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Zahlen, Daten, Fakten Viele brauchen fünf Stunden pro Tag zum Wasserholen – so leben die Menschen im Projektdorf Kinakoni in Kenia

Die Bewohner von Kinakoni beim Bau der Wassertanks zur Speicherung von Regenwasser. Die Datenerhebung durch die "Baseline Survey" hilft später festzustellen, ob und wie Maßnahmen wie diese Tanks die Situation vor Ort verbessert haben
Die Bewohner von Kinakoni beim Bau der Wassertanks zur Speicherung von Regenwasser. Die Datenerhebung durch die "Baseline Survey" hilft später festzustellen, ob und wie Maßnahmen wie diese Tanks die Situation vor Ort verbessert haben
© Jonas Wresch
Die so genannte "Baseline Survey" ist ein wichtiges Instrument in der Entwicklungszusammenarbeit: Durch Befragungen werden die Ausgangsdaten einer Region erhoben, um so später Erfolge oder Misserfolge zu bewerten. Hier lesen Sie die Daten zu dem Projektdorf Kinakoni in Kenia – und erfahren, warum so wenige Menschen die Schule abgeschlossen haben.

Wie viel Wasser steht Menschen in einer bestimmten Region zu Verfügung? Oder: Wo wird das Essen zubereitet? Oder: Mit was verdienen die Familien ihr Geld? Antworten auf Fragen wie diese sind in der Entwicklungszusammenarbeit entscheidend.

Denn will man wissen, welche Maßnahmen und Ideen funktionieren und welche nicht, braucht man die Ausgangsdaten, die Zahlen, die Fakten.

Deswegen haben lokale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Welthungerhilfe in den vergangenen Wochen mehrere hundert Menschen in Kinakoni, dem Projektdorf von stern und Welthungerhilfe im Südosten Kenias, in standardisierten Interviews befragt – die so genannte „Baseline Survey“. Denn die Idee des Projekts ist ja: Gemeinsam mit den Menschen vor Ort und Start-ups aus Nairobi sollen Lösungen gegen den Hunger gefunden werden, die auch in anderen Dörfern und Regionen angewendet werden können. Auch Lösungen, an die man vielleicht bisher nicht gedacht hat.

Und zur Bewertung von deren Erfolg oder Misserfolg braucht es: Daten. Unter anderem die kanadische Ökonomin Esther Duflo hat in den letzten Jahren immer wieder die Wichtigkeit der Empirie auch in der Entwicklungszusammenarbeit betont – und hat dafür neben vielen anderen Auszeichnungen 2019 auch den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommen.

Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.
Helfen Sie uns, den Menschen von Kinakoni beim Kampf gegen den Hunger zu helfen – bitte unterstützen Sie unsere Initiative. Jeder Euro geht vor Ort ins Projekt. Hier können Sie direkt spenden.

Hier die wichtigsten Daten der Baseline Survey zu Kinakoni, basierend auf einer Befragung von 430 Haushalten:

  • In einer Familie leben im Durchschnitt sechs Personen, die meisten Befragten sind verheiratet, in mehr als 70 Prozent der Familien leben Kinder unter zwei Jahren
  • 65 Prozent verwenden Solarlampen als Lichtquelle (gefolgt von Kerosin-Lampen), nahezu alle Familien benutzen zum Kochen entweder Holz oder Kohle. Nur ein einziger befragter Haushalt verwendet Gas
  • In der Trockenzeit dienen selbst gegrabene Brunnen 80 Prozent der Bewohner als Wasserquelle – in der Regenzeit nutzen 68 Prozent das am zentralen Felsen gesammelte Regenwasser, 35 Prozent nutzen dann eigenes gesammeltes Regenwasser
  • Für den Transport des Wassers sind meistens die Mütter oder die Kinder der Familien zuständig – nur in zwei Prozent der Haushalte ist es auch der Vater
  • 14 Prozent der Familien verwenden jeden Tag mehr als fünf Stunden auf das Herbeischaffen des Wassers; 62 Prozent immerhin noch mehr als eine Stunde
  • Knapp die Hälfte der Haushalte muss mit 20 bis 50 Liter Wasser pro Tag auskommen – im Durchschnitt sind das pro Person also weniger als zehn Liter
  • 98 Prozent der Haushalte geben an, ihr Essen innerhalb eines Tages aufzubrauchen; Vorratshaltung gibt es demnach kaum
  • Das Durchschnittseinkommen jedes Haushalts liegt bei 6000 kenianischen Schillingen, das sind umgerechnet etwa 45 Euro, kaum mehr als einen Euro pro Tag
  • 78 der befragten Haushalte geben an, dass die monatlichen Ausgaben derzeit über den Eingaben liegen. Die meisten Familien leihen sich Geld, um das auszugleichen
  • Fast ein Viertel der Bewohner hat überhaupt keine formelle Schulbildung. Die Hauptgründe dafür sind Schwangerschaft und fehlendes Geld, um die Schulgebühren zu bezahlen

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