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Skispringen: Schmitts Absturz gibt Rätsel auf

Der anhaltende Sinkflug von Martin Schmitt gibt den Trainern derzeit unlösbare Rätsel auf und hat den einstigen Super-"Adler" vor Beginn der Vierschanzentournee zutiefst verunsichert.

Der anhaltende Sinkflug von Martin Schmitt gibt den Trainern derzeit unlösbare Rätsel auf und hat den einstigen Super-"Adler" vor Beginn der Vierschanzentournee zutiefst verunsichert. Die Formkurve des viermaligen Weltmeisters verläuft seit dem Weltcup-Auftakt in Kuusamo abwärts und damit in die falsche Richtung. "Mit der Zeit ist es anstrengend, Geduld zu üben. Ich brauche mal ein kleines Erfolgserlebnis, dann ließen sich die schlechten Sprünge eher verkraften", sagte Schmitt in einem Gespräch mit der dpa.

Kann Martin Schmitt zu alter Stärke zurückfinden?

Mentale Probleme

Der Schwarzwälder hat nach den zuletzt enttäuschenden Auftritten im Weltcup eher bescheidene Ziele für den Jahreshöhepunkt formuliert. "Ich hoffe, dass ich eine gute Form habe während der Tournee und mal sagen kann: Die Sprünge passen wieder", erklärte Schmitt, der seinen letzten Weltcup-Sieg im März 2002 landete. Technische und wohl auch mentale Probleme lassen allerdings Zweifel aufkommen, ob ihm die Trendwende beim deutsch-österreichischen Springer-Spektakel gelingt.

Heß: "Ich leide mit ihm"

Seit seiner Knieoperation im Vorjahr ringt Schmitt vergeblich um den Anschluss an die Weltspitze, die er von 1998 bis 2001 beherrschte. "Ich leide mit ihm", bekannte der frühere Bundestrainer Reinhard Heß, der sich zunehmend Sorgen um den Furtwangener macht. "Natürlich muss man Rücksicht auf seine Verletzungsprobleme nehmen. Aber er springt momentan einfach schlecht, verliert schon beim Absprung 20 Meter", analysierte Heß in Engelberg, wo Schmitt die Tournee-Generalprobe als 31. völlig verpatzte.

Hohe Erwartungen der Fans

"Das war ein Tiefschlag, aber der ist abgehakt", sprach sich Schmitt selbst Mut für das Auftaktspringen am 29. Dezember in Oberstdorf zu. Auf seiner Lieblingsschanze, wo er in den Jahren 1998, 1999 und 2000 siegte, hofft Schmitt auf einen neuerlichen Höhenflug. "Die sicher hohe Erwartungshaltung der Fans ist momentan eher eine Hilfe für mich", schiebt Schmitt jeglichen Druck von sich.

Im Kreis der Familie will der sympathische Schwarzschopf über Weihnachten Kraft und Selbstvertrauen tanken. "Mit der Vierschanzentournee geht die Saison so richtig los. Das ist der zweite Startschuss, bei dem man immer ein bisschen aufgeregter ist. Vielleicht hilft mir das ja", sagte Schmitt, der mit den Trainern und vor allem Bruder Thorsten viel über seine Probleme spricht. Sollte die Formkrise auch bei der Tournee anhalten, könnten Schmitt schwere Zeiten bevorstehen. "Ich weiß nicht, wie lange er dann noch die volle Rückendeckung genießt", meinte ein DSV-Insider.

Noch stehen die Sponsoren zu ihm

Noch stehen Verband, Bundestrainer und die Sponsoren aber voll hinter dem Mannschafts-Olympiasieger, der nach eigener Aussage keine Motivationsprobleme verspürt. In Oberstdorf wird Hauptsponsor Milka sogar einen neuen Werbe-Clou präsentieren, den Schmitt seit Wochen mit einem Fragezeichen auf seinem Sprunghelm annonciert. Diese Treue rechnet Schmitt dem Partner hoch an. "Es ist super, dass ich von dieser Seite Ruhe habe. Es ist schön und gibt ein gutes Gefühl, wenn die Zusammenarbeit auch in Phasen, in denen es nicht so läuft, fortgegesetzt wird. Zumal das Sportsponsoring den Zenit überschritten hat und die Firmen ihr Geld nicht rausschmeißen", erklärte der Skisprung-Millionär.

Eric Dobias, dpa / DPA

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