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Karrieretipps einer Spitzenfrau Führungsposition? "Ja, das traue ich mir zu"

Karrieretipps einer Spitzenfrau: Führungsposition? "Ja, das traue ich mir zu"
Ein Satz, den Frauen im Job öfter sagen sollten, findet Simone Menne. Sie war Finanzvorstand der Lufthansa, kämpft heute als Aufsichtsrätin für mehr Frauen in Top-Positionen – und ist doch gegen eine Vorstandsquote.

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Wer soll Nachfolger des Chefs werden? Bei dieser heiklen Frage kommt Simone Menne ins Spiel. Sie sitzt im Aufsichtsrat vier großer Unternehmen, bei BMW, der Deutschen Post DHL, Henkel und dem US-Mischkonzern Johnson Controls. Und so landen auch auf ihrem Schreibtisch die Personalvorschläge. "Es gibt immer noch eine gewisse Blindheit. Man denkt gar nicht an die Frau, wenn es um so eine hohe Position geht", sagt Menne im aktuellen stern. Sie versteht sich als Kämpferin für gemischte Teams an der Spitze von Unternehmen. Genügend talentierte Frauen gebe es, nur: "Der Spruch, den ich am meisten höre, ist: 'Die ist noch nicht so weit.' Man traut Frauen bestimmte Sachen nicht zu", sagt sie. "Sozialkompetenz und Fleiß, ja schon, aber eben nicht breite Schultern, wie man sie sich wünscht."

Menne war als Lufthansa-Finanzvorstand selbst eine der ersten Spitzenfrauen in einem DAX-Konzern. Für den stern wird sie von nun an als Gastgeberin des Podcasts "Die Boss" Spitzenfrauen aus allen Gesellschaftsbereichen zum Gespräch treffen.

Welche Zielgrößen für den Frauenanteil setzen sich Unternehmen?

Der Frauenanteil im deutschen Top-Management steigt zwar, aber weiter auf niedrigem Niveau. Aktuell liegt er bei 10,7 Prozent, wie eine Studie, der Women-on-Board-Index der Initiative Fidar, in 188 börsennotierten Unternehmen ergeben hat. Verbindliche Frauenquoten für Vorstandsgremien gibt es bislang nicht, die 188 Unternehmen müssen sich nur eine Zielgröße für den Frauenanteil geben. Hier zeigt die Studie: 75 der Firmen haben das Ziel 0 angegeben. Dafür habe sie "null Verständnis", sagte Kanzlerin Angela Merkel vor wenigen Tagen und Bundesfrauenministerin Franziska Giffey drohte mit Sanktionen: "Es ist an der Zeit, den Druck zu erhöhen."

Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne spricht sich im stern gegen eine Quote für Vorstände aus. "Ein Vorstandsteam ist klein, die Chemie muss stimmen und eine fachliche Kombination gegeben sein. Wenn Sie gleichzeitig noch eine Quote zu erfüllen haben, kann das eine gute Zusammensetzung gefährden." Sie warnt auch vor anderen negativen Effekten, die eine verbindliche Regulierung mit sich bringen könnte: "Es könnten deswegen Vorstandsressorts geschaffen werden, die eigentlich nutzlos sind." Es brauche vielmehr eine innere Überzeugung, dass gemischte Teams guttun.

Wer oder was muss sich konkret ändern?

"Frauen nehmen sich oft selber zurück und sagen: Ich weiß noch nicht, ob ich das kann", sagt Aufsichtsrätin Simone Menne. Auch die Unternehmen müssten umdenken. "Ich rate allen Unternehmen, bezieht in eure Entscheidung ein, dass Frauen so sozialisiert sind. Vielleicht ist die Frau die bessere, obwohl sie sagt: Ich bin nicht perfekt." Sie würde sich auch wünschen, dass Frauen selbstbewusster werden, sagt Menne. "Nicht diesen Konjunktiv. 'Ich könnte mir vorstellen, diesen Job vielleicht zu machen, wenn ich noch eine Fortbildung bekomme.' Sondern: 'Ja, das traue ich mir zu.' Eigentlich ganz einfach. Das muss man sich antrainieren."

Das ganze stern-Gespräch mit Simone Menne lesen Sie hier.


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