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Skispringen: Deutsche Ski-Adler schleichen gerupft von der Schanze

Sven Hannawald verlor beim kollektiven Absturz der deutschen Ski-Adler den Rest seiner Motivation, Martin Schmitt die Hoffnung auf eine baldige Trendwende.

Sven Hannawald verlor beim kollektiven Absturz der deutschen Ski-Adler den Rest seiner Motivation, Martin Schmitt die Hoffnung auf eine baldige Trendwende. Zwei Jahre nach dem olympischen Mannschafts-Gold erlebten die deutschen Ski-Adler beim Weltcup in Salt Lake City ein Debakel, das den vorläufigen Tiefpunkt ihres Sinkfluges markierte. Beim 15. Weltcupsieg des Japaners Noriaki Kasai verspielten die DSV-Springer am Samstag an der Stätte ihres Olympiasieges zudem viel Renommee und die Chance auf ein Ende der Diskussionen um Bundestrainer Wolfgang Steiert. "Es ist normal, dass ich in der Kritik stehe", sagte der sichtlich deprimierte Coach.

"Es hat keinen Sinn und macht keinen Spaß"

Eigentlich wollten Hannawald und Co. ihr schlechtes Abschneiden bei der Skiflug-Weltmeisterschaft in Planica vergessen machen. Doch es kam noch viel schlimmer. "Ich habe keine Motivation mehr für diese Saison. Es hat keinen Sinn und macht keinen Spaß", gestand Hannawald nach seinem "Hüpfer" auf 96,5 m und Platz 47. Michael Uhrmann war auf der Olympia-Schanze von 2002 mit 109,5 und 121 m als Zehnter (209,9 Punkte) noch der Beste der flügellahmen DSV-Adler. Von den sieben Deutschen überstand neben Uhrmann und Schmitt lediglich der Schonacher Alexander Herr (27.) den ersten Durchgang.

"Heute haben wir mannschaftlich ganz schön was auf den Deckel bekommen. Wenn man so weit weg ist von der Spitze, ist das schon deprimierend", sagte Schmitt nach seinem enttäuschenden 29. Platz. Der Team-Kapitän sehnt wie Hannawald das Ende der schlechtesten Saison für den Deutschen Skiverband (DSV) seit elf Jahren herbei. "Ich kann mich nicht mit solchen Platzierungen zufrieden geben und erwarte das auch nicht von anderen", übte Schmitt Selbstkritik und appellierte an die Kollegen: "Wir müssen versuchen, die letzten Wettkämpfe mit Anstand über die Bühne zu bringen."

Gleichbleibend schlechte Form

Für Hannawald wäre allerdings ein vorzeitiger Ausstieg ratsam, denn der Vierschanzentourneesieger von 2002 demontiert sich von Woche zu Woche immer mehr. "Ich gewöhne mich langsam an die schwachen Sprünge. Meine Form ist gleichbleibend schlecht. So verkaufe ich mich nicht, wie ich mich kenne", räumte der 29-Jährige nach dem sang- und klanglosen Aus im ersten Durchgang ein.

Selbst Senkrechtstarter Georg Späth passte sich dem schwachen Niveau seiner Kollegen an und verfehlte als 32. zum vierten Mal in dieser Saison den Finaleinzug. "Die Anlage liegt mir nicht, ich konnte mich schon bei Olympia nicht auf sie einstellen", sagte der 23-jährige Allgäuer enttäuscht. Die Oberhofer Youngster Stephan Hocke und Jörg Ritzerfeld verpassten als 34. und 41. ebenfalls das Finale der besten 30.

Neuer Trainer?

Der Auftritt auf dem Olympia-Bakken passte in das Gesamtbild einer verkorksten Saison, in der die deutschen Springer ein Jahr vor der Heim-WM im kommenden Jahr in Oberstdorf mächtig unter Druck geraten sind. Zwar stärkt die DSV-Führung Steiert öffentlich den Rücken, doch bei anhaltender Erfolglosigkeit dürfte die noch verhaltene Nachfolgediskussion an Dynamik gewinnen. Immer öfter wird der Name von Co-Trainer Peter Rohwein ins Spiel gebracht, der als Betreuer von Uhrmann und Späth eine erfolgreiche Arbeit abgeliefert hat.

Susan Mühne/DPA / DPA

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