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EU-Kommission: Fusion BMG-Sony gebilligt

Die geplante Fusion der Musiksparten von Bertelsmann und Sony wurde ohne Auflagen genehmigt. Jetzt zittert ein Viertel beider Belegschaften um ihre Jobs.

Monatelang hatten die Konzerne Bertelsmann und Sony um die Fusion ihrer Musiksparten gerungen. Als das grüne Licht aus Brüssel am Montagabend kam, wich die Freude über die frohe Kunde schnell dem Tatendrang. Schon am Dienstag forderte Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen seine Mitarbeiter dazu auf, "mit Tatkraft und Entschlossenheit" die dritte Stufe des Verschmelzungsprozesses zu zünden und den Zusammenschluss erfolgreich zu Ende zu bringen. Dass dabei "schmerzhafte Einschnitte" nicht zu verhindern sein werden, verschweigt Thielen nicht. Kritiker sprechen von 2.000 Stellen, die künftig wegfallen sollen - ein Viertel der Belegschaft beider Unternehmen.

Gemeinsames Agieren dauert noch

Mindestens ein Jahr wird es noch dauern, bis Sony und BMG gemeinsam agieren können und mit knapp fünf Milliarden US-Dollar Umsatz zu Weltmarktführer Universal Music aufschließen werden. Nach den Marktzahlen des vergangenen Jahres wird es für das neue Joint-Venture wohl nicht ganz reichen, um die Tochter des französischen Vivendi-Konzerns zu überholen. EMI und Warner Music folgen künftig mit deutlichem Abstand hinter den beiden ganz Großen..

Dennoch entsteht auf dem von Piraterie und illegalen Internet-Zugriffen nach wie vor gebeutelten Musik-Weltmarkt ein zweites Schwergewicht. Allein im vergangenen Jahr sank der weltweite Umsatz nochmals um 7,6 Prozent auf 32 Milliarden US-Dollar. In diesem Jahr sind erstmals leicht positivere Signale für die Plattenfirmen zu entdecken, wenn die Talfahrt auch nicht gestoppt, sondern eher verlangsamt wird.

Handys sollen Musikindustrie retten

Fieberhaft arbeiten die Musikkonzerne an neuen Marktfeldern und Strategien gegen die illegale Nutzung ihres Angebotes. BMG-Vorstandschef Rolf Schmidt-Holtz, künftig Chairman des Fusionsunternehmens, setzt etwa auf Technologie. Im Online-Bereich, vor allem aber auch bei der über Handys abrufbaren Musik, sieht er große Chancen, künftig Geld zu verdienen.

Die Entscheidung aus Brüssel kommt für den Gütersloher Bertelsmann-Konzern zur rechten Zeit. Die Musiksparte hatte in den vergangenen Jahren immer wieder als Sorgenkind der Gütersloher gegolten. Zeitweise wurde sogar über den Abschied aus der seit Jahren kränkelnden Branche nachgedacht. Im vergangenen Jahr wurde BMG wieder zum Gewinnbringer für die Konzernmutter, wenn die Sparte auch nur 170 Millionen Euro zum Konzernergebnis von 1,123 Milliarden Euro beitragen konnte. 2004 soll es noch besser laufen und die ambitionierten Planungen zum ersten Halbjahr sollen um mehr als 100 Millionen Euro übertroffen worden sein.

Künstler-Portfolio ausgemistet

Mit geballter Marktkraft soll dieser Erfolg im fusionierten Unternehmen manifestiert werden und dem Konzern auch künftig kräftige Erträge in die Kassen spülen. "Wir gewinnen immer mehr Spielraum für mittlere und größere Zukäufe", sagte Vorstandschef Thielen. Er blicke voller Zuversicht auf das zweite Halbjahr 2004, sagt der Mann, der sich in drei Jahren von der Konzernspitze verabschieden und wieder in die Führung der Bertelsmann Stiftung zurückkehren will. Bis dahin will Thielen die Umsatzrendite von derzeit 6,7 auf 10 Prozent kräftig gesteigert haben. Sony BMG soll dabei helfen und kein Hemmschuh werden.

Die Weichen für die erfolgreiche Zukunft sind bereits gestellt. In Nordamerika und Europa wurden bei BMG Strukturen geschaffen, die denen von Sony ähneln. In Deutschland hat sich BMG zunächst von seinem einst gefeierten Manager Thomas Stein und in der Folge von einer ganzen Reihe wenig erfolgreicher Künstler getrennt. Selbst vor Rock-Urgestein Udo Lindenberg machte die harte Hand des Managements nicht Halt. In den USA musste vor wenigen Monaten Antonio "L.A." Reid beim Plattenlabel Arista seinen Hut nehmen. (AP)

DPA