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Tourist Trophy Isle of of Man: Hundert Jahre Todesangst

Sie galt lange als härteste Rallye der Welt und auch heute noch ist sie unerreicht: die Tourist Trophy auf der Isle of Man. Begeisterung und Tod spielen seit nun mehr hundert Jahren die Hauptrollen beim Rennen mit den 250 Kurven.

Der Tod fährt immer mit, doch die Begeisterung ist seit 100 Jahren ungebrochen. Auch in diesen Tagen, wenn auf der sonst so idyllischen Isle of Man in der Irischen See wieder die Motoren bei den legendären und berüchtigten Straßenrennen der Tourist Trophy dröhnen, halten sich die Argumente der Fans wie der Renngegner die Waage. "Für mich zählt nur die Konzentration auf die nächste Kurve. Würde ich nur einmal daran denken, was passieren könnte, hätte ich das Rennen schon verloren", sagt der Brite John McGuinness.

Honda-Pilot McGuinness ist einer jener Helden der Neuzeit bei der Isle of Man, jener Rennstrecke, die bei den Fahrern einen unvergleichlichen Kick hervorruft. Auslaufzonen oder Kiesbetten sind Fremdwörter, gefährdende Hindernisse oftmals nur mit ein paar übereinander gestapelten Strohballen gesichert. Im Vorjahr gewann McGuinness gleich drei Einzelrennen und verbesserte nicht weniger als vier Mal den Streckenrekord. Knapp 18 Minuten benötigt er für den 37,73 Meilen (rund 60 Kilometer) langen Straßenrundkurs. Bei seinem Rundenrekord fuhr McGuinness eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 129,451 Meilen pro Stunde - über 200 km/h. Trotz seiner bislang elf TT-Siege ist er weit entfernt von jenem Kultstatus, den Rekordsieger Joey Dunlop noch immer genießt. 26 Erfolge feierte der 2000 in Estland tödlich verunglückte Nordire auf "seinem" Rennkurs.

Erschlagende Argumente der Gegner

Die Argumente der Renngegner sind im wahrsten Wortsinn erschlagend. Eine offizielle Liste der Opfer gibt es nicht. Auf der Insel spricht auch niemand offen über menschliche Verluste. Seit nunmehr 100 Jahren gehören die Rennen der Tourist Trophy zum Leben der Inselbewohner dazu. Nahezu jede Familie auf der Insel hat in jener Zeit einen entfernten Verwandten verloren. Doch die Manx, die 35.000 gebürtigen Insulaner, können damit leben und engagieren sich bei der Betreuung der Gäste. Wer die Invasion der 50.000 Biker vom Festland dennoch nicht mag, zieht sich stillschweigend für zwei Wochen zurück.

Den gut 60 Kilometer langen Mountain Course markieren 37 besondere Streckenabschnitte mit knapp 250 Kurven. "Da läuft vor deinen Augen ein ganz anderer Film ab, als wenn du eine klassische Rundstrecke mit sechs Links- und acht Rechtskurven befährst", erzählt Karsten Schmidt (Wathlingen), einer der wenigen deutschen Starter im Jubiläumsjahr. Der Sprung über die Ballaugh Bridge oder das unweigerliche Aufsteigen des Vorderrades bei 250 km/h beim Passieren von Bray Hill sorgen für das nötige Adrenalin. Unter Strom steht zuweilen auch Ewald Temmen. Der deutsche Motorradpolizist ist seit Jahren fester Bestandteil der TT-Rennwoche. Der Hauptkommissar ist Ansprechpartner der deutschsprachigen Inselbesucher.

Markus Beims/DPA / DPA
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