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Medienbericht: Carsharing: Ist das Konzept des Auto-Teilens doch nicht so sinnvoll?

Carsharing sollte ursprünglich dafür sorgen, dass das Bedürfnis nach einem eigenen Pkw eingedämmt wird. Die Stadträume sollten auf intelligente und nachhaltige Art und Weise entlastet werden. Laut Medienberichten hat das Konzept jedoch auch Schattenseiten. 

Carsharing-Anbieter Car2Go

Für viele sind Carsharing-Anbieter wie Car2Go oder DriveNow ein echter Segen. Schnell noch den Großeinkauf mit dem Smart transportieren, aber keine dauerhafte Verantwortung für das Fahrzeug tragen - praktisch, vor allem in der Großstadt. Aber rechnen sich die geteilten Autos wirklich?

Man muss kein Millionär sein, um heute mal einen Mercedes zu fahren und morgen einen BMW. Carsharing-Anbieter machen es möglich, das Auto zu wechseln wie frische Socken. Sinn und Zweck des Konzeptes war es ursprünglich, den Individualverkehr in Großstädten einzudämmen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet nun jedoch unter Berufung auf eine Studie, dass zumindest der ökologische Nutzen von Carsharing eher überschaubar ist. 

Die Konkurrenz sei groß, es herrsche ein Verdrängungskampf, berichtet die "Süddeutsche". Ein Beispiel: Im November 2013 startete Carsharing in Hamburg. Inzwischen konkurrieren in der Großstadt zehn Anbieter mit mal mehr, mal weniger großen Fahrzeugflotten um die Kunden. Wulf Stolle, Partner bei A. T. Kearney, erklärt den Medien, dass den meisten Kommunen zudem die kritische Bevölkerungsdichte von mindestens 3000 Personen pro Quadratkilometern fehle. Das Geschäftsmodell rechne sich in den allermeisten deutschen Städten nicht. "Selbst wenn jeder Mensch, der in den dicht besiedelten Hot Spots von München, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Stuttgart lebt, auf sein Fahrzeug künftig verzichten und nur noch sharen würde, dann ließen sich in Deutschland gerade einmal fünf Prozent der Fahrzeuge reduzieren. Das ist für mich alles andere als eine Revolution", so Stolle.

Die Schattenseiten des Carsharing

"Erfahrungsgemäß werden Angebote eher dort genutzt, wo Parkraum sowieso schon knapp ist", heißt es im Fachmagazin "Taxi-Times". Die Carsharing-Fahrzeuge können den Parkfrust erhöhen, der daraus enstehende Parkplatz-Suchverkehr erhöht dann den Stau und verschlimmert letztendlich die Schadstoffwerte, so das Magazin. Aus diesem Grund sei das Konzept in Stockholm bereits gescheitert, so die "Süddeutsche". Die meisten Bürger seien lieber mit dem Fahrrad gefahren als mit den geteilten Autos im Stau zu stehen. Die mehr als sechs Millionen gefahrenen Autokilometer, die in der kurzen Zeit des Carsharings in Stockholm gefahren wurden, hatten nicht zur Entlastung der Stadt beigetragen. 

Auf dem ersten Blick wirkte das Konzept wie ein Erfolgsmodell. Die Mitgliederzahlen liegen laut Medienberichten heute bei rund 27 Millionen Carsharing-Nutzern weltweit. Ein geteilter Pkw könne bis zu zehn Privatautos ersetzen, so die Unternehmensberatung Frost & Sullivan im Jahr 2011. Nicht jeder kann sich ein eigenes Fahrzeug leisten, ist darauf jedoch regelmäßig angewiesen. Sich ein Auto mit anderen zu teilen, bietet sich an - das war zumindest einmal die Kernidee. 

Quellen: "Süddeutsche Zeitung" / "Taxi-Times"

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