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Pensionszahlungen: Millionen italienische Großeltern müssen mit ihrer Rente ihre Familien durchbringen

Statistiker schlagen Alarm: Immer mehr alte Menschen in Italien müssen mit ihrer Rente ihre Kinder und Enkel finanzieren. Mehr als sieben Millionen Familien wären ohne dieses Geld im wahrsten Sinne arm dran.

Senioren laufen durch Venedig

Wenn Oma und Opa nicht wären, sähe es in vielen italienischen Familien düster aus (Symbolbild)

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Gott sei Dank gibt es Oma und Opa: Millionen italienischer Haushalte wären ohne die Renten ihrer Großeltern aufgeschmissen. Eine neue Analyse des Italienischen Statistikamts ISTAT zeigt: Mehr als sieben Millionen Familien in Italien leben von dem Geld, das ihre Großeltern aus der Rentenkasse bekommen. 

Wie die Nachrichtenagentur ANSA berichtet, sind diese Zahlungen für die meisten dieser Familien oft die Haupteinnahmequelle. Demnach soll die Anwesenheit eines Rentners in einer Familie "die Gefährdung durch Armut fast halbieren." ANSA spricht in diesem Zusammenhang von "Fallschirmen" für die von Armut bedrohten Kinder und Kindeskinder von Rentnern.

Zwölf Prozent der Rentner in Italien erhalten nicht einmal 500 Euro monatlich

Die Rentner sind deshalb so wichtig für ihre Familien, weil viele, vor allem junge Menschen keine Jobs finden. Fast jeder dritte Italiener zwischen 15 und 24 ist arbeitslos. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote bei rund 6 Prozent. Insgesamt haben knapp zehn Prozent der Italiener keinen Job – das ist der dritthöchste Wert in der EU (Deutschland: 3,1 Prozent).

Das Problem dieser Einkommenssituation: Mehr als ein Drittel der italienischen Rentner bekommen weniger als 1000 Euro im Monat, berichtet ANSA weiter. Gut zwölf Prozent erhalten nicht einmal 500 Euro. Viele italienische Familien rutschen so in die Armut. 

Auf schwarzem Hintergrund ist eine weiße Dax-Kurve zu sehen, die sich über den Hintergrund mäandert

Das Statistikamt hat für seine Erhebung Daten aus dem Jahr 2018 ausgewertet. Demzufolge wurden insgesamt rund 16 Millionen Renten ausgezahlt. Die Höhe der gesamten Pensionzahlungen lag bei 293 Millionen Euro – gut zwei Prozent höher als noch im Jahr davor.

Im Süden erhalten die Menschen weniger Rente

Wie die Zeitung "Corriere della Sera" berichtet, die sich die Zahlen noch genauer angeschaut hat, wohnen die Senioren mit kleinerer Rente zumeist im Süden des Landes. Das spiegelt auch die generelle Einkommensverteilung in Italien wieder: Von Nord nach Süd gibt es ein starkes Lohngefälle.

Auch Frauen befänden sich oft am unteren Ende der Auszahlungsspanne, so die Zeitung weiter. Ein Grund sind laut ISTAT weniger Beitragsjahre und eine "geringere Beteiligung am Arbeitsmarkt."

Quellen: Nachrichtenagentur ANSA, "Corriere della Sera", Statista (Jugendarbeitslosigkeit), Statista (Arbeitslosigkeit)