotz der Gondel sollte eine gewisse Grundkondition vorhanden sein. Sanfter geht es auf der diensttäglichen Tour "Rund um die Buchensteinwand" zu. Die Rundkurse im Tal kann jeder absolvieren, Urlauber mit höherem sportlichem Ehrgeiz sollten sich jedoch systematisch auf den Bike-Urlaub vorbereiten. Eine gewisse Grundfitness ist Voraussetzung. Eingefleischte Sofahocker, die sich das ganze Jahr über partout nicht bewegen wollen, sind von dem Sport überfordert. Vor dem Urlaub sollten aber auch Sportliche mehrmals wöchentlich mit dem Rad fahren, um sich an die spezifische Belastung zu gewöhnen. Wer mit dem eigenen Rad antritt, kommt um einen Check von Bremsen und Schaltung nicht herum. Laien sollten daran denken, dass nicht jedes Rad aus dem Supermarkt im "fetten" MTB-Look auch tatsächlich für den Einsatz im Gelände geeignet ist.

Lass es krachen

Herbes Geländefeeling kommt in der Nähe des Pillerseetals in der Bikeworld Leogang auf. Hier kann man es richtig krachen lassen. Mit der Gondel geht es bergauf und mit schweren Freeride- oder Downhillräder über präparierte Trails rasant wieder herunter. Neben der eingeschworenen Fangemeinde, die mit eigener, sündhaft teurer Ausrüstung anreist, kann auch der "Normalo-Biker" in diesen Sport hineinschnuppern. Die komplette Ausrüstung von Bike, Helm und Protektoren kann ausgeliehen werden. Eine einmalige Gelegenheit, für den Tourenbiker sich zumindest für einen Tag optisch in eine Art "Stormtrooper" zu verwandeln. Manches Vorurteil bleibt dabei auf der Strecke. Zuerst die Idee einer weitgehenden Mühelosigkeit. Die Bahn übernimmt den Transport nach oben, das gewaltige Gefälle die Reise nach unten. So die Theorie, praktisch kann ein Einsteiger nicht mehr als drei Abfahrten am Tag hinter sich bringen. Wo die Profis es einfach laufen lassen, bremst der Laie ununterbrochen. Nach der Abfahrt zittern die Knie, schmerzen die Handgelenke und der Puls rast. Von Mühelosigkeit keine Spur, dafür gibt es aber Adrenalin pu.

Service: Kleine MTB-Beratung

Das Hardtail für den Einsteiger

Hardtail heißt nichts weiter, als dass es keine Federung fürs Hinterrad gibt. Wenn man eher auf Straßen oder Forstrassen fährt und die Priorität nicht auf schnelle Abfahrt und Fahrtechnik setzt, dann ist ein Hardtail sehr sinnvoll. Es ist leicht, einfacher zu pflegen und vom Preis her günstiger. Damit komme ich schneller bergauf und wenn es nicht immer Singletrail (schmaler Wanderpfad) sein muss, ist es auch bergab ein Genuss. Als Allroundbike für den Einsteiger in der Stadt ist ein Hardtail sehr zu empfehlen. Preislich kann ich damit unter tausend Euro bleiben. Wer später mehr in Richtung des technischen Mountainbikens geht, kann dann umsteigen.

Das Fully fürs Gelände

Ein Fully hat vorne und hinten eine Federung, ist also vollgefedert. Bei den neuen Fullys gibt es fast immer ein Viergelenksystem hinten. Damit ist das Wippen des Hinterbaus, das früher beim Auffahren immer nervte, so gut wie weg. Bei vielen Bikes kann man die Dämpfer hinten sperren. Dann gibt es die neuere Generation von "mitdenkenden" Systemen, die durch ein Ventil unterscheiden können, woher die Stöße kommen, ob vom Fahrer oder vom Untergrund. Das ist sehr komfortabel, diese Systeme sind aber auch deutlich teurer. Unser Modell ist eher robust und geländetauglich. Der Preis liegt etwas über zweitausend Euro. Echte Leichtbauweise kostet zusätzlich, denn weniger Gewicht kostet viel mehr Geld.

Gesunde Haltung

Heute geht es immer um das gesunde Biken. Früher ist man immer mit den Armen sehr tief und mit dem Po sehr hoch gefahren, dadurch haben sich die ärgsten Verspannungen ergeben. Heute sagt man, Lenken und Sattel sollte gleich hoch sein, das ganze wird dann bequemer werden.

Harte Sättel, weiche Sättel

Ein Vielfahrer sollte auf jeden Fall einen harten Sattel bevorzugen, ein weicher Sattel ist nur dann angenehmer, wenn man lediglich ab und zu fährt. Gute Sättel haben heute eine Füllung mit "Gel Royal".

Bremsen: Besser mit Scheibe

Die Bremsanlagen stellen immer mehr auf Scheibenbremsen um. Mit den konventionellen Felgenbremsen zerstöre ich auf Dauer die Felge, auf sie wirken die Bremsbeläge . Mit einer echten Bremsscheibe gibt es keinen Bremsverlust bei Nässe und heutzutage sind die Scheibenbremsen nicht schwerer. Wenn man allerdings eine Scheibenbremse haben will, sollten man auf jeden Fall eine hydraulische Bremse und keine mechanische mit Drahtzug nehmen.

Nicht bei der Schaltung sparen

Leider ist der Rahmen vom Preis gar nicht das Entscheidende, sondern die Komponenten. Also Federung, Bremsen und Schaltung. Billigräder haben eine Schaltung, die sich eigentlich nie richtig einstellen läßt. Ich fahre damit eine Tour und danach ist die Schaltung komplett verstellt, weil das Material nachgibt. Dann macht das Fahren keinen Spaß, weil die Gänge nicht sauber einrasten. Viele sind dann mit der korrekten Neueinstellung überfodert. Sie fummeln an den Schrauben rum und machen es nur noch schlimmer. Für den Laien gibt es das Problem, dass ein Hersteller wie Shimano einfach alle Qualitäten herstellt. Eine mittlere Gruppe von Shimano sollte es schon, dass heißt Komponenten aus der XT- oder der LX-Serie. Eine XTR-Gruppe ist für den Normalfahrer nicht nötig.

Wartung: Mäßig aber regelmäßig

Ein MTB-Rad erfordert Wartung. Ich muss nicht viel tun, aber die wichtigsten Sachen muss ich regelmäßig machen. Die Kette etwa sollte immer geschmiert sein. Wenn ich die Kette schmiere, dann öle ich sie nicht total ein. Am Ende lasse ich die Kette durch ein Tuch laufen, dass sie fast wieder trocken wird. Wenn die Kette dann glatt über die Ritzel läuft, ist es gut. Außerdem muss man den Bereich der Federung immer sauber halten und ölen. Schmutz arbeitet sich in die Freiräume ein. Also nach der Tour immer abwischen und einölen. Wichtig ist, dass ich nie mit einem Dampfstrahler in die Gelenke hineingehe, damit kann ich nur den groben Schmutz vom Rahmen lösen. Bei den Bremsen muss ich die Beläge rechtzeitig wechseln, sonst muss auch die Scheibe ersetzt werden. Das gleiche gilt für Kette. Wer da zu lange wartet, braucht hinten auch eine neue Kassette.

Reparatur: Nicht alles geht

Als Laie kannst du die Kette tauschen, die Schaltung einstellen und die Bremsbeläge wechseln. Alles was darüber hinausgeht, ist etwas für den Mechaniker. Gerade Lager und Dämpfungssysteme bekommt der Laie nicht wieder zusammen gebaut. Außerdem benötigt man dazu teures Spezialwerkzeug. Also Hände weg!

Pedale: Mach mal Klick

Auch für Einsteiger empfehlen wir Pedale mit Click-System. Fahren im Cross-Country-Bereich ist ohne Click-Pedale nicht möglich, die Tritte sind einfach nicht rund und nicht ökonomisch. Zum ersten Probieren sollte man aber nicht auf die Strasse gehen, sondern sich auf einem verkehrsarmen Weg eingewöhnen. Es gibt viele Sorten von Kombinationspedalen, die man auch mit normalen Schuhen benutzen kann.

Wissenscommunity