HOME

Tennis-Masters-Turnier: Deutsche schlecht wie nie

Das hat es in der Geschichte des Hamburger Masters-Turnier noch nicht gegeben. Von acht deutschen Spielern hat nur einer die zweite Runde erreicht. Einziger Trost: Auch Superstar Andre Aggassi musste gehen.

Die Hoffnungen der deutschen Tennisspieler wurden beim Tennis-Masters-Turnier in Hamburg bereits im Keim erstickt. Mit Thomas Haas und Rainer Schütller mussten sich gleich zwei Zugpferde des deutschen Tennis frühzeitig verabschieden. Für Schüttler war es schon die achte Erstrunden-Niederlage in diesem Jahr. Heute werden sich die Blicke der deutschen Tennis-Fans dann nur noch auf Nicolas Kiefer richten müssen. Kiefer wird heute gegen Sebastien Grosjean aus Frankreich um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen.

Nach einem stürmischen Empfang durch die rund 8.000, in Decken gehüllten Zuschauer hatte Lokalmatador Haas gestern unter dem schützenden Zeltdach des Center Courts nur ein laues Tennis-Lüftchen entfacht und wurde vom Slowaken Dominik Hrbaty mit 4:6, 5:7 aus seinem Heim-Turnier geworfen. Schüttler wehrte sich 2:48 Stunden verzweifelt gegen seine fünfte Auftaktpleite in Serie. Am Ende musste sich der Korbacher dem italienischen Qualifikanten Andreas Seppi aber doch mit 5:7, 7:6 (7:5), 4:6 geschlagen geben und kam wie im Vorjahr in Hamburg nicht über die erste Runde hinaus.

Agassi denkt über Karriere-Ende nach

Einziger Trost für die deutschen Tennisprofis: Mit Andre Agassi verabschiedete sich nur zwei Stunden später ein weiterer Publikumsmagnet und Superstar von dem mit 1,87 Millionen Euro dotierten, bedeutendsten deutschen Tennisturnier. Zwei Mal hatte er "Sandplatz-Wühler" Feliciano Lopez bisher geschlagen, diesmal ging es auf dem Lieblingsbelag des Spaniers gründlich daneben.

Agassi, der nach drei Jahren Pause erstmals wieder in der Hansestadt aufschlug, bot im Beisein seiner Frau Steffi Graf und seines Sohnes Jaden Gil eine enttäuschende Vorstellung. Das 2:6, 6:7 (5:7) gegen Lopez war nicht nur seine erste Erstrunden-Pleite in Hamburg, sondern auch die erste Niederlage gegen den Linkshänder aus Spanien. Bei allen anderen Turnieren in dieser Saison hatte der achtmalige Grand-Slam-Sieger mindestens das Viertelfinale erreicht. "Das war ein schlechter Tag. Es waren unheimlich schwierige Bedingungen", sagte Agassi und nährte Spekulationen um seinen nahen Rücktritt: "Ob ich kommendes Jahr wiederkomme, weiß ich nicht. Ich bin überhaupt nicht sicher, was nächstes Jahr ist."

Trotz Optimismus gescheitert

Haas dagegen will es in seiner Heimatstadt trotz aller Schwierigkeiten wieder verssuchen. "Der Druck hier ist immer besonders groß. Vielleicht will ich einfach zu viel", sagte er nach seinem zweiten Erstrunden-Aus beim achten Auftritt in der Hansestadt. "Jeder kann sich vorstellen, was sich jetzt in meinem Kopf abspielt. Das ist eine Sache, die mich lange verfolgen wird", sagte Haas, der zuvor sechs der acht Vergleiche mit Hrbaty gewonnen hatte.

Dabei war der in Florida lebende Hamburger optimistisch in die vorgesehene Revanche für das Daviscup-Debakel im Vorjahr in Bratislava gestartet. Souverän holte er auf dem roten Sand die ersten vier Punkte, und seine große hanseatische Fan-Gemeinde begann auf den kalten Rängen schon für die nächste Runde zu planen. Doch sie wurde vom emotionslos agierenden Haas bitter enttäuscht.

Hinterher lamentierte Haas über seinen Schläger, die Bespannung und meinte doch: "Ausreden bringen keinem etwas." Während Haas das Trikot wechselte und trotz der Kälte weiter kurzärmlig spielte, schien Hrbaty in seinem Sweatshirt mit abgeschnittenem Dreiviertelarm nicht einmal sonderlich ins Schwitzen zu geraten. In den wichtigen Momenten der Partie zeigte er die nötige Entschlossenheit und hatte auch das Quäntchen Glück.

Ines Reichelt/Andreas Bellinger/DPA / DPA

Wissenscommunity