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US Open: Tommynator trotzt Höllenschmerz

Es waren schlimme Momente für Tommy Haas in seinem Erstrundenmatch bei den US Open. Und dennoch: Trotz zwickender Schulter setzte sich der Tommynator gegen einen Qualifikanten durch. Ein anderer Deutscher feierte ein beeindruckendes Comeback.

Thomas Haas und Nicolas Kiefer haben die Zweifel besiegt und sind an der Spitze eines deutschen Tennis-Quartetts im Gleichschritt in die zweite Runde der US Open gestürmt. Die Schulter zwickte zwar und behinderte den 29-jährigen Haas am Montagabend (Ortszeit) in New York bei jedem Aufschlag und jeder Rückhand. Doch den 6:7 (5:7), 7:5, 6:3, 6:4-Auftakterfolg gegen den belgischen Qualifikanten Steve Darcis verhinderte sie nicht; auch wenn der gebürtige Hamburger genervt meinte: "Nicht ein Mal konnte ich volle Kanne durchziehen. So kann es nicht weitergehen."

Auch Kiefer ging bei seiner Flushing-Meadows-Rückkehr nach einem Jahr Verletzungspause unsicher in die Partie gegen Routinier Vince Spadea. Nach seinem eindrucksvollen 6:2, 7:6 (7:1), 6:3 gegen den Amerikaner war der 30-Jährige rundherum zufrieden - vor allem aber kerngesund. "Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, auch nach dem Spiel etwas für den Körper zu tun", erklärte der Hannoveraner auf dem Weg vom Kraftraum zur Pressekonferenz. Keine Schmerzen im Handgelenk plagten ihn beim zweiten Sieg im fünften Vergleich mit Spadea, kein Zwicken im lädierten Knie und auch keine sonstigen Wehwehchen.

Kiefer freute sich über ein gutes Spiel und vor allem darüber, dass es nur drei Sätze gedauert hatte. "Ich konnte Kraft sparen, das ist das Wichtigste." Gegen den Weltranglisten-Vierten Nikolai Dawidenko wird er die gesparte Kraft sicher brauchen. Das einzige Duell vor zwei Jahren in St. Petersburg hat er zwar 6:1, 6:1 gewonnen. "Doch seither ist einiges geschehen. Da muss ich schon noch einen großen Schritt nach vorne machen." Erst einmal wollte Kiefer aber seinen Sieg gebührend auskosten. "Denn", so meinte er, "viele Grand-Slam-Siege habe ich zuletzt schließlich nicht gefeiert."

Petzschner schlägt B.B.

"Der Arm sackt ein und wird kraftlos. Und keiner weiß, woran es liegt. Das macht keinen Spaß mehr", sagte Haas und seine Miene verfinsterte sich angesichts des Verletzungspechs der vergangenen Wochen. Dabei durfte sich der an Nummer zehn gesetzte Daviscupspieler auf ein deutsches Duell gegen den ihm noch unbekannten Philipp Petzschner freuen. Der Grand-Slam-Debütant aus dem einstigen Boris Becker Junior-Team rang den "kleinen B.B.", Benjamin Becker, 2:6, 3:6, 6:4, 6:4, 6:1 nieder und schaffte gegen den von Krampf-Attacken geplagten Agassi-Bezwinger des Vorjahres den Sprung in Runde zwei.

"Das war mein erstes Fünfsatz-Match; ich bin glücklich und müde zugleich. Wenn ich auch gegen Tommy gut spiele, bekomme ich vielleicht wieder meine Chance. Und die will ich nutzen", sagte der 23 Jahre alte Qualifikant aus Bayreuth, der in diesem Jahr fünf Monate lang am Stock ging. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn beim Fußballspiel riss der 23-Jährige sich drei Bänder im Sprunggelenk, fing zu früh an und erlitt prompt einen weiteren Bänderriss.

Petkovic einzige deutsche Dame in Runde 2

Benjamin Becker machte der Druck zu schaffen, der sich im vorigen Jahr aufgebaut hatte, nachdem er die Karriere von Andre Agassi in der dritten Runde beendet hatte. "Der Muskel machte immer wieder zu. Ich konnte keinen schnellen Schritt machen", erzählte der 26-Jährige ohne den Grund für die schmerzhafte Blessur wirklich zu kennen. "Der Physio meinte, es lag wohl an den Nerven."

Von den fünf deutschen Tennisspielerinnen, die am Eröffnungstag aufschlugen, kam nur Andrea Petkovic weiter. Die Einzer-Abiturientin aus Darmstadt bekannte nach dem programmierten 6:4, 6:1 gegen die in den Niederungen der Weltrangliste auf Platz 387 geführte Amerikanerin Audra Cohen: "Ich war unheimlich nervös. Alle haben mir wegen des guten Loses gratuliert. Das war ein großer Druck, zumal ich wusste: Wenn ich gewinne, bin ich endlich unter den besten 100."

Schüttler nach hartem Kampf draussen

Beim Schleswig-Holstein-Festival auf dem Center Court blieb für Julia Görges aus Bad Oldesloe und die Kielerin Angelique Kerber derweil nur die Rolle des Tennis-Lehrlings. "Es war ein tolles Gefühl, in dieser riesigen Schüssel zu spielen", sagte die 18-jährige Görges nach ihrer 0:6, 3:6-Niederlage gegen die beste Spielerin der Welt, Justine Henin aus Belgien. Die 19-jährige Kerber unterlag der Amerikanerin Serena Williams unter Flutlicht achtbar mit 3:6, 4:6.

Während der dreimalige Seriensieger Roger Federer aus der Schweiz seine erste Hürde ebenso locker meisterte wie Venus Williams, scheiterten Julia Schruff, Alexander Waske und Rainer Schüttler. Waske gab sein Match gegen Gilles Simon beim Stand 6:4, 6:1 für den Franzosen wegen einer wieder aufgebrochenen Ellenbogen-Verletzung auf. Der nur noch auf Weltranglisten-Platz 145 geführte Schüttler kämpfte gegen Paul Capdeville aus Chile aufopferungsvoll, zog mit 7:5, 3:6, 7:6 (7:4), 4:6, 3:6 aber den Kürzeren.

DPA/kbe

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