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ANLAGE: Bundesschatzbriefe bieten Sicherheit

Viele Anleger mussten in der jüngsten Vergangenheit schmerzlich erfahren, dass Aktienanlagen mit einem hohen Risiko verbunden sind - doch es geht auch anders.

Wenn es an den Aktienbörsen turbulent zugeht und die Kurse fallen, empfehlen Finanzexperten daher konservative Anlageformen. Dazu gehören auch Bundesschatzbriefe - festverzinsliche Geldanlagen beim Bund. »Bundesschatzbriefe sind nach wie vor eine interessante Anlageform - insbesondere für konservative Anleger, die keine bösen Überraschungen erleben wollen«, sagt Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf.

Sichere Sache

Peter Grieble, Geldexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart, bestätigt dieses Urteil: »Bundesschatzbriefe sind unter den Geldanlagen die sicherste Sache auf der Welt.« Das Risiko einer Anlage beim Bund ist verschwindend gering. Schließlich bürgt der Staat mit seinem Vermögen und dem gesamten Steueraufkommen für seine Zahlungsfähigkeit.

Mit 50 Euro dabei

Bundesschatzbriefe sind bei allen Banken, Sparkassen und der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg erhältlich. Zwei Typen werden angeboten: Typ A hat eine Laufzeit von sechs Jahren, bei Typ B wird das Geld auf sieben Jahre festgelegt. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Bei der Behörde können die Anlagen per Post, mittlerweile aber auch per Online-Banking abgeschlossen werden. Die Mindestkaufsumme beträgt 50 Euro.

Wechselnde Konditionen

Die Konditionen wechseln nach Angaben der Behörde mehrmals im Jahr. Sie werden mit dem Erscheinen einer neuen Ausgabe je nach Marktlage neu fest gesetzt. In der Regel liegt der Zinssatz im ersten Jahr aber bei zwei Prozent. Er steigt Jahr für Jahr stufenweise bis auf fünf (Typ A) oder fünfeinhalb Prozent (Typ B) an. »Je länger man die Papiere liegen lässt, desto höher steigen die Zinsen«, erklärt Jens Walter, Sprecher beim Bundesverband deutscher Banken in Berlin.

Zinsniveau ist nicht gigantisch

Nach Angaben der Stiftung Warentest in Berlin galten Bundesschatzbriefe in Zeiten des boomenden Aktienmarktes als bieder. Nicht nur der Nervenkitzel, auch die mögliche Rendite ist bei Aktien weitaus höher als bei den Bundespapieren. »Das Zinsniveau ist nicht gigantisch«, sagt auch Peter Grieble. Damit müssen aber alle festverzinslichen Papiere leben. Eine Festgeldanlage der örtlichen Sparkasse etwa bringe in der Regel nicht mehr Rendite.

Trotzdem ordentliche Rendite

Gemessen an der Sicherheit der Bundesschatzbriefe sind die Renditen nach Griebles Worten immer noch ordentlich. »Außerdem sind mir drei bis vier Prozent Zinsen am Ende natürlich lieber als 30 Prozent Verlust«, fügt Jens Walter hinzu - und hohe Verluste müssten bei Aktien durchaus einkalkuliert werden. Nicht nur deshalb rät Grieble dem Laien von Aktien derzeit ab. Gerade bei schlechter Wirtschaftslage sei das Risiko, in diese Anlageform einzusteigen, zu hoch. »Mit Bundesschatzbriefen umgehe ich konjunkturelle Risiken«, so der Verbraucherschützer.

Zwei Varianten

Bei Typ A werden die Zinsen jährlich ausgezahlt und versteuert. Bei Typ B werden sie angesammelt und nach Ablauf der vertraglich festgelegten Zeit mit einem Mal ausgeschüttet und versteuert. So bieten Bundesschatzbriefe Anlegern die Möglichkeit, flexibel zu handeln. »Nach einem Jahr kann ich alle 30 Tage Papiere im Wert von 5.000 Euro veräußern oder in neue Papiere umtauschen«, so Jens Walter. Das lohnt sich etwa, wenn die aktuellen Zinsen für eine neue Schatzbriefausgabe höher sind als für die zuerst abgeschlossene.

Durchhaltevermögen ist wichtig

»Für diese Entscheidung muss ich einen gewissen Rechenaufwand betreiben«, gibt Peter Grieble jedoch zu bedenken. Die Verbraucherzentralen unterstützen Anleger dabei. Bei einem Ausstieg vor Ende der Laufzeit entsteht dem Anleger laut Carsten Heise kein Kapitalverlust. Von einer frühzeitigen Kündigung der Anlage rät der Finanzexperte aber ab. Erst in den letzten Jahren der Laufzeit sind die Zinsen so hoch, dass sich die Rendite lohnt.

Auch Kombination sinnvoll

Für die meisten Anleger ist Grieble zufolge eine Kombination aus den beiden Typen interessant. Typ B eignet sich vor allem für Sparer mit einem hohen Steuersatz. Mit ihnen lassen sich Zinserträge auf einen späteren Zeitpunkt verlagern, wenn die Steuerbelastung niedriger ausfällt. »Wenn ich andere Anlagen habe, die den Sparerfreibetrag zu großen Teilen ausschöpfen, ist zu Typ A zu raten. Bei Typ B komme ich ansonsten nach Ablauf der sieben Jahre über das Soll.«

Kostenlose Verwahrung

Uwe Döhler, Projektleiter Finanzen und Geldanlagen bei der Stiftung Warentest in Berlin, gibt Anlegern außerdem den Ratschlag, die Schatzbriefe kostenlos bei der Bundeswertpapierverwaltung verwahren zu lassen. Banken verlangen möglicherweise Depotgebühren - was die Rendite spürbar schmälern kann.