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Autokauf: Schnäppchen im Doppelpack

Die Krise macht Autoverkäufer erfinderisch. Ein rheinischer Händler ersann ein besonderes Angebot: Zwei Autos zum Preis von einem. Was ist davon zu halten?

Von Hans-Robert Richarz

Auf dem weitläufigen Gelände stehen einige Hundert Neuwagen der unterschiedlichsten Marken dicht an dicht. In der Mehrzahl sind es Kia-, Daihatsu-, Chevrolet- und Seat-Modelle. Aber auch Exemplare von Ford und Fiat sind an der Longericher Straße 2 im Kölner Stadtteil Bilderstöckchen darunter. Die Absatzflaute hat auch das Autohaus Jacob & Löfken erwischt, so scheint es zumindest angesichts der vollen Verkaufsfläche.

Doch Mitinhaber Caspar Löfken widerspricht: "Wir können nicht klagen, unser Geschäft läuft bestens." Es laufe sogar so gut, dass er kurz vor Weihnachten bei Kia 90 Carnival- und 50 Sorento-Modelle geordert habe. Grund dafür ist eine Aktion, für die Löfken seit Anfang Dezember in Zeitungen und im Internet wirbt: "Nimm zwei - zahle einen." Wer bei ihm beispielsweise einen Kia Carnival LX (Listenpreis mit Zubehör 28.800 Euro) für 26.900 Euro bestellt, erhält einen Chevrolet Matiz 1,0 SE (Listenpreis mit Zubehör 9585 Euro) kostenlos dazu. Und wer für den Geländewagen Kia Sorento LX (Listenpreis 31.345 Euro) 29.590 Euro zu zahlen bereit ist, darf entweder einen Chevrolet Matiz oder einen Seat Ibiza 1,2 Amaro für lau mitnehmen.

Absturz erwartet

Zwar lief der Neuwagenverkauf 2008 in Deutschland mit minus zwei Prozent (3,09 Millionen) nicht ganz so schlecht wie erwartet. Doch für dieses Jahr fürchten die derzeit 19.500 Neuwagenhändler, dass es steil nach unten gehen wird. Auch deshalb soll die Verkaufsaktion des Kölner Händlers zeitlich nicht befristet sein.

Dass so etwas funktionieren kann, bewies im Spätherbst der britische Internethändler Broadspeed.com, der zwei Mittelklassewagen des Typs Dodge Avenger SXT mit Ledersitzen und Klimaanlage zum Preis von einem (umgerechnet 24.450 Euro) offerierte. Angeblich wurde er von rund 22.000 Anfragen überflutet. Oder die Firma Cardoen aus dem belgischen Antwerpen. Wer bei ihr im Dezember einen Neuwagen zum Vollpreis kaufte, bekam einen zweiten seiner Wahl im Wert von maximal 14.000 Euro kostenlos dazu. Geschäftsführer Ivo Willems erzählt, dass sich die Zahl der Besucher aus dem In- und Ausland mehr als verzehnfacht habe.

Bei Löfken sorgte die Nimm-zwei-Aktion bereits in der ersten Woche für elf Doppelpack-Kunden. Einer davon ist Horst Schwiperich aus Köln, der für 26.900 Euro eine Großraumlimousine Kia Carnival kaufte und zusätzlich den Kleinwagen Chevrolet Kalos umsonst mit nach Hause nahm. Den Chevy chauffieren nun Ehefrau Annemie und Tochter Marie-Claire.

Das Modell funktioniert

"Wir verdienen gut daran", sagt Caspar Löfken und erzählt, dass die Leute noch immer in Scharen kommen. Das Geschäftsmodell funktioniert, weil er viele seiner Autos aus dem europäischen Ausland importiert. Dort sind sie meist deutlich günstiger zu haben als in Deutschland. Und obendrein gewähren einige Hersteller in Krisenzeiten höhere Einkaufsrabatte. Löfken: "Während wir früher Margen von 15 bis 20 Prozent hatten, erhalten wir heute oft das Doppelte."

Gibt es einen Haken für die Kundschaft? Grundsätzlich sollten Schnäppchenjäger bedenken, dass sie derzeit gerade bei Marken wie Kia oder Chevrolet prozentual ähnlich hohe oder sogar höhere Rabatte aushandeln können, auch wenn sie nur ein Auto kaufen. Zudem handelt es sich bei Löfkens Angebot meist um Fahrzeuge mit Tageszulassung, also Autos, die nur für wenige Tage zugelassen und dann wieder abgemeldet wurden. Der Sinn dahinter: Weil es streng genommen Gebrauchtwagen sind, liegen die Preise deutlich niedriger als bei Neuwagen.

Zwar gilt auch für Fahrzeuge mit Tageszulassungen die gesetzliche Neuwagen-Gewährleistung. Doch Kunden sollten wissen, dass diese mit dem Datum der Tageszulassung beginnt - und nicht mit dem Kauf. Außerdem kann es sein, dass es sich nicht um aktuelle Modelle, sondern um deren Vorgänger handelt, denn die Tageszulassungen können durchaus mehrere Monate zurückliegen. Wie beim Chevy Kalos von Horst Schwiperich, den er zum Nulltarif bekommen hat. Der wird inzwischen nicht mehr produziert und hat mit dem Aveo einen Nachfolger. Die Schwiperichs hat das nicht gestört.

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