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NBA: NBA-Finalserie - Miami Heat besiegt Oklahoma City Thunder 104 -98

Viel Kritik hat LeBron James in den letzten Jahren einstecken müssen: Zum Beispiel, dass er in wichtigen Spielen zum Ende gerne mal abtaucht. Zwar war er zum Ende des dritten Sieges in der Finalserie der Miami Heat über die Oklahoma City Thunder tatsächlich nicht mehr auf dem Feld zu finden. Das lag aber nur an Krämpfen, die er zuvor noch tapfer überspielte.

In einem spannenden vierten Spiel der NBA-Finalserie setzten sich die Miami Heat gegen Oklahoma City Thunder mit 104:98 durch und bauten ihre Führung auf 3:1 aus. Russell Westbrook konnte trotz 43 Punkten nichts an der dritten Niederlage in Folge für OKC rütteln. LeBron James war zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle und überzeugte durch ein Double-Double.

Vor dem Match war klar: Ein Sieg für die Heat würde eine kleine Vorentscheidung mit sich bringen – schließlich konnte noch nie ein Team einen 1:3-Rückstand im Finale drehen.

Punktereiches erstes Viertel

Oklahoma City konnte sich gleich im ersten Viertel eine 17-Punkte Führung erspielen. Durch eine gute Defense und gutes Teamplay in der Offense, gelang den jungen Wilden aus Oklahoma City ein sehr guter Start ins Spiel. Beim Stand von 33:16 erzielte Mario Chalmers für die Heat in letzter Sekunde noch einen Dreier zum Ende des Viertels. Genau dieser Wurf von Außen war es auch, der die furiose Aufholjagd der Heat einleitete. Ganze 16 Punkte in Folge erzielte das Team von Coach Erik Spoelstra und glich zum 35:35 aus.

Zu Beginn des zweiten Viertels verteidigte Miami besser und enger, ließ kaum Pässe zu und somit war die Thunder auf individuelle Leistungen angewiesen. Auf der anderen Seite sorgte immer wieder LeBron James für Aufsehen. Nicht weil er selbst ungemein viel punktete, sondern weil er immer wieder gedoppelt wurde und in diesen Situationen das Auge für seine Mitspieler hatte. Kein Wunder, dass er am Ende des Spiels nicht nur auf 26 Punkte, sondern auch auf zwölf Assist kam. Hinzu kamen noch neun Rebounds, wodurch er sein Triple-Double nur knapp verfehlte.

Miami gibt Sieg nicht mehr aus der Hand

Die Assists von James wusste in der ersten Hälfte vor allem der Rookie Norris Cole zu verwandeln. Er traf drei seiner sechs Würfe, davon zwei von drei Dreiern, und trug maßgeblichen Anteil an der Aufholjagd Miamis. Zur Halbzeit führte OKC mit 49:46. Wie unterschiedlich die zwei Viertel aus Sicht der Gäste waren und vor allem wie sehr sich die Konzentration der Defense bei Miami geändert hatte zeigen die Wurfquoten von OKC. Im ersten Viertel trafen die Thunder-Spieler noch 62 Prozent ihrer Korbversuche. Im darauffolgenden Viertel nur noch 30 Prozent.

Im zweiten Spielabschnitt konnte Miami zwischenzeitlich auf sieben Punkte davon ziehen, schaffte es aber nicht, auf Dauer die Thunder auf Distanz zu halten. Grund dafür war der vor der Partie in die Kritik geratene Russell Westbrook. Der Point Guard traf 20 seiner 32 Korbversuche und erzielte im vierten Spiel der Serie 43 Punkte. Sieben Rebounds und fünf Assist sind bei der Punkteanzahl glatt zu übersehen. Mit dieser Leistung, die an LeBron James Spiel sechs gegen die Boston Celtics herankam, konterte er alle Kritiken.

Doch auch James stellte sich erneut gegen alle Zweifler und bewies ihnen auch im vierten Spiel der Finals, dass er eben doch ein Teamleader und Gewinnertyp ist. Schließlich überspielte er zunächst zum Ende der Partie seine Krämpfe, musste schließlich aber die letzten 55 Sekunden der Partie zusehen.

Sein Job für den Abend schient aber bereits davor erledigt: Kurz zuvor hatte die Thunder sogar nochmal die Führung an sich reißen können (94:92), konnte diese aber nicht halten - weil Chris Bosh, Dwyane Wade und eben James trafen. 

Fünf Fakten machen den Unterschied

Die Trefferquote
Zwar konnten Russel Westbrook (43) und Kevin Durant (28) bei der Thunder jeweils weit im zweistelligen Bereich punkten, die restlichen sechs eingesetzten Spieler kamen zusammen aber nur auf 27 Punkte. Lediglich Westbrook hatte mehr als 50 Prozent Trefferquote vorzuweisen. Das gelang bei Miami gleich vier Spielern: James, Bosh, Chalmers und Cole. Bei der Heat steht hingegen bei vier Spielern ein Double: LeBron James (26), Dwyane Wade (25), Mario Chalmers (25) und Chris Bosh (13). Vor allem die Punkte von Chalmers und die nicht zu vergessenen acht Punkte von Norris Cole waren am Ende wohl mit spielentscheidend. Denn bei der Thunder schwächelte erneut James Harden. Er traf insgesamt nur zwei seiner zehn Wurfversuche.

LeBron James
Russell Westbrook konnte bei der Oklahoma City Thunder ordentlich Punkte sammeln und zeigte ohne Wenn und Aber auch eine erschreckend gute Leistung, doch James war in dem Moment präsent in dem sein Team ihn am meisten brauchte. Nachdem er im letzten Viertel erst einen Punkt durch einen Freiwurf erzielt hatte, rutschte James bei einem Angriff aus und verletzte sich. Sichtbar humpelnd hielt er sich in der Nähe des Thunder-Korbes auf und bekam den Ball aus der Defense zugeworfen, nachdem Derek Fisher den Fastbreak für OKC vergeben hatte. James verwandelte und wurde beim anschließenden Timeout vom Feld getragen. Er quälte sich trotzdem zurück und erzielte bei der zwischenzeitlichen 94:92-Führung der Thunder 2:18 Minuten vor Schluss einen Drei-Punkte-Wurf, der an das sechste Spiel gegen Boston Celtics erinnerte.

Ausdauernde Starter
Die Starting Five der Heat standen alle um die 40 Minuten auf dem Feld, während es bei der Thunder nur Westbrook (45), Durant (46) und Harden (36) auf mehr als 30 Minuten schafften. Serge Ibaka hatte sehr früh schon drei Fouls und musste deshalb auf die Bank, ähnlich wie Durant in den Spielen zwei und drei. Durch das ständige Wechseln sollten die Spieler zwar frischer bleiben, allerdings nahm Scott Brooks vor allem im ersten Viertel viel Wind aus den Segeln als er die sehr stark spielenden Starting Five zeriss und Nick Collison brachte, gleichzeitig Ibaka, der zu dem Zeitpunkt noch nicht gefährdet war, rausnahm.

Harden gegen James ist ein Mismatch
James Harden verteidigte zu lange gegen LeBron James und bekam ihn nicht unter Kontrolle. Erst im letzten Viertel übernahm Durant James wieder. Resultat: James erzielte vor seiner Verletzung nur einen Punkt.

Angriff ist die beste Verteidigung
Zuguterletzt bleibt noch das Offense-Verhalten. Während die Heat phasenweise schnelle, kurz Pässe spielten und die Defense der Thunder ordentlich aufmischte, bis genügend Raum für den Wurf vorhanden war, suchten die Youngster der Thunder oftmals zu schnell den Abschluss und das vor allem ab dem zweiten Viertel fast immer durch Einzelleistungen.Gegen die sehr robuste und enge Defense der Heat fanden sie kaum ein Mittel. Das Defensivspiel Wades in der letzten Minute ist ein perfektes Beispiel für die gute Defense-Leistung der Heat. Erst doppelte er Serge Ibaka, der zu Thabo Sefelosha passte, welcher komplett frei stand und zum Dreier ansetzte. Doch Wade war schon wieder zur Stelle und störte entscheidend.

Und die Moral von der Geschicht?
Im Großen und Ganzen kann man sagen, die dass Miami Heat auch das vierte Spiel der NBA-Finalserie  verdient gewonnen hat. Am Ende waren sie abgebrühter als das Team von Scott Brooks. Die Thunder steht nun kurz vor dem Aus bzw. Miami Heat kurz vor dem Titelgewinn. Spiel fünf findet nochmals in Miami statt. Sollte es Oklahoma City gelingen das vorzeitige Ende der Serie zu verhindern, würden die Spiele sechs und sieben wieder in der Chesapeak Energy Arena ausgetragen werden. Die Chancen auf zwei weitere Heimspiele sind mit der Niederlage in dieser Nacht allerdings drastisch gesunken.

Tobi Becker

sportal.de / sportal

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