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Sportschau: ARD darf wieder ran

Der dramatische Fernseh-Poker ist fast beendet, das Comeback der legendären ARD-Sportschau mit Spielberichten der Bundesliga so gut wie perfekt. Nach wochenlangem Tauziehen steht die ARD vor dem Kauf der Erstrechte für das frei empfangbare Fernsehen.

Die gute alte Sportschau dürfte schon in wenigen Wochen wie Phoenix aus der Asche wieder auferstehen: Noch in dieser Woche wollen die ARD und der Sportrechteinhaber Infront um Exnationalspieler Günter Netzer einen Vertrag abschließen, mit dem die Berichterstattung aus der Fußball-Bundesliga ins Erste Fernsehprogramm zurückkehrt. Obwohl dann nur noch ganz wenig Zeit für Vermarktung, Sponsorenverträge und auch die Finanzierung der neuen Rechte bleibt, ist der ARD-Vorsitzende Jobst Plog sicher, dass alles noch bis zum Saisonbeginn Anfang August klappt.

Für die öffentlich-rechtliche Anstalt scheint sich somit der im hektischen Medienzeitalter ansonsten arg antiquierte Satz auszuzahlen: "In der Ruhe liegt die Kraft." Denn offizielle Verhandlungen hat es bis Dienstag überhaupt noch nicht gegeben, und eine ganze Zeit lang sah es angesichts der Riesenlücke bei den Preisvorstellungen auch gar nicht so aus, als würde es sie geben. Jetzt aber hat die ARD ein Angebot von Netzers Infront vorliegen, von dem Plog selbst sagt, dass es "gute Voraussetzungen für einen Abschluss bietet". Beide Seiten liegen nach seinen Worten nah beieinander, und vor allen Dingen: Es gibt gar keine anderen Interessenten mehr für die Samstagsspiele der ersten Bundesliga als die ARD.

Beide Seiten zum Erfolg verurteilt

Trotz des engen finanziellen Spielraums der Öffentlich-Rechtlichen und des immensen Zeitdrucks in den noch nicht einmal sechs Wochen bis zum Anpfiff auf dem grünen Rasen sind also beide Seiten zum Erfolg verurteilt. Und der wird natürlich für die ARD dadurch immens erleichtert, dass die neue Forderung Netzers um zig Millionen unter den bisher vom Privatsender Sat1 gezahlten Betrag von 80 Millionen Euro im Jahr liegt. Dessen bisherige Sendung "ran" dürfte es also künftig nicht mehr geben, dafür hat sich Sat1 mittlerweile die Rechte an den Spielen der Champions League gesichert.

ZDF und der mittlerweile zu einem von KarstadtQuelle geführten Konsortium gehörende Sender DSF interessieren sich für die Sonntagsspiele der ersten Bundesliga. Und RTL werden Ambitionen auf den DFB-Pokal nachgesagt. Die Rechte daran hat noch die ARD, sie stehen aber zur Disposition, denn ob die zusätzlichen Millionen für die Samstagsspiele für die ARD alleine durch bessere Vermarktung und Sponsoren hereinkommen, ist fraglich. Sie sei daher durchaus bereit, vorhandene Fußballrechte zu Gunsten der ersten Bundesliga am Samstag aufzugeben, versichert Plog.

Keine Interesse mehr am UEFA-Cup

Das gilt auf jeden Fall auch für die UEFA-Cup-Spiele, deren Rechte die ARD noch vor Ende des 2005 auslaufenden Vertrags abzugeben bereit ist. Auf keinen Fall aber werde der Vertrag verlängert, kündigten die Intendanten nach ihrer Tagung am Montag und Dienstag im Gebäude des Hessischen Rundfunks in Frankfurt an.

Und wenn die Bundesliga erst einmal zurückgekehrt ist, wird sich natürlich auch das Konzept der Sportschau nachhaltig verändern. Nach Auskunft von ARD-Programmdirektor Günter Struve wird sie voraussichtlich samstags von 18.10 bis 19.45 Uhr dauern und von mehreren Werbeblöcken unterbrochen. Doch diese kleine Reverenz an die Privaten wird der ARD nach den Erfahrungen mit der Bundesliga bei Sat1 kaum noch jemand übel nehmen.

Gerhard Kneier

Wissenscommunity