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Stabhochsprung: Was macht eigentlich ... Balian Buschbaum?

Als Yvonne war er eine der weltweit Besten im Stabhochsprung, dann unterzog er sich einer Geschlechtsangleichung.

Stabhochsprung: Als Yvonne war Balian Buschbaum einst sehr erfolgreich

Balian Buschbaum, 39, in einer Naturheilpraxis in Aschaffenburg, in der er einmal wöchentlich arbeitet. Mit Stabhochsprung hat er einstweilen nichts mehr am Hut.

Yvonne Buschbaum war eine Weltklassestabhochspringerin. Hätte Balian Buschbaum noch mal Lust, über eine Latte zu springen?

Nein. Nach meiner Sportlerkarriere arbeitete ich noch vier Jahre als Trainer und hatte weiterhin die Möglichkeit, Stabhochsprung zu betreiben. Es ist eine schöne Sportart, die mich ausmachte und prägte, mir auch viel fürs Leben beibrachte. Trotzdem brauche ich das Streben nach höher, schneller, weiter heute nicht mehr.

Mittlerweile organisieren Sie Wüstenreisen. Ganz schöner Wandel. Wie kam es dazu?

Das ist die Erfüllung eines großen Traums: Während einer Reise durch die Sahara wurde mir bewusst, dass viele Menschen, die hierherkommen, einen Rucksack mit emotionalen Steinen aus der Vergangenheit mit sich herumschleppen. In der Wüste haben sie die Möglichkeit, das zurückzulassen, was sie für ihr weiteres Leben nicht mehr brauchen. Reisen verändert Menschen. Die Wüste ist aus meiner Erfahrung mit Gruppenreisen sehr speziell. Wenn wir mit unserer Dromedarkarawane, eigenem Koch und Guide in der unbeschreiblichen Weite unterwegs sind, machen manche Teilnehmer in sich Quantensprünge, weil sie endlich Zeit haben, sich um sich selbst zu kümmern.

Ist das Ihr einziges berufliches Standbein?

Nein. Ich bin als Speaker unterwegs, halte in Firmen Vorträge und berate Firmen im Change- und Diversity-Management. Aktuell finalisiere ich mein drittes Buch, zum Thema Bewusstsein, habe einen gleichnamigen Podcast dazu.

2007 beendeten Sie Ihre sportliche Karriere und verkündeten, sich einer Geschlechtsangleichung zu unterziehen. Wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung?

Was da auf mich einprasselte, hätte ich nie erwartet: Ich bekam Tausende Mails aus der ganzen Welt, plötzlich standen Kamerateams vor meiner Haustür und belagerten mich. Ich ließ dann einfach eine Woche lang meine Rollläden unten.

Als Aktive gewannen Sie zweimal EM-Bronze. Wenn Sie Bilder von damals heute sehen: Was geht Ihnen durch den Kopf?

In jeder Körperbewegung sehe ich: Das bin nicht ich als vollständiger Mensch. Das war nur ein Teil von mir; ich fühlte mich damals nie ganz. Heute bin ich bei mir angekommen und helfe anderen Menschen auf ihrem Weg. Ich weiß aus Erfahrung, dass jeder von uns sein Päckchen zu tragen hat und es für jedes Problem eine Lösung gibt.

Machen Ihre früheren sportlichen Erfolge Sie heute noch stolz?

Ach, die Pokale habe ich weggeschmissen. Das sind nur Staubfänger. Stolz bin ich, wenn ich Menschen weiterbringe, wenn ich zum Beispiel an Schulen Aufklärungsvorträge halte, mit den Jugendlichen über Schubladendenken, Diskriminierung und Mobbing spreche und sie plötzlich verstehen, dass Vielfalt für uns alle überlebenswichtig ist. Das sind Momente, die mir Gänsehaut verschaffen.

Haben Sie mittlerweile eigentlich auch Ihre Traumfrau gefunden?

Ja, ich bin fest liiert und sehr glücklich.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Ich habe verstanden, dass alle Kompensation im Außen nur ein Füllen der Leere im Inneren ist. Ich habe es persönlich erlebt. Ich war psychisch und körperlich in den tiefsten Schluchten in mir und weiß heute, dass sich der Aufstieg gelohnt hat. Ich bin dankbar, dass ich leben darf, und versuche, aus jedem Augenblick das Beste zu machen.

Interview: Sabine Hoffmann
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