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Tagebuch vom 2. Juli: Ein Art Glück

Und dann ist es plötzlich wieder Segeln. Man hatte in den letzten Tagen fast vergessen, was das ist - Segeln!

Und dann ist es plötzlich wieder Segeln. Man hatte in den letzten Tagen fast vergessen, was das ist - Segeln! Rauschende, fliegende, beglückende Fahrt über die im Morgenlicht glitzergraue See direkt in den tief gestaffelten Himmel hinein. Wolken und Wasser fließen ineinander, und man ist dem Himmel näher auf dem Meer.

Locker, freundlich, beinahe heiter

Glück? Ja, es ist eine Art Glück, das zu erleben. Ein unausgesprochenes, über das keiner redet. Ein singuläres, obwohl es mit so vielen an Bord geteilt wird. Dass es geteilt wird, spürt man heute an der Stimmung an Bord. Sie ist locker, freundlich, beinahe heiter. Obwohl das Essen inzwischen allen zum Hals raushängt. Gutbürgerliche Eintopfküche. Auch gute Bürger müssen heutzutage ja sparen.

"Ist Mittwoch?

Ansonsten herrscht eingespielte Alltagsroutine, von der man den Eindruck hat, sie könnte auch noch vier Wochen andauern. Ablesbar an Dialogen wie diesem: "Heute muss ich Zähne putzen." "Ist Mittwoch?" "Ja, die Zeit rast."

Die Zeit rast. Heute Mittag bekamen wir nach elf Tagen Hochsee S. Kilda in Sicht, schroff ragende Felseninsel und Vorposten der Äußeren Hebriden vor der schottischen Westküste. Europa hat uns wieder.

Peter Sandmeyer
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