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Vierschanzen-Tournee: Schmitt meldet sich zurück

Sven Hannawald verließ nach seiner verpatzten Generalprobe für das Auftaktspringen der 52. Vierschanzentournee traurig die neue "Allgäu-Arena", Martin Schmitt strahlte über das ganze Gesicht.

Sven Hannawald verließ nach seiner verpatzten Generalprobe für das Auftaktspringen der 52. Vierschanzentournee traurig die neue "Allgäu-Arena", Martin Schmitt strahlte über das ganze Gesicht. Mit einem Satz auf 130,5 m meldete sich der viermalige Weltmeister aus Furtwangen am Sonntag in der Qualifikation eindrucksvoll in der Weltspitze zurück und stahl seinem Teamkollegen die Show. "Das war eine absolute Granate. Es war aber auch Zeit, denn er hat genug auf den Deckel bekommen", zollte Hannawald Anerkennung.

"Es war ein schwieriger Tag"

Der Hinterzartener konnte seiner Rolle als Mitfavorit auf den Gesamtsieg noch nicht gerecht werden. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Es war ein schwieriger Tag, es ging alles zu schnell an mir vorbei. Spaß hat das nicht gemacht", erklärte Hannawald, der bei verkürztem Anlauf lediglich 119 m erreichte. Dass ausgerechnet der Musterschüler beim mannschaftlich starken Auftritt der DSV-Springer abfiel, überraschte auch den Bundestrainer. "Er hat den Sprung nicht laufen lassen und sich noch nicht optimal auf den Rückenwind eingestellt", sagte Wolfgang Steiert.

Starke Teamleistung

Nach den schwachen Ergebnissen im bisherigen Saisonverlauf hatte Steiert dieses Mal allen Grund zur Freude. "Wir haben eindrucksvoll gezeigt, dass wir ein starkes Team sind. Besonders beeindruckend waren die Leistungen von Jörg Ritzerfeld, Alexander Herr und Martin Schmitt", sagte er und verteilte ein Extralob. Vor allem die Leistungsexplosion des zuletzt im Formtief steckenden Schmitt hellte die Mienen im deutschen Lager auf. "Der Typ ist sensationell, bringt mich allerdings zum Herzkasper. Vier Wochen lang springt er schlecht und dann das. Er hat endlich gezeigt, was er kann. Was am Montag passiert, kann ich aber nicht vorhersagen", meinte Steiert.

"Ich hoffe, dass es jetzt einfacher geht"

Schmitt wirkte nach seinem tollen Sprung sichtlich gelöst. Wie weggeblasen waren die Selbstzweifel der vergangenen Wochen. "Ich bin zufrieden, dass mir mal ein guter Sprung gelungen ist. Darauf kann ich aufbauen. Ich hoffe, dass es jetzt einfacher geht", sagte der Furtwangener, der wie alle DSV-Springer mit einem neuen Anzug über den Bakken ging. "Es ist ein etwas anderer Stoff. In der Luft habe ich allerdings keinen Unterschied gemerkt", berichtete der 25-Jährige über seine neue Arbeitskleidung. Im K.o.-Durchgang am Montag trifft Schmitt auf den Slowenen Robert Kranjec, Hannawald muss sich mit Andreas Goldberger auseinandersetzen.

Einen starken Eindruck hinterließen auch die anderen deutschen Starter. Maximilian Mechler kam auf 129 m, Ritzerfeld und Herr landeten bei 126 m. Michael Uhrmann sprang bei verkürztem Anlauf immerhin 122,5 m und trifft im deutschen Duell auf den Oberhofer Stephan Hocke. Die Sieger der 25 Paarungen und die fünf besten Lucky Loser erreichen das Finale. "Alle Paarungen sind für uns machbar", meinte Steiert, der die Messlatte für das Team hoch angelegt hat.

Die Erwartungen sind groß

"Wir wollen natürlich einen Springer aufs Stockerl bekommen. Aber noch wichtiger ist, dass wir in der Breite mit guten Platzierungen aufwarten. Am liebsten wäre mir, wenn immer vier, fünf Athleten unter die ersten 15 springen", sagte der unter Hochspannung stehende Coach, an dem die bisherige Erfolgslosigkeit in dieser Saison nicht spurlos vorbeigegangen ist. Dennoch sind die Erwartungen vor allem an Hannawald groß. "Er gehört neben Titelverteidiger Janne Ahonen zu den Topfavoriten", sagte Steiert.

Um dieser Rolle gerecht werden zu können, setzt Hannawald auf Ruhe und die Hilfe des Wettergottes, der die Springer in dieser Saison bislang im Stich gelassen hat. "Es ist mir egal, ob es warm oder kalt ist, Hauptsache kein Wind", erklärte der Tourneesieger von 2001/02, der in Oberstdorf den Sieg-Hattrick anstrebt. Damit würde er mit Tea- Kollege Schmitt gleichziehen, der von 1998 bis 2000 drei Mal nacheinander beim Auftakt triumphierte. "Ich würde mich freuen, wenn die Serie bestehen bleibt", meinte Hannawald, räumte aber ein: "Gut Ding braucht Weile. Man kann nichts erzwingen."

Eric Dobias und Susan Mühne, dpa / DPA

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