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US Open: Agassi wie zu besten Zeiten

Die Tennis-Abschiedsvorstellung von Andre Agassi bei den US Open wird um eine kaum noch erwartete Zugabe verlängert. Bei seiner 21. Teilnahme in New York spielte der 36-jährige Altmeister schon zum Auftakt auf der gesamten Klaviatur der Gefühle.

Erst nach dreieinhalb dramatischen Stunden stand der 6:7 (4:7), 7:6 (10:8), 7:6 (8:6), 6:2-Erfolg über den Rumänen Andrei Pavel fest. "Ich bin sehr stolz auf diesen Tag und hoffe, das wiederholen zu können. Ich will noch sechs Spiele lang hier bleiben", sagte Agassi nach dem aufregenden Abend, der erst am Dienstag um 0.30 Uhr Ortszeit zu Ende ging. Am Donnerstagabend steht Agassi im Generationenduell vor einer mindestens genauso schweren Aufgabe gegen Marcos Baghdatis aus Zypern. Der Australian-Open-Finalist schaltete den Frankfurter Alexander Waske mit 7:6 (7:1), 7:6 (9:7), 6:3 aus.

Phasenweise hochklassiges Match

Die Zweitrunden-Qualifikationen von Benjamin Becker, Björn Phau und Martina Müller waren aus deutscher Sicht angenehme Nebengeräusche, das Aus für Anna-Lena Grönefeld dagegen eine unüberhörbare Dissonanz. Insgesamt schieden 5 der 14 deutschen Starter schon am Montag aus. Neben der Weltranglisten-16. Grönefeld waren dies Julia Schruff, Sandra Klösel, Waske und Simon Greul.

Die erste Geige am Eröffnungstag spielte Agassi, der wegen seiner chronischen Rückenbeschwerden erst sein 16. Match in dieser Saison bestritt. Zunächst allerdings zeigte sich der in Westfalen lebende Pavel von der großen Bühne des ausverkauften Arthur-Ashe-Stadiums völlig unbeeindruckt und lieferte dem anfangs oft zu langsamen Agassi ein spannendes und zeitweilig hochklassiges Match.

Die "Gräfin" auf der Tribüne

Nach zwei engen Sätzen zog der Rumäne auf 4:0 davon. Erst als Pavel Magenprobleme bekam, startete Agassi eine Aufholjagd, die er nach dem dritten Tiebreak am Ende klar mit dem 869. Sieg seiner Karriere krönte. 23 736 Fans feierten den Publikumsliebling stürmisch. Auch die vielen Altstars, die zu Ehren von US-Legende Billie Jean King gekommen waren, auf deren Namen die Tennis-Anlage in Flushing Meadows vor dem Match getauft worden war.

"Das lauteste Geräusch auf der Welt sind 23 000 leise New Yorker. Ich bin durch ein sehr schwieriges Spiel gekommen", sagte Agassi, der einen Anhang von rund 100 Personen dabei hatte, darunter Ehefrau Steffi Graf und die beiden Kinder. Agassis Entourage war größer als die Zuschauerzahl, die zu später Stunde den 4:6, 7:6 (7:3), 6:4, 7:6 (7:3)-Sieg von Qualifikant Benjamin Becker über den Italiener Filippo Volandri verfolgten.

Grönefeld ausgeschieden

"Es ist ein Wahnsinnsgefühl und ein sehr, sehr wichtiger Sieg, weil ich jetzt unter den Top 100 bin", sagte der 25-Jährige mit dem berühmten Nachnamen, der schon in Wimbledon die zweite Runde erreicht hatte. Nächster Gegner ist der Franzose Sébastien Grosjean oder der ehemalige Australian-Open-Sieger Thomas Johansson aus Schweden. Björn Phau gewann 6:3, 7:6 (7:0), 6:4 gegen Qualifikant Jeff Morrison aus den USA und trifft nun auf den Belgier Xavier Malisse.

Anna-Lena Grönefeld scheiterte dagegen wie schon in Wimbledon in Runde eins und setzte ihre Krise beim 6:2, 0:6, 4:6 gegen die Französin Aravane Rezai fort. "Ich wusste von vorn herein, dass es nach dem Viertelfinale bei den French Open kein Selbstgänger wird", sagte die Nummer 16 der Welt, die ab dem zweiten Satz zu wenig Druck machte und am Ende Doppelfehler in Serie produzierte. So auch beim siebten Matchball, den ihr Trainer Rafael Font de Mora nicht mehr sah. Der umstrittene Spanier war nach dem katastrophalen zweiten Satz gegangen, wofür Grönefeld sogar Verständnis hatte.

DPA

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