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Tour de France: Cancellara und das "Unternehmen Gelb"

Die Marschroute ist klar. "Fabian Cancellara soll ins Trikot fahren", gab Jens Voigt die Anweisung von Teamchef Bjarne Riis weiter. Der Schweizer Spezialist ist der Top-Favorit für das 29,5 Kilometer lange Zeitfahren in Cholet. Die Chancen stehen gut, weil sich die Favoriten so früh noch nicht in die Karten schauen lassen wollen.

Für das "Unternehmen Gelb" des CSC-Saxo-Teamchefs Riis müssen andere Interessen zurückstehen. "Ich würde versuchen, unter die ersten Zehn zu fahren. Aber wenn Bjarne sagte, ich soll meine Kräfte im Hinblick auf die mögliche Verteidigung des Trikots lieber sparen, gelten natürlich andere Voraussetzungen", sagte der Berliner Radprofi Voigt vor dem Kampf gegen die Uhr, der auf leicht profiliertem Terrain ausgetragen wird. So früh gab es bei der Tour selten ein Zeitfahren, bei dem die Favoriten traditionell die ersten Claims abstecken.

Für die Tour-Favoriten kommt das Zeitfahren zu früh

Der zweifache Zeitfahr-Weltmeister Cancellara, der am Sonntag seine Form testete und beinahe die 2. Etappe in St. Brieuc im Alleingang nach dem Muster seines Erfolges bei Mailand-San Remo gewonnen hätte, fuhr schon zweimal in Gelb: 2004 und im Vorjahr. Auch die taktischen Überlegungen der Konkurrenz könnten dem Riis-Plan entgegen kommen. Tour-Favorit Cadel Evans, in Rundfahrten ein ähnlich guter Zeitfahrer wie Cancellara, dürfte noch nicht mit letztem Biss an die Aufgabe heran gehen, weil ihm das Gelbe Trikot jetzt noch nicht in seine Kalkulation passen könnte.

"Gelb so spät wie möglich", ist die Devise des Australiers, der vor vier Jahren im damaligen T-Mobile-Team noch als zu großes Risiko eingestuft und von Teamchef Walter Godefroot wegen seiner "unsicheren Fahrweise" nicht mit zur Tour genommen wurde. Genauso dürfte auch Alejandro Valverde nicht allzu traurig sein, wenn er sich heute nicht schon wieder das "Maillot Jaune" überstreifen könnte, das er erst am Vortag verloren hatte. Dabei hat sein Sieg bei der Tour-Vorbereitung Dauphiné Libéré bewiesen, dass sich Valverde im Zeitfahren enorm verbessert hat.

Deutsche hoffen auf Überraschungen

Aus deutscher Sicht ist Sebastian Lang vom Team Gerolsteiner am meisten zuzutrauen, der im Vorjahr bei der Tour wegen einer Fersenverletzung passen musste. Der WM-Fünfte im Zeitfahren hat sich viel vorgenommen. "Auf den beiden Zeitfahren heute und am vorletzten Tour-Tag liegt mein besonderes Augenmerk", sagte Lang, der seinen enttäuschenden vierten Rang bei den nationalen Titelkämpfen übertriebenem Trainingseifer zuschrieb.

Sein Team-Kollege Markus Fothen, 2003 immerhin U23-Weltmeister im Zeitfahren, könnte zumindest die 18 Sekunden gutmachen, die er am Sonntag auf dem Weg nach St. Brieuc durch einen platten Reifen im Finale verloren hatte. Auch sein Mannschafts-Kollege Stefan Schumacher hat in Cholet Ambitionen auf einen vorderen Platz.

DPA / DPA
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