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Miles-Chef im Interview Carsharing – ist der Hype etwa schon zu Ende?

Auto des Carsharing-Anbieters Miles in Berlin
Auto des Carsharing-Anbieters Miles in Berlin
© PR
Die Pandemie war ein schwerer Schlag für das Geschäft mit dem geteilten Auto, die meisten Anbieter verdienen kein Geld. Das Carsharing-Unternehmen Miles hält dagegen und behauptet, inzwischen profitabel zu arbeiten. Miles-Chef Oliver Mackprang sagt im Podcast, wie ihm das gelungen ist und weshalb Carsharing Teil des 49-Euro-Tickets werden könnte. 

Als die erste Welle der Pandemie die Straßen leer fegte und die meisten Menschen zu Hause blieben, da brach auch das Geschäft der Carsharing-Anbieter ein. Kaum jemand fuhr noch zum Flughafen, zur Arbeit oder abends ins Kino und die per App buchbaren Autos blieben am Straßenrand stehen. Mercedes und BMW haben ihr gemeinsames Unternehmen inzwischen verkauft, und andere bauen ihr Angebot derzeit kaum noch aus. Einer allerdings hält dagegen: Die Berliner Carsharing-Firma Miles ist auch im Gefolge der Pandemie expandiert und arbeitet nach eigenen Angaben inzwischen profitabel. "Ich glaube, ein Grund ist, dass wir wirklich ein Mobilitätsunternehmen sind und kein Autohersteller mit einem Mobilitätsableger", sagt Miles-Chef Oliver Mackprang im Podcast "Die Stunde Null". Das erlaube es, die Kosten niedrig zu halten und flexibel zu reagieren. 

Miles ist mittlerweile in acht deutschen Städten und probt derzeit den ersten Schritt ins europäische Ausland. Über eine Million registrierte Nutzer und 7000 Fahrzeuge zählt das Unternehmen, in Berlin ist es inzwischen größter Anbieter. "Es hat etwas mit gesundem Wachstum zu tun und damit, dass wir die Zahlen und den Deckungsbeitrag im Griff haben", sagt Mackprang. Allerdings schwebt dem Miles-Chef noch ein viel größeres Wachstum vor. Carsharing sei auch außerhalb der Großstädte denkbar und könne Teil des öffentlichen Nahverkehrs werden, sagt Mackprang. So könnte das Modell auch in ein künftiges 49-Euro-Ticket integriert werden. "Das ist absolut sinnvoll", sagt Mackprang, der bereits mit mehreren Städten über eine solche Lösung verhandelt. "Aber eine Übereinkunft zwischen einem öffentlichen Träger und einem Privatunternehmen ist nicht so einfach." 

Der Miles-Chef erwartet vom Bund, aber auch von den Städten und Gemeinden mehr Kooperation, um den Ausbau des Modells voranzubringen. "Es gibt ja immer wieder Abwrackprämien oder Fördergelder für die Anschaffung von Fahrzeugen", sagt Mackprang. "Warum gibt es dann kein Geld oder Beihilfen, wenn man sein Auto abschafft und auf Sharing umsteigt?" Allein durch günstige Anwohnerparkplätze werde das private Auto im Vergleich zum Teil-Prinzip finanziell stark bevorzugt. "Das macht es natürlich schwieriger, da Carsharing zu betreiben und dabei auf schwarze Zahlen zu kommen", sagt Mackprang.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Warum Berlin für Carsharing eigentlich kein guter Ort ist
  • Weshalb viele Menschen beim Auto nicht richtig rechnen
  • Wie Oliver Mackprang sich selbst durch die Stadt bewegt

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