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Tour de France: Bewerbung von Freire

Er kann es doch noch: Nach vier Jahren Pause gewann Oscar Freire wieder eine Tour-Etappe - vielleicht ein Argument für eine Vertragsverlängerung bei Rabobank. Tour-Debütant David Kopp freute sich als bester Deutscher über Platz vier.

Oscar Freire war sichtlich erleichtert, als er sich auf dem Podium die Küsschen der netten Damen abholte. Hatte er doch gerade seine erste Tour-Etappe nach vier Jahren gewonnen. Der 30-Jährige kämpfte in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verletzungen. Im Zielort Caen ließ der dreifache Weltmeister aber dann Tom Boonen hinter sich, der dadurch erneut eine bittere Niederlage erlitt. Als Zweiter in der Tageswertung baute der Belgier aber immerhin seinen Vorsprung im Gesamtklassement aus und sicherte sich einen weiteren Tag das Gelbe Trikot. Platz drei belegte am Ende der 225 Kilometer langen Etappe der Baske Inaki Isasi vom Team Euskaltel.

Bester Deutscher war David Kopp vom Team Gerolsteiner. Erste Freude wollte beim Tour-Debütanten jedoch nicht aufkommen. Er bangte noch um seinen Sprinthelfer Peter Wrolich, der bei einem Tempo von 60 km/h in einen Sturz verwickelt wurde. Später stellte sich heraus, dass der Österreicher den Crash relativ unbeschadet überstanden hatte.

Keine Chance für Zabel

Erik Zabel hatte auf dem topfebenen Zieleinlauf bei starkem Gegenwind keine Chance und wurde Neunter. Der zweifache Etappensieger Robbie McEwen, griff heute nicht in die Entscheidung ein, er musste früh abreißen lassen. Der Norweger Thor Hoshovd, der am Mittwoch wegen rüpelhafter Fahrweise von der Jury zurückgesetzt wurde, belegte den siebten Platz.

Freire feierte mit seinem Sieg bei der Tour ein Comeback, denn sein letzter großer Erfolg liegt mit dem Triumph bei der Rundfahrt Tirreno - Adriatico bereits eineinhalb Jahre zurück. Der dreifache Weltmeister kämpfte bis zuletzt mit Sitzproblemen. Bei seinem Rennstall steht er derzeit unter besonderer Beobachtung. Denn am Ende der Saison läuft sein Vertrag aus. "Ich will erst gute Leistung bringen", sagt der Spanier, wenn man ihn auf eine möglich Verlängerung seiner Zeit beim holländischen Team Rabobank anspricht. Die dürfte er gebracht haben.

Schröder ist enttäuscht

„Leider lief die Gruppe am Anfang gar nicht gut. Deshalb haben Dumoulin und ich entschieden, zu zweit zu fahren. Wir haben gut zusammengearbeitet, leider ist er der kleinste Fahrer im Feld und gibt nicht viel Winschatten. Ich habe mich hinter ihm so klein wie möglich gemacht. Schade, dass wir gut drei Kilometer vor dem Ziel gestellt wurden. Ich würde es immer wieder versuchen - es ist schön, eine Etappe bei der Tour de France zu gewinnen“, sagte Schröder.

Bereits nach 20 Kilometern machten sich acht Fahrer auf und davon. Unter ihnen war auch Schröder, der sich mit dem Franzosen Samuel Dumoulin 18 Kilometer später alleine an der Spitze sah. Der 25-jährige Berliner aus Erik Zabels Milram-Team und der nur 1,59 Meter große Franzose harmonierten gut und erarbeiteten sich einen Maximalvorsprung von 12:50 Minuten. Aber wie an den Vortagen war den Ausreißern kein Glück beschieden. Die frische Brise vom Atlantik hatte auch an ihren Kräften zusätzlich genagt.

200 Kilometer lange Aufmerksamkeit

Als es ernst wurde, drückten die Teams der Sprinter hinter dem Spitzen-Duo auf das Tempo, was dazu führte, dass beide eingeholt wurden. Aber immerhin hatte sich Tour-Debütant Schröder, der in dieser Saison eine Etappe der Bayern-Rundfahrt gewann, das erste Mal groß in Szene setzen können. Die Alleinfahrt der beiden dauerte fast 200 Kilometer.

50 Kilometer vor dem Ziel war Tom Boonen, der Träger des Gelben Trikots durch einen Sturz aufgehalten worden. Boonen brauchte aber nur zehn Kilometer, um wieder Anschluss ans Feld zu finden. Vom Sturz profitierten kurzfristig die Ausreißer, weil das Tempo der Verfolger gedrosselt wurde, bis der Weltmeister wieder im Feld war. Ein zweiter Massensturz 3,5 Kilometer vor dem Ziel hatte das Feld bei der Vorbereitung des Schlussspurts auseinander gerissen. Allerdings fiel keiner der gut platzierten Sprinter zurück: Beim Kampf der schnellen Männer waren alle Favoriten dabei

aja mit DPA

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