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Ski Alpin: Rot-Weiß-Rot regiert die Piste

Österreichs Ski-Königinnen regieren weiter nach Belieben, die Herren der dominierenden Alpin-Nation beendeten ihre Krise und die deutschen Abfahrer bestätigten ihren Aufwärtstrend.

Während beim Riesenslalom in Semmering Kathrin Zettel den österreichischen Dreifacherfolg im Heimrennen am Semmering anführte, erreichten bei der Abfahrt im italienischen Bormio beim Sieg des Österreichers Michael Walchhofer erstmals beide deutsche Teilnehmer Weltcup-Punkte. Stephan Keppler (Ebingen) kam am Donnerstag auf Rang 24, der Obermaiselsteiner Johannes Stehle verbuchte als 27. seine ersten Weltcup-Zähler überhaupt. "Das ist sehr erfreulich", sagte Herren-Cheftrainer Werner Margreiter. Bei den Damen wurde Kathrin Hölzl (Bischofswiesen) als beste Deutsche 16.

Lehrstunden in Österreich

Dem jungen deutschen Damen-Team wurden vor den Toren Wiens deutlich die Grenzen aufgezeigt. Die 22-jährige Hölzl hatte 3,13 Sekunden Rückstand auf Siegerin Zettel, die gemeinsam mit ihren ebenfalls auf dem Podium platzierten Teamkolleginnen Nicole Hosp und Marlies Schild der Konkurrenz erneut eine Lehrstunde erteilte. Acht von zwölf Rennen gewannen Österreichs Skidamen, die zudem die ersten vier Plätze in der Gesamtwertung belegen. Angeführt von der angeschlagenen Partenkirchenerin Maria Riesch verpasste ein deutsches Quartett den zweiten Durchgang. "Nach der Verletzung bin ich noch nicht so weit, dass ich so schwere Rennen gut fahren kann", sagte die durch Migräne gehandicapte 22-Jährige.

Hölzl erreichte ihr drittbestes Weltcup-Resultat. "Im letzten Jahr wäre ich mit so einem Ergebnis superglücklich gewesen, insofern bin ich zufrieden. Man darf die Erwartungen nach dem sechsten Platz in Aspen nicht zu hoch schrauben", meinte die 22-Jährige. "Im ersten Lauf habe ich mir ein bisschen den Schneid abkaufen lassen." Das WM- Ticket hat die Bischofswiesenerin seit ihrem sechsten Rang vor einem Monat im amerikanischen Aspen bereits in der Tasche.

Walchhofer bricht den Bann

Michael Walchhofer erlöste nach 13 sieglosen Weltcups die österreichischen Herren und lag bei der Wimpernschlag-Abfahrt nur 1/100 Sekunde vor Didier Cuche. Der 32-Jährige verpasste den ersten Schweizer Erfolg nach 100 Weltcup-Rennen denkbar knapp. "Es ist nicht nur mir ein Riesenstein vom Herzen gefallen, sondern der ganzen Mannschaft", sagte der Weltmeister von 2003.

Seit Januar hatten Österreichs Abfahrer kein Rennen mehr gewonnen, doch auf einer ihrer Lieblingsstrecken sorgte Walchhofer für den zehnten österreichischen Erfolg im 15. Weltcup-Rennen. "Wir sind auf Grund der langen Erfolglosigkeit ins Grübeln gekommen. Darum ist das sicher einer der schönsten und größten Siege meiner Karriere", sagte der Zauchenseer angesichts der aufkommenden Krisen-Stimmung bei der dominierenden Alpin-Nation. Cuche verpasste zum dritten Mal in diesem Winter den Sieg nur ganz knapp, kann sich aber mit der Führung im Abfahrts-Weltcup trösten. In der Gesamtwertung behauptete der Norweger Aksel Lund Svindal mit 539 Punkten seine Spitzenposition vor Cuche und Bode Miller (USA/beide 490), der am Ort seiner zwei WM- Titel von 2005 ausschied.

Stephan Keppler verpasste nach guten Zwischenzeiten wegen eines Fahrfehlers im Zielhang eine bessere Platzierung. "Da habe ich eine halbe Sekunde liegen gelassen", sagte der 23-Jährige, der zu Saisonbeginn mit zwei achten Plätzen überrascht hatte. Stehle war mit seiner besten Weltcup-Platzierung zufrieden: "Das war eine ordentliche Fahrt und wichtig fürs Selbstvertrauen." Der Ehemann von Langlauf-Olympiasiegerin Evi Sachenbacher-Stehle hatte vor knapp zwei Wochen als 35. in Gröden sein bis dahin bestes Abfahrts-Resultat verbucht.

Christian Kunz und Helen Scott-Smith/DPA

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