Tennis Sensation in Wimbledon: Titelverteidiger raus


Das gab's noch nie in der Geschichte des Profitennis auf dem englischen Rasen: Der Titelverteidiger flog gleich in der ersten Runde raus: Lleyton Hewitt unterlag dem völlig unbekannten Kroaten Ivo Karlovic.

John McEnroe hatte Mühe, den Schock zu verdauen. Goran Ivanisevic hingegen lehnte sich genüsslich zurück. Kroatien hat einen "neuen Goran", der das Fehlen des verletzten Wimbledon-Siegers von 2001 an der Church Road gleich in der ersten Runde vergessen machte: Qualifikant Ivo Karlovic, Nummer 203 der Weltrangliste, 24 Jahre alt, 2,08 Meter groß und zum ersten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier. Der Hüne schaltete auf dem Center Court Titelverteidiger Lleyton Hewitt mit 1:6, 7:6 (7:5), 6:3, 6:4 aus und sorgte für die größte Sensation, die es jemals in Wimbledon gab.

Eingang in die Geschichte

Noch nie in der Geschichte des Profi-Tennis musste ein Titelverteidiger bei den All England Championships seine Koffer schon nach der ersten Runde packen. Und vor der 1968 beginnenden Open Ära passierte dieser persönliche Super-GAU in London auch nur ein Mal: Der Spanier Manuel Santana verlor 1967 gegen den Amerikaner Charlie Pasarell. Blamiert haben sich die Champions auf dem "Heiligen Rasen" hingegen schon öfter. Im Vorjahr schieden die beiden Amerikaner Andre Agassi und Pete Sampras am gleichen Tag in der zweiten Runde aus.

Sieger und Verlierer rangen um Fassung

Karlovic fand zunächst keine Worte für das, was er vollbracht hatte. Der schüchterne Kroate, der einen Sprachfehler hat, rang um Fassung. "Am Anfang hatte ich Angst, aber im dritten Satz wurde mir klar, dass ich das Match gewinnen kann", sagte Karlovic und dachte an den Tennisspieler, den er am meisten bewundert. "Goran Ivanisevic war immer mein Idol." Hewitt hatte sein schwarzes Basecap vor Scham tief ins Gesicht gezogen und sagte: "Ich bin jetzt einfach nur enttäuscht. Wenn ich etwas klarer im Kopf bin, muss ich herausfinden, was schief gelaufen ist."

Aus dem Schatten ins Licht

Der aufschlagstarke Ivo Karlovic trat aus dem Schatten ins Licht wie vor zwei Wochen French-Open-Finalist Martin Verkerk aus den Niederlanden. Zehn Mal hatte der baumlange Kerl aus Zagreb vergeblich versucht, sich für ein Grand-Slam-Turnier zu qualifizieren. Auf der ATP-Tour konnte er erst zwei Matches gewinnen. In der zweiten Runde spielt Karlovic nun gegen den australischen Qualifikanten Paul Baccanello.

Rainer Schüttler kam durch

Schüttler übersprang als erster aus der nur zehn Akteure großen Mini-Equipe des Deutschen Tennis Bundes (DTB) mühevoll die erste Hürde und ließ beim 6:3, 6:4, 6:7 (4:7), 7:5 gegen den biederen Schweizer Kratochvil seinen Ankündigungen erste Taten folgen. "Ich traue mir auch hier einiges zu", sagte der Australian-Open-Finalist, der auf dem "Heiligen Rasen" im Vorjahr mit dem Erreichen der dritten Runde sein bestes Ergebnis schaffte.

Sein Aufschlag ließ Schüttler im Stich

Nach prächtigem Beginn machte es sich der 27-Jährige im dritten Durchgang selbst schwer. Vor allem sein Aufschlag - ohnehin nicht seine stärkste Waffe - ließ ihn ein ums andere Mal böse im Stich. Leichte Fehler fügten sich nahtlos an, so dass die anfängliche Dominanz in einem mit 4:7 verlorenen Tiebreak gipfelte. Dabei hatte er bei eigenem Aufschlag schon mit 4:1 geführt.

Nun begann der selbstbewusste Wahl-Schweizer aus Altstätten nahe Zürich zu wanken und ärgerte sich zusehends, als er im vierten Durchgang gleich zwei Breaks des gebürtigen Schweizers kassierte. Mit bemerkenswerter Energie kämpfte sich der Daviscupspieler aber zurück ins Match und zog in die zweite Runde ein, in der der Schwede Andreas Vinciguera oder Fabrice Santoro aus Frankreich auf den an Nummer neun Gesetzten wartet.

DPA

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