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Olympia-Kandidatur: Leipziger Bewerbung in Not

Die deutsche Olympia-Kandidatur gerät in immer größere Not. Heute räumte mit dem Leipziger Olympia-Beauftragten Burkhard Jung bereits der dritte "Mann der ersten Stunde" mehr oder weniger freiwillig seinen Posten.

Die deutsche Olympia-Kandidatur gerät in immer größere Not. Heute räumte mit dem Leipziger Olympia-Beauftragten Burkhard Jung bereits der dritte «Mann der ersten Stunde» mehr oder weniger freiwillig seinen Posten. Der 45-Jährige war in den vergangenen Tagen massiv wegen von ihm genehmigter Finanzgeschäfte der früheren Bewerbergesellschaft "Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH" unter Druck geraten. Neuer Olympia-Beauftragter der Stadt ist der Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bau, Engelbert Lütke Daltrup.

Zuvor hatten bereits der Geschäftsführer der Leipzig 2012 GmbH, Dirk Thärichen und der sächsische Olympia-Staatssekretär Wolfram Köhler wegen unterschiedlicher Anschuldigungen ihre Posten verloren. Zudem zog sich Hermann Winkler, Präsident des Landessportbundes Sachsen (LSB), aus politischen Gründen aus dem Aufsichtsrat zurück.

Jung soll mit dem früheren Geschäftsführer Thärichen eine Absprache getroffen haben, die ungerechtfertigte Provisionszahlungen an die Beraterfirma Sport Consulting International (SCI) deckte. Danach sollte die Firma für die alte Bewerbungsgesellschaft Sponsoren werben und dafür ein Entgeld erhalten. In der Folge sollen auch 15 Prozent Provision von einer Million Euro abgezweigt worden sein, die die Stadt Leipzig der Olympia-GmbH für die nationale Bewerbung zur Verfügung gestellt hatte. Jung bestritt stets diese Vorwürfe.

Jung: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen"

Seine Demission steht im Ergebnis einer von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt eingeleiteten Überprüfung aller Unterlagen der in Liquidation befindlichen Bewerbungs-GmbH. "Ich bin schockiert: Die Unterlagen begründen den Verdacht, dass zu Lasten der Leipzig, Freistaat Sachsen und Partnerstädte GmbH ungerechtfertigte Provisionen gezahlt wurden. Staatsanwaltschaftliche Ermittlungen sind geboten", betonte Tiefensee, der nach eigenen Angaben erst am Donnerstag Details über die Provisionszahlungen an SCI erfahren hatte. Die beiden Liquidatoren der früheren Bewerbungsgesellschaft, Günther Störzinger und Johann Gierl vom Dresdner Finanzministerium, haben die Unterlagen zu den Provisionszahlungen an die SCI der Leipziger Staatsanwaltschaft zur Prüfung zugeleitet.

Tiefensee suspendierte Jung auch als Beigeordneten der Stadt. "Der Schritt ist notwendig, auch wenn ein Mann der ersten Stunde nun seinen Platz verlässt, der mit beispielhaftem Engagement für die Olympia-Idee gearbeitet hat. Herr Jung muss seine Kraft jetzt auf die Sachaufklärung konzentrieren", sagte der Oberbürgermeister. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, sehe aber ein, dass dieser Vorgang der Aufklärung bedarf", erklärte Jung seinen Wunsch nach Abberufung als Olympia-Beauftragter und Geschäftsführer der Marketing Leipzig GmbH. Gleichzeitig legte er sein Aufsichtsratsmandat in der Leipzig 2012 GmbH nieder.

Leipzig ist in einer schwierigen Situation

Der Rückzug Jungs erfolgte einen Tag vor der Mitgliederversammlung des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) in Leipzig. "Ich hoffe, dass sich der Sport morgen hinter Leipzig stellt", sagte Thomas Bach, Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). "Leipzig ist in einer schwierigen Situation. Nun muss reiner Tisch gemacht werden. Dazu gehört, alle Fakten offen zu legen. Der Aufsichtsrat muss am 19. November in Frankfurt einen Neustart machen", betonte Bach, der zugleich forderte, nun alle Kräfte auf die Abgabe des IOC-Fragebogens am 15. Januar zu legen. "Die Zeit bis dahin wird immer kürzer. Jeder weiß, dass dies für Leipzig eine ernsthafte Hürde darstellt. Es kann nichts nachgebessert werden", sagte der IOC-Vizepräsident.

Auch Tiefensee betonte ausdrücklich, dass diese, die Bewerbung belastenden Vorgänge, sich nicht über Gebühr vor die eigentliche Hauptarbeit stellen dürfen. "Nach wie vor wird mit größter Intensität und Professionalität am Kernstück der Bewerbung gearbeitet. Ich bin überzeugt, dass wir einer gemeinsamen Anstrengung auch diese Steine aus dem Weg räumen können."

Gerald Fritsche, dpa

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