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Tour-Dominator Contador: Doping-Fragen unerwünscht

Lance Armstrong schüttelt ungläubig den Kopf, Greg LeMond findet die Leistung einfach nur unerklärlich: Alberto Contadors Dominanz bei der Tour de France ruft die Zweifler auf den Plan, Dopinggerüchte werden laut. Für die Wissenschaft ist der Spanier ein kleines Wunder, für viele Experten aber nur ein Betrüger.

"Alberto, zeige uns, dass wir an Dich glauben können", sagte der dreimalige Toursieger Greg LeMond in seiner Kolumne in der Tageszeitung Le Monde. Der frühere Sport-Manager Stefan Matschiner sagte der Süddeutschen Zeitung: "Ich bin der Meinung, dass im Hochleistungssport weiterhin flächendeckend gedopt wird. Schauen wir uns doch nur die Tour jetzt an, mit Contador, Armstrong." Contador reagiert bei Fragen mit dem D-Wort dünnhäutig. Wie denn seine Blutwerte seien, wollte jemand nach seinem überraschenden Zeitfahrsieg in Annecy wissen. "Nächste Frage", hieß es nur knapp. Die gleiche Antwort bekamen alle bohrenden Nachfrager zu hören.

LeMond fordert Test

Irgendwann hatte es der 26-Jährige satt. Contador stand auf und ging. LeMonds Zweifel beziehen sich auf die erste Alpenetappe nach Verbier, auf der Contador das Gelbe Trikot eroberte. Dabei stellte der Astana Profi mit fast 1900 Metern einen Rekord für Höhenmeter pro Stunde auf. Dazu fiel auch Rekordsieger Armstrong wenig ein: "Zu meinen besten Zeiten habe ich über 1700 geschafft. Aber Alberto schafft über 1800." LeMond fragte, wie die Leistung zu erklären sei und zog eine Analyse des anerkannten Leistungsdiagnostikers Antoine Vayer heran. Der Franzose meinte, dass Contador für eine solche Leistung einen VO2max-Wert (misst die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes) von 99,5 ml/mn/kg haben müsste. "Meines Wissens ist das ein Wert, der zuvor niemals von irgendeinem Athleten in irgendeiner Sportart erreicht wurde. Das ist fast so, als ob ein Mercedes aus dem Autohaus an einem Formel-1-Rennen teilnehmen und gewinnen würde", sagte LeMond. Da stimme irgendetwas nicht. Sei es wirklich möglich, eine solche Leistung an der frischen Luft zu erreichen?

Für den Kölner Doping-Analytiker Wilhelm Schänzer ist der Wert ebenfalls verblüffend. "Ich weiß, dass bei Spitzensportler Werte zwischen 70 und 80 gemessen werden, in Ausnahmefällen auch über 90. Der Wert von Contador klingt natürlich gewaltig", sagte Schänzer dem SID. Der Biochemiker schränkt aber ein: "Man kann nicht so weit gehen und sagen, dass das nur durch Doping zu erreichen ist." Die Berechnung sei lediglich ein Modell. LeMond forderte Contador unterdessen zu physiologischen Tests auf, die seinen VO2max bestimmen sollen. "So kann er beweisen, dass er körperlich zu einer solchen Heldenleistung fähig ist, ohne auf unerlaubte Mittel zurückgreifen zu müssen", sagte LeMond. Er wolle den Spanier nicht verurteilen, weil er die genauen Wetterbedingungen am Anstieg nicht kenne. Aber wie Contador der schnellste Bergfahrer der Geschichte wurde, würde er schon gern erklärt bekommen. Vom Tour-Spitzenreiter wird LeMond wohl keine Antworten erhalten. Der redet nur über die Rennen und erzählt stolz, dass er das Zeitfahren viel trainiert habe und so den ausgewiesenen Spezialisten Fabian Cancellara bezwingen konnte. Am Samstag wird es die nächste Contador-Show geben, dann steuert der Tour-Tross den mystischen Mont Ventoux an. Mystisch dürfte auch Contadors Vorstellung wie schon bisher bei der Tour werden.

Von Thomas Bachmann und Stefan Tabeling/SID

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