Olympia 2006 Goldener Samstag in Turin


Gleich am ersten Wettkampftag der Olympischen Winterspiele konnte sich das deutsche Team über zwei Goldmedaillen freuen. Erst jagte Biathlet Michael Greis allen Favoriten davon, dann schockte Kombinierer Georg Hettich die Konkurrenz.

Georg Hettich hat mit zwei hervorragenden Sprüngen und einem beherzten Langlauf über 15 Kilometer sensationell die Goldmedaille im Einzelwettbewerb der Nordischen Kombination gewonnen. Der 27-Jährige setzte sich am Samstag zum Auftakt Olympischen Winterspiele von Turin vor dem Österreicher Felix Gottwald und dem Norweger Magnus Moan durch und holte das erste Kombinations-Gold für Deutschland seit Ulrich Wehling 1980 in Lake Placid. Als beste Einzel-Platzierung standen für den Schonacher drei zweite Plätze im Weltcup zu Buche. Einen Sieg hatte er bislang noch nicht geschafft.

"Ich kann es nicht glauben. Ich dachte Olympiasieger gibt es nur im Fernsehen, und jetzt bin ich selber einer", sagte Hettich, der mit der Mannschaft vor vier Jahren Silber in Salt Lake City gewann. Schon im Springen auf der Anlage von Pragelato hatte er mit 104 Metern im zweiten Durchgang die Tagesbestweite erzielt und durch 101,5 Metern im ersten Versuch überraschend die Führung vor dem Langlauf übernommen. Dort verblüffte der eigentlich in dieser Teildisziplin schwächer eingeschätzte Athlet mit einer taktischen Meisterleistung und ließ den Favoriten keine Chance.

"Wie er angegriffen hat, war grandios"

Nachdem Topfavorit Hannu Manninen (Finnland/8.) etwa zweieinhalb Kilometer vor dem Ziel abreißen ließ und auch Moan nicht folgen konnte, distanzierte Hettich im Schlussspurt auch noch Gottwald. Zuvor hatte das Trio wie erwartet den aus dem Springen resultierenden Rückstand von gut eineinhalb Minuten auf Hettich wettmachen können. Am Ende erwies sich die Taktik von Hettich aber als goldrichtig. "Es ist eine Riesenüberraschung. Wie Georg angegriffen hat, war grandios", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch.

Nur knapp eine Stunde zuvor sicherte Michael Greis der deutschen Olympia-Mannschaft in Turin die erste Goldmedaille. Der Biathlet setzte sich in der ersten Entscheidung der Olympischen Winterspiele über die 20 Kilometer-Distanz durch und verwies die Favoriten auf die Plätze. Vor 6000 Zuschauern - darunter Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau Eva - verwies der 29-Jährige in der Höhe von San Sicario den norwegischen Favoriten Ole Einar Björndalen und dessen Landsmann Halvard Hanevold auf die Silber- und Bronze-Plätze.

"Es war immer ein Traum von mir, Olympiasieger zu werden. Ich habe alles gegeben und rausgeholt. Ich hoffe, dass ich den Erfolg genießen kann", sagte Greis, der schon vor einem Jahr beim Olympia-Test auf der selben Strecke seinen ersten und einzigen Weltcup-Sieg gefeiert hatte. "Ich bin mit guten Erinnerungen hierher gekommen. Ich möchte mich jetzt bei allen bedanken, die mir geholfen haben, den Technikern und Betreuern."

Nur eine Scheibe blieb stehen

Lob bekam Greis von dem fünfmaligen Olympiasieger Björndalen, der noch vor vier Jahren in Salt Lake City alle Biathlon-Goldmedaillen eingesammelt hatte. "Ich wusste, dass Michael der härteste Konkurrent sein würde. Er hat es verdient zu gewinnen", sagte der Silbermedaillen-Gewinner. Für Greis' Teamkollegen erfüllten sich die Medaillen-Hoffnungen nicht: Ricco Groß kam aus Ruhpolding auf Rang elf, der Oberhofer Sven Fischer wurde 17., Michael Rösch aus Altenberg belegte bei seinem Olympia-Debüt Platz 39.

Greis war von Beginn in der Spitzengruppe dabei. Lediglich beim zweiten von vier Schießen blieb eine der fünf Scheiben stehen. Doch dank seiner läuferischen Klasse machte der Vize-Weltmeister über 20 Kilometer den Fehler wett. Zudem zielte sein schärfster Rivale Björndalen zwei Mal daneben und kassierte zwei Strafminuten. Am Ende hatte Greis in 54:23,0 Minuten 16 Sekunden Vorsprung auf Björndalen und lag 1:08,9 Minuten vor Hanavold.

DPA


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