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Turin: Olympia-Eröffnung unter Militärschutz

Die Eröffnungsfeier der 20. Olympischen Winterspiele in Turin soll zu einer furiosen und stilvollen Show aus "Feuer, Eis und Musik" werden. Aus Furcht vor Terroranschlägen herrschen strengste Sicherheitsmaßnahmen.

Die über zweistündige Zeremonie im Stadio Olimpico, bei der auch Startenor Luciano Pavarotti und Filmdiva Sophia Loren auf der Bühne stehen sollen, vereinigt Sport, Kultur, Mode und Historie. "Es wird die wichtigste und größte Show der Welt", kündigte Produzent Marco Balich an. Die Eröffnungs- sowie die Schlussfeier am 26. Februar kosten nach Angaben von Valentino Castellani, dem Präsidenten des Organisationskomitees TOROC, zusammen 28 Millionen Euro.

"Heiter und dynamisch"

Die Feier steht unter dem Motto der Spiele: "Passion lives here" - Leidenschaft lebt hier. Das erstmals präsentierte Konzept umfasst, neben dem Einmarsch der 2500 Sportler aus 82 Nationen und den üblichen Reden, Tanz, spektakuläre Akrobatik und aufwändige Ausflüge in die Geschichte. Den Olympia-Schwur, bei dem sogar Passagen des Nationaldichters Dante rezitiert werden, spricht Italiens Ski-Star Giorgio Rocca. Zwei Milliarden Fernsehzuschauer können das Spektakel in der 35 000 Zuschauer fassenden Arena im Fernsehen miterleben. Deutsche Fahnenträgerin ist die Biathletin Kati Wilhelm.

"Die Show ist heiter und dynamisch, ihr Charakteristikum heißt Schnelligkeit", schrieb "La Gazzetta dello Sport" nach der Generalprobe am Mittwochabend. Acht Nobelpreisträger werden die Olympische Flagge ins Stadion tragen. "Ein großes italienisches Fest", schwärmte "La Repubblica". Ferrari-rot gekleidete Skater mit einem Feuerschweif aus dem Helm flitzen mit bis zu 70 Stundenkilometern um das Stadionoval. Heißluftballons, die Sonne und Mond symbolisieren, ziehen akrobatische Himmelstänzer durch die Lüfte - die Musik reicht von Verdi bis Pop.

Das Geheimnis um die Fackel

Ein Geheimnis blieb, wer das Feuer entzündet. Als Favoriten werden die beiden dreifachen Ski-Olympiasieger Deborah Compagnoni und Alberto Tomba ("Tomba la bomba") sowie Langläuferin Stefania Belmondo, mit zehn Medaillen erfolgreichste italienische Olympia- Teilnehmerin, gehandelt. Die italienische Nationalhymne wird von einem kleinen Mädchen gesungen.

Die Olympia-Fackel wurde bei ihrem über 10.000 Kilometer langen Weg durch Italien über 50 Mal durch Demonstrationen gestört oder aufgehalten, berichteten Zeitungen. Die Demonstranten protestierten vor allem dagegen, dass der US-Getränkehersteller Coca Cola einer der Hauptsponsoren der Winterspiele ist.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi äußerte sich sichtlich verärgert über die häufigen Proteste gegen die Fackelläufer. "Das ist etwas, was man noch nie zuvor gesehen hat", kritisierte Berlusconi in Rom. "Es ist wirklich unmöglich." Italien dürfe in der Welt nicht als "das einzige Land erscheinen, das die Olympiade nicht haben will", meinte er.

F-16-Kampfjets patrouillieren

Zugleich wurde in Turin Kritik an den mangelnden Sicherheitskontrollen in Journalisten-Unterkünften geäußert. In den so genannten Medien-Dörfern gebe es mitunter so gut wie keine Kontrollen. Italienische Sicherheitsexperten befürchten "spontane Aktionen" von Globalisierungs-Kritikern und der Anarcho-Szene. "Nicht wirklich gefährliche Aktionen, aber solche, die Angst und Panik auslösen können", meinte ein Experte aus dem römischen Innenministerium.

Die offiziellen Eröffnungsworte zum Start der XX. Olympischen Winterspiele spricht Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi. Rund 40 Staats- und Regierungschefs sowie gekrönte Häupter kommen zur Eröffnungsfeier. Aus den USA reist Präsidentengattin Laura Bush an, auch der britische Premierminister Tony Blair schickt seine Ehefrau Cherie nach Turin, auch Bundespräsident Horst Köhler ist dabei.

Aus Furcht vor Terroranschlägen herrschen zumindest bei der Eröffnungsfeier strengste Sicherheitsmaßnahmen. Unter anderem patrouillieren F-16-Kampfjets am Himmel über Turin. Außerdem stehen Luftabwehrraketen zum Schutz gegen mögliche terroristische Angriffe bereit, berichteten italienische Zeitungen.

DPA / DPA

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