Regina Halmich Eine Frau, die Männer in den Schatten stellt


Die Boxerin Regina Halmich hat den härtesten Männersport im Alleingang erobert. Jetzt steht der Titelkampf bevor.

"Ich werde nie ein Fan des Frauen-Boxens werden", schwört Jean-Marcel Nartz, Technischer Leiter bei der Hamburger Universum Box-Promotion, "aber ich bin ein Fan von Regina." Ähnlich mag die Schar der Fernsehzuschauer denken, wenn sie am Samstag (22.00 Uhr/ ZDF) die 28 Jahre alten Rechtsanwaltsgehilfin aus Karlsruhe bei der Verteidigung ihres WIBF-Titels im Fliegengewicht in der Magdeburger Bördelandhalle beobachtet. Herausforderin ist die 20-jährige Amerikanerin Hollie Dunaway.

6,57 Millionen Zuschauer im Schnitt verfolgten am 15. Januar im ZDF Halmichs WM-Sieg gegen Marylin Hernandez aus der Dominikanischen Republik. Damit stellte die 1,60 Meter große Athletin ihre männlichen Kollegen in den Schatten: WBC- Weltmeister Markus Beyer wollten zuletzt nur 5,07 Millionen Zuschauer sehen. Europameister Luan Krasniqi (5,18 Millionen), der 2,13-Meter- Riese Nikolaj Walujew (4,09) und auch Universums neuer Held Felix Sturm (3,2), die eigentlich als Quotenbringer vorgesehen sind, laufen in der Publikumsgunst ihrer zierlichen Kollegin hinterher. "Damit hätte ich nie gerechnet", staunt selbst Universum-Chef Klaus-Peter Kohl.

Eroberung einer Männerdomäne

"Man sieht an der Quote, dass sich die Frauen durchgesetzt haben", bemerkt Nartz, der einen deutlichen Qualitätssprung ("Früher wurde schon mal gekratzt und gebissen ...") bei der Eroberung des harten Männersports durch Frauenhand entdeckt haben will. Als Ursache für Halmichs Beliebtheit sieht Nartz "Charakter und Persönlichkeit, Ausstrahlung und Anziehungskraft". Letzteres hat sie auch schon im Männer-Magazin "Playboy" zur Schau gestellt. Christian Meyer, Geschäftsführer im konkurrierenden Sauerland-Stall, haut in die gleiche Kerbe. "Es zieht nicht das Boxen an sich, sondern der Boxer. Halmich überzeugt als Mensch." Dennoch will sich das Sauerland- Unternehmen nach einmaligem Versuch vor fünf Jahren nicht mehr dem Frauen-Boxen widmen. "Das war nicht so schön. Wir haben außerdem so viel mit unseren Männern zu tun", erklärt Meyer.

Die Bedenken anderer ficht Halmich nicht mehr an. "Ich spüre die Anerkennung und genieße sie. Ich wollte immer Hauptkämpferin sein und vor großem Publikum boxen. Das habe ich erreicht", berichtet die Weltmeisterin, die nun schon fast zehn Jahre auf dem WM-Thron sitzt. Wurde sie in den ersten Jahren mit 1000 Mark pro Kampf abgespeist, darf sie für Titelverteidigungen heutzutage schon runde 200.000 Euro einstecken. Hin und wieder denkt sie laut über das nahende Karriereende nach, doch Trainer Torsten Schmitz glaubt, dass sie bestimmt noch drei Jahre die Handschuhe schnüren wird. Bislang hat sein Schützling von 48 Profi-Kämpfen nur einen verloren, ein Duell endete remis. Mit 37 siegreichen WM-Kämpfen in Serie ist Halmich die erfolgreichste Boxerin der Welt.

Von ihrer Herausforderin Dunaway weiß die deutsche Championesse nicht viel: Normalauslegerin, 17 Kämpfe, 13 Siege, davon acht durch K.o. Die Weltmeisterin des weniger bekannten Verbandes Wiba im Strohgewicht verspricht: "Ich werde besser in Form sein als Regina und mir die Seele aus dem Leib boxen." Ein erst wenige Tage vor dem Kampf zur Verfügung gestelltes Video enttarnte die Amerikanerin als Draufgängerin mit Hang zur Keilerei. Halmich: "Wir können uns auf einen offensiven Kampf freuen."

Franko Koitzsch/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker