HOME

Wimbledon: Kiefer gibt den Tennis-Samurai

Nach über einem Jahr Pause hat Nicolas Kiefer ein gelungenes Comeback in Wimbledon gefeiert und die erste Runde überstanden. Die anderen Kollegen sind dagegen weniger erfolgreich: Neun Deutsche sind bereits nach der ersten Runde ausgeschieden.

Mit weißem Stirnband wie ein Tennis-Samurai und wild entschlossen ließ der 29-Jährige seine lange Leidenszeit hinter sich und zog mit dem ersten Sieg nach 373 Tagen Verletzungspause in die zweite Runde ein. Kiefer kämpfte Filippo Volandri aus Italien am Dienstag mit 6:3, 7:6 (8:6), 6:1 nieder und überstand am Pleitentag des deutschen Tennis als Dritter die Auftakthürde, an der schon neun der vierzehn gestarteten Deutschen gescheitert sind. Sein nächster Gegner bei den All England Championships in London ist am Donnerstag der Franzose Fabrice Santoro.

Marathon-Mann Benjamin Becker und Sorgenkind Anna-Lena Grönefeld hatten zuvor die Reihe der deutschen Pleiten auf dem "Heiligen Rasen" fortgesetzt. Grönefeld unterlag der Kroatin Nika Ozegovic mit 3:6, 2:6; Becker zog gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela mit 6:3, 6:4, 4:6, 4:6, 8:10 den Kürzeren. Der Mettlacher mit dem großen Namen verpasste damit die zweite Runde, die er bei seinem Debüt im Vorjahr geschafft hatte.

Pleitenserie für die Deutschen

Auch Sandra Klösel, Julia Schruff, Greta Arn, Angelique Kerber und Qualifikant Mischa Zverev schieden am zweiten Tag des mit 16,78 Millionen Euro dotierten Grand-Slam-Turniers aus. Sie folgten Tatjana Malek und dem restlos enttäuschenden Philipp Kohlschreiber, die schon tags zuvor ihre Tennistasche wieder packen konnten. Martina Müllers für den Abend geplante Partie gegen Anna Smashnova aus Israel wurde frühzeitig auf Mittwoch vertagt. Sie will wie Florian Mayer das schlechte Bild des deutschen Tennis aufpolieren und Haas, Kiefer und Michael Berrer in die zweite Runde folgen.

"Ich habe auf Risiko gesetzt und es hat geklappt", sagte Kiefer nach seiner gelungenen Rückkehr nach Wimbledon. Druckvoll und präzise spielte er von der Grundlinie aus und gewann mehr und mehr an Sicherheit. Im zweiten Satz ließ er sich selbst durch ein frühes Break nicht schocken - und gewann schließlich den Tiebreak. Die Rückhand der Schonung wegen einhändig zu spielen, traute er sich dabei freilich nicht. Am Ende durfte sich der Hannoveraner vor allem aber darüber freuen, dass das schon drei Mal operierte linke Handgelenk problemlos gehalten hat. "Die Hand ist super. Aber nach einem Jahr ohne Matchpraxis muss man sich erst einmal reintasten."

Becker wehrte sich lange gegen die Niederlage

Mit heißem Herzen und großem Kampf - die Attribute, die ihn in der vorigen Saison zum Aufsteiger der ATP-Tour gemacht haben - wehrte sich Becker lange gegen die drohende Niederlage. "Das war ein typischer Fall von Chancen nicht genutzt", sagte der 26-Jährige. Tags zuvor hatte er es verpasst, die Partie zu entscheiden und den Sack vor der hereinbrechenden Dunkelheit zuzumachen. Beim Stande von 3:3 ging es am Dienstag weiter - und Becker ließ für seine teils dummen Fehler wieder den Schläger büßen. Doch das "ungezogene" Benehmen verfehlte seine Wirkung nicht. Im spannenden Finale fehlte dem Daviscup-Spieler dann allerdings auch das Quäntchen Glück.

Anna-Lena Grönefeld schaffte den Befreiungsschlag in Wimbledon nicht. Ängstlich, nervös und körperlich wie geistig weit entfernt von ihrer einstigen Klasse scheiterte die 22-Jährige auch beim vierten Versuch, ihr erstes Match im All England Club zu gewinnen. Mit 3:6, 2:6 unterlag sie der Kroatin Nika Ozegovic. "Ich bin sicher, dass ich irgendwann wieder Top-Tennis spielen werde. Ich konnte es in der Vergangenheit, warum sollte ich es nicht wieder können", sagte die Weltranglisten-135., die noch vor einem Jahr die Nummer 14 war und in dieser Saison schon elf Erstrundenniederlagen kassiert hat.

Henman bezwingt Moya

Eine an Spannung kaum zu überbietende Vorstellung gaben Tim Henman und Carlos Moya auf dem Center Court. Der Brite zeigte in der Hängepartie einmal mehr seine Steher-Qualitäten und kämpfte den einstigen French-Open-Sieger aus Spanien mit 13:11 im 5. Satz nieder. Nach der Absage des verletzten Andy Murray blieb den Gastgebern ein Hoffnungsträger erhalten. French-Open-Sieger Rafael Nadal besiegte den Amerikaner Mardy Fish mit 6:3, 7:6 (7:4), 6:3 und folgte seinem Dauerrivalen Roger Federer in Runde zwei. Die Französin Amelie Mauresmo unterstrich ihre Ambitionen, den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen, mit einem 6:1, 6:3 gegen Jamea Jackson aus den USA.

Andreas Bellinger und Wolfgang Müller/DPA / DPA

Wissenscommunity