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Tour de France: Winokurow siegt, Armstrong strauchelt weiter

Alexander Winokurow klopfte sich auf die Brust, dann riss er die Arme in die Höhe. Drei Jahre nach seinem Doping-Rauswurf stürmte der Kasache mit der dunklen Vergangenheit zurück auf das große Podium der Tour de France. Lance Armstrong dagegen war erneut als Bruchpilot unterwegs.

"Überhaupt schon am Start zu stehen, war ein Sieg für mich. Dieser Sieg ist nun umso schöner", sagte der 36-Jährige, nachdem er im Alleingang die 13. Etappe über 196 km von Rodez nach Revel gewonnen hatte. Winokurows erster Gratulant im Ziel war Toursieger Alberto Contador. Der spanische Teamkollege hatte ihm noch am Vortag den so lang ersehnten Etappensieg entrissen, als er beim Anstieg nach Mende attackiert hatte und einen Kilometer vor dem Ziel mit dem späteren Sieger Joaquin Rodriguez vorbeigezogen war.

Diesmal holte keiner mehr den früheren T-Mobile-Profi ein. Gut acht Kilometer vor dem Ziel hatte Winokurow am Cote de Saint-Ferreol, einem Berg der dritten Kategorie, seine Attacke gestartet. Auf der rasenden Abfahrt ließ sich der 36-Jährige nicht mehr einholen und erreichte 13 Sekunden vor dem großen Peloton das Ziel. Die Plätze zwei und drei belegten im Sprint des geschlagenen Feldes der Brite Mark Cavendish und der Italiener Alessandro Petacchi.

Für Winokurow dürfte es eine große Genugtuung gewesen sein, nachdem er vor drei Jahren noch bei der Tour zweimal positiv wegen Fremdblutdopings getestet und mit Schimpf und Schande aus dem Land getrieben worden war. Bis heute sieht sich Winokurow zu Unrecht verurteilt, sprechen möchte er über das dunkle Kapitel freilich nicht mehr.

"Volle Konzentration fürs Gelbe Trikot"

Es war Winokurows letzte Chance auf einen Etappensieg, denn ab Sonntag muss er in den Pyrenäen für Kapitän Contador arbeiten. "Da gilt die volle Konzentration dem Gelben Trikot", sagte Winokurow mit Blick auf die Gesamtwertung. Da liegt Contador weiter 31 Sekunden hinter dem Luxemburger Andy Schleck. Dritter bleibt Olympiasieger Samuel Sanchez, der allerdings schon einen Rückstand von 2:45 Minuten zu Schleck aufweist.

Bis zum Angriff von Winokurow hatten die Sprinter auf ihre Chance gehofft, doch am Ende ging es für die schnellsten Männer aber nur noch um den zweiten Platz. Dabei bewies Cavendish, dass er auch ohne seinen wichtigsten Helfer nicht zu schlagen ist. Denn der Brite musste erstmals ohne seinen letzten Anfahrer Mark Renshaw auskommen. Der Australier war am Donnerstag von der Tour ausgeschlossen worden, nachdem er sich im Schlusssprint Kopfstöße gegen den Neuseeländer Julian Dean geleistet hatte. Auf den restlichen sieben Etappen bieten sich Cavendish nun wohl noch zwei Chancen auf einen Sieg (Bordeaux und Paris).

Unterdessen entwickelt sich Lance Armstrong mehr und mehr zum Bruchpiloten. Bereits in der neutralen Zone war der Texaner in einen Sturz verwickelt. Bei der diesjährigen Tour war der 38-Jährige in schöner Regelmäßigkeit von seinem Rad geholt worden, allein auf dem Weg nach Morzine-Avoriaz dreimal.

LeMond soll vor der Grand Jury aussagen

Auch am Samstag kehrte bei Armstrong keine Ruhe im Zuge der großen Dopingaffäre um das frühere US-Postal-Team ein. Der dreimalige Toursieger Greg LeMond erhob schwere Anschuldigungen gegen Armstrong und den Radsport-Weltverband UCI. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bezichtigte der Amerikaner seinen Landsmann Armstrong der versuchten Bestechung und wirft zugleich der UCI mafiöse Strukturen vor.

LeMond soll im Zuge der Doping-Ermittlungen gegen Armstrong und weitere Mitglieder des früheren US-Postal-Teams am 30. Juli vor der Grand Jury aussagen. Das berichtet die New York Daily News. Der 49-Jährige solle seine Kenntnisse über die Praktiken der Teams mitteilen, für die Armstrong seit 1998 gefahren ist. Zuvor griff er Armstrong nochmal öffentlich an. "Ich weiß, dass er jemanden bezahlen wollte. Ich kann nicht sagen, wer es ist, weil derjenige heute noch im Feld arbeitet. Aber er bekam letztes Jahr 300.000 Dollar dafür geboten, um zu behaupten, dass ich Epo nahm. Er hat abgelehnt. Weil es nicht stimmt", behauptete LeMond.

Insbesondere mit der UCI geht der Kalifornier hart ins Gericht. Nach Informationen von LeMond habe Armstrong sogar 500.000 Dollar an die UCI gezahlt. Zuletzt hatte Präsident Pat McQuaid zwei Spenden in Höhe von 125.000 Dollar einräumen müssen. "Allein der Fakt, dass es journalistischer Recherchen bedurfte, damit sie wenigstens die 125.000 einräumen mussten, spricht doch für sich. Wenn das keine Korruption ist, was sonst? Schweigen, zahlen - es ist fast wie bei der Mafia", so LeMond weiter.

Am Sonntag steht die erste von vier schweren Pyrenäen-Etappen an. Auf dem 14. Teilstück über 184,5 km wartet am Ende der Schlussanstieg nach Ax-3-Domaines. Zuvor geht es noch über den 2001 m hohen Port de Pailheres, einem Berg der höchsten Kategorie.

ins/SID / SID

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