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US Open in New York: Alle deutschen Tennis-Profis scheiden aus

Deutsches Tennis-Debakel bei den US Open: Bereits am fünften Tag sind alle elf deutschen Herren in New York ausgeschieden. Das Grand-Slam- Turnier war eine Enttäuschung und keine gute Davis Cup-Generalprobe.

Der angekündigte Hurrikan "Earl" blieb am Freitag in New York zwar aus, die deutschen Tennis-Profis wurden bei den US Open dennoch vom Platz gefegt. Mit Philipp Kohlschreiber und Benjamin Becker verabschiedeten sich die letzten beiden der elf gestarteten deutschen Herren aus dem Grand-Slam-Turnier. Einen solch frühen K.o. gab es für Kohlschreiber und Co zuletzt 2008. Damals war in Flushing Meadows nach Runde zwei ebenfalls alles vorbei.

"Jeder gibt sein Bestes, aber es ist leider so, dass wir seit geraumer Zeit keinen mehr in der Tiefe eines Grand-Slams haben - das ist natürlich unser Ziel, aber momentan einfach nicht drin", sagte Kohlschreiber nach seiner 6:4, 3:6, 6:1, 1:6, 3:6-Niederlage gegen Gilles Simon aus Frankreich. Als bislang letzter Deutscher hatte Thomas Haas 2007 mit seinem Viertelfinal-Einzug die zweite Turnier- Woche in New York erreicht.

"Natürlich wünschen wir uns mehr, das ist klar", sagte Patrik Kühnen. Der deutsche Davis Cup-Teamchef war in New York, um letzte Eindrücke für das Abstiegsduell gegen Südafrika vom 17. bis 19. September in Stuttgart zu sammeln. Was er zu sehen bekam, waren deutscher Durchschnitt und jede Menge Qualen in Queens. Den Abschluss bildeten Kohlschreibers Krimi und ein 3:6, 4:6, 4:6 von Benjamin Becker gegen den an Nummer zehn gesetzten Spanier David Ferrer.

Kohlschreiber und Simon: zwei ebenbürtige Gegner

"Ich habe alles versucht, meine Taktik gut umgesetzt, bin viel ans Netz gegangen, aber er war einfach zu gut und das muss man anerkennen", redete Becker Klartext. Beim Match zwischen Kohlschreiber und Simon standen sich indes zwei absolut ebenbürtige Kontrahenten gegenüber. Nachdem der Augsburger den dritten Satz gegen den Weltranglisten-Sechsten des Vorjahres mit 6:1 gewonnen hatte und 2:1 führte, deutete nichts auf den anschließenden Leistungseinbruch hin. "Es war wie eine Achterbahn. Der vierte Satz war einfach schlecht von mir und im fünften Satz hat er sehr hoch an seinem Limit gespielt", resümierte Deutschlands Nummer eins.

Der 26-Jährige hatte zwar erneut keine Schmerzen in der vor zwei Wochen entzündeten rechten Schulter, konnte dennoch seinen Aufschlag nicht wie gewohnt servieren. "Ich habe viele Bälle sehr unsauber getroffen, das Timing stimmte nicht. Ich habe trotzdem die Chance gehabt, zu gewinnen, es aber nicht geschafft. Jedes Mal, wenn ich vorne war, habe ich ihn wieder zurück ins Spiel kommen lassen", ärgerte sich Kohlschreiber, der aber betonte, schon schlimmere Fünf- Satz-Niederlagen erlebt zu haben.

Nur vier deutsche Herren hatten beim mit 22,6 Millionen Dollar dotierten Hartplatz-Highlight die Auftakthürde übersprungen, dabei setzten sich Kohlschreiber, Becker und Andreas Beck jeweils in deutschen Duellen durch. Und Philipp Petzschner bezwang mit dem tschechischen Qualifikanten Dusan Lojda die Nummer 169 der Weltrangliste. Als Beck, Petzschner und Becker dann in Roger Federer, Novak Djokovic und Ferrer die Weltelite vor den Schläger bekamen, gab's lehrreiche Drei-Satz-Lektionen.

Minimalziel dritte Runde

"Da muss schon einiges zusammenkommen, damit man die auch mal schlagen kann. Da brauchen die einen Tag, an dem es nicht so gut läuft und bei uns muss wirklich alles stimmen - und das passiert nicht so oft", weiß Becker. Selbst Kohlschreiber, als Nummer 31 der Welt bester Deutscher, konnte gegen die Top drei, Nadal, Federer und Djokovic erst eine von insgesamt 14 Begegnungen gewinnen. Sein Minimalziel, so Kohlschreiber, sei bei jedem Grand-Slam-Turnier die dritte Runde. Die müsse er aufgrund seiner Weltranglisten-Platzierung einfach erreichen. Die zweite Runde in New York helfe ihm gar nichts und deshalb sei er unzufrieden.

Glücklich hat ohnehin kein Deutscher die Heimreise angetreten - auch nicht Patrik Kühnen, der am Dienstag sein Davis Cup-Aufgebot bekannt gibt. "Niemand ist über sich hinausgewachsen", so Kühnen. Zumindest niemand aus seinem Team. Denn Südafrikas Nummer eins, Kevin Anderson, schaffte beim US Open-Debüt auf Anhieb den Sprung in Runde drei.

Heiko Oldörp, DPA / DPA

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