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Sven Hannawald: Stille Rückkehr in die Normalität

Stück für Stück tastet sich Sven Hannawald zurück in ein normales Leben. Zum ersten Mal nach seinem Burn-Out-Syndrom zeigte sich der einstige Überflieger wieder an einer Schanze und blickt vorsichtig in die Zukunft.

Im Auslauf warteten die Organisatoren mit einer noch nie verliehenen Auszeichnung, doch Sven Hannawald wollte sich bei seiner Rückkehr an die Schanze nicht öffentlich zeigen. Hoch oben am Hang des Schattenberg-Skistadions in Oberstdorf verfolgte der Vierschanzentournee-Sieger von 2001/02 einsam den Auftakt der 53. deutsch-österreichischen Springertour und verweigerte sich auch den unten im Tal wartenden Fans. "Es war genial, den Jubel der Zuschauer wieder zu hören. Es hat Spaß gemacht. Ich bin froh, hier gewesen zu sein", sagte Hannawald.

Eigentlich hatte er als erster Springer den "Goldenen Ski mit blauem Band und Brillanten" entgegen nehmen sollen. Doch Organisationschef Claus-Peter Horle zog unverrichteter Dinge wieder ab. "Ich habe die Plakette in der Tasche, aber wir wollten ihn nicht zu einem öffentlichen Auftritt zwingen", sagte Horle.

Aufgeschoben, aber nicht aufgehoben

Die Ehrung soll Hannawald wegen seiner außerordentlichen Verdienste um die Tournee erhalten. Als einziger Springer hatte der Schwarzwälder vor drei Jahren alle vier Wettbewerbe in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen gewonnen. Doch statt das Bad in der Menge zu genießen, zog Hannawald die Einsamkeit vor. "Wir werden das irgendwann nachholen", meinte Horle.

Für den wegen eines Erschöpfungssyndroms im sportlichen Ruhestand weilenden Hannawald war die Rückkehr ein großer Schritt hin zur Normalität. "Ich hatte vorher Muffensausen. Im Nachhinein bin ich froh, hergekommen zu sein. Es war ein genialer Tag, ich werde mit einem Lächeln einschlafen", erzählte der Hinterzartener, der langsam aus seiner Isolation herauskommt. Auch das Geschehen im deutschen Skisprung hat er zuletzt wieder etwas intensiver verfolgt. "Das war im Sommer noch nicht so der Fall", sagte Hannawald.

"Werden sehen, was die Zukunft bringt"

Kontakt mit seinen Kollegen und dem neuen Bundestrainer Peter Rohwein hat er allerdings nur selten, dennoch schätzt er den Coach als Glücksfall ein. "Er nimmt nach außen hin eine gute und abgeklärte Position ein, dies tut der Mannschaft sehr gut. Es ist immer wichtig, in der Führungsposition eine Person zu haben, die Ruhe ausstrahlt", sagte Hannawald. Für Februar ist ein Gespräch mit Rohwein geplant, in dem die Perspektiven für das Olympia-Jahr 2006 besprochen werden sollen. Dann wird sich entscheiden, ob der Siegspringer von einst noch einmal auf die Schanze zurückkehrt. "Wir werden sehen, was die Zukunft bringt", sagte Hannawald.

Eric Dobias und Gerald Fritsche/DPA / DPA

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