Wimbledon Wie zu Boris' Zeiten


Mischa Zverev setzt den deutschen Höhenflug in Wimbledon fort. Der Rasen-Spezialist spielte gegen den Spanier Ferrero erstklassiges Rasentennis und zog verdient in die dritte Runde ein. Für eine Sensation sorgte Marat Safin: Der Russe bezwang in toller Manier die Nummer 3 der Setzliste.

Mit Rasen-Tennis wie zu Boris Beckers Zeiten hat Mischa Zverev seinen Erfolgsweg in Wimbledon fortgesetzt und zum ersten Mal in seiner jungen Karriere die dritte Runde eines Grand- Slam-Turniers erreicht. Als Novak Djokovic seine Titelträume gegen den erstarkten Marat Safin nach drei Sätzen gerade begraben musste, zeigte der Youngster aus Hamburg "Sandmann" Juan Carlos Ferrero in London die Grenzen auf.

Zwar profitierte der 20-Jährige bei seiner überzeugenden Kurzschicht auch von einer Adduktorenblessur des Spaniers, der wie schon zum Auftakt in Roland Garros bei 4:6, 4:6, 1:2-Rückstand aufgab. Doch gegen sein konsequentes Serve-and- Volley fand der French-Open-Sieger von 2003 nie ein wirksames Mittel.

Lob von Kühnen

"Ich gehe ans Netz, sobald sich die Chance bietet", sagte Fußball-Fan Zverev und kündigte an: "Jetzt nehm' ich mir eine Pizza und schau mir heute Abend das EM-Halbfinale Deutschland gegen Türkei an." Tennis ist dann für ein paar Stunden kein Thema. Wohl aber die Hoffnung des in Moskau geborenen Hamburgers, dass neben Deutschland auch Russland ins Finale kommt. "Dann hätte ich schon gewonnen."

"Mischa hat sehr konstant und solide gespielt", sagte Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen. Und wichtiger noch: "Er hat gesehen, dass er mit Serve-and-Volley erfolgreich ist." In der dritten Runde wartet in dem an Nummer 13 gesetzten Schweizer Stanislas Wawrinka allerdings ein erster dicker Brocken auf den Weltranglisten-92., der in dieser Saison bei zwölf Turnierstarts auf der ATP-Tour schon achtmal in der ersten Runde gescheitert war. Auf der großen Grand-Slam-Bühne hatte er nur bei seinem Debüt im Vorjahr in Melbourne die erste Runde überstanden, danach aber dreimal den Start gründlich verpatzt.

Kritik von Becker und McEnroe

"Was kann ich tun", sagte Novak Djokovic. Während Ana Ivanovic durch einen 6:7 (2:7), 7:6 (7:3), 10:8-Zittersieg gegen die Französin Nathalie Dechy ein serbisches Desaster verhinderte, kassierte der Weltranglisten-Dritte eine 4:6, 6:7 (3:7), 2:6-Pleite gegen den acht Jahre älteren Safin. Der Russe bewies dabei alte Stärke. "Novak war unter Druck, weil er die Nummer 1 werden will. Von mir hat doch niemand etwas erwartet", sagte der zweimalige Grand-Slam-Sieger. Mit stoischer Ruhe hatte er sein Spiel auf dem Center Court durchgezogen und gestützt auf einen starken Aufschlag den an Nummer drei gesetzten Djokovic ständig beschäftigt.

Von den Ambitionen, Roger Federer den sechsten Triumph in Wimbledon zu verderben und vom Thron des Brachen-Primus zu stoßen, war wenig zu spüren. "Er spielt zu viele Turniere; er muss besser planen", sagte Altmeister John McEnroe. Und Boris Becker, der wie "Big Mac" für die BBC kommentierte, meinte: "Marat weiß, wie man auf der großen Bühne spielt. Und es ist gut, dass er wieder stark spielt. Tennis braucht Charaktere wie ihn." Beweisen kann es der Weltranglisten-75. als nächstes gegen Andreas Seppi aus Italien, der in der ersten Runde den Hartenholmer Tobias Kamke ausgeschaltet hatte.


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