Bahnpreise Endlich wieder fifty-fifty


Die Bahn reformiert ihr umstrittenes Tarifsystem. Ende dieser Woche kehrt die beliebte Bahncard 50 zurück.

Der Protest hat sich gelohnt: Von Freitag dieser Woche an gibt es wieder die alte Bahncard 50, mit der man zum halben Preis fahren kann. Sie kostet jetzt aber 200 Euro statt früher 140 Euro. Nach monatelangen Protesten, Umsatzeinbrüchen und minus zehn Prozent bei den Fahrgastzahlen im Fernverkehr zeigte sich Bahnchef Hartmut Mehdorn Anfang Juli doch noch reformwillig. "Wir sind sehr zufrieden, dass die Bahn sich jetzt wieder an den Kunden orientiert", lobt selbst der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Für Pfennigfuchser gibt es künftig noch größere Rabattmöglichkeiten als früher: etwa dann, wenn man die Bahncard 25 mit den so genannten Sparpreisen kombiniert. Hierfür muss man allerdings einige Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen: Die Fahrkarte muss mindestens drei Tage vorher gekauft werden, und man muss sich auf einen bestimmten Zug festlegen. Außerdem muss zwischen Hin- und Rückfahrt ein Wochenende liegen, oder die Fahrten müssen am Samstag oder Sonntag erfolgen. Die Möglichkeit, die Bahncard 25 mit Sparpreisen zu kombinieren, besteht allerdings nur noch bis 30. September 2004. Die Bahncard 50 kann man schon jetzt nicht mit dem Frühbucherrabatt kombinieren. Neu ist bei der Bahncard 50 aber, dass bis zu vier Mitfahrer 50 Prozent Rabatt erhalten (wie auch vier Mitfahrer der Bahncard 25).

Wer sich inzwischen eine Bahncard 25 gekauft hat, kann sie zurückgeben und bekommt einen Ticketgutschein über den noch gültigen Restbetrag. Wenn man die Bahncard 25 also für 60 Euro gekauft hat und sie noch ein dreiviertel Jahr gültig ist, erhält man 45 Euro zurück. Bei weniger als 15 Euro Restwert nimmt die Bahn die Karte nicht mehr zurück. Natürlich kann man die Bahncard 25 auch einfach weiter verwenden.

Für ihre neuen Tarife hat die Bahn einen überraschenden PR-Mann gewonnen: Harald Schmidt. Der hatte in seiner Show zuvor über das Preiswirrwarr gelästert: "Fährst du schon oder rechnest du noch?" - seit Anfang Juli macht der 45-jährige TV-Entertainer nun Reklame für die neue Bahncard. "Wir haben Schmidt genommen, weil er eine enorm hohe Glaubwürdigkeit hat", sagt Gabriele Handel-Jung, Werbechefin der Bahn. In seiner Show dürfe er aber auch weiterhin Kritisches über die Bahn sagen, versichert sie, "es ist ja eine Satiresendung". Zumindest noch bis Oktober will die Bahn Schmidt in ihren TV-Spots einsetzen.

Null, 25 oder 50 - Welcher Bahncard-Typ sind Sie?

Der SparPreis-Typ

Sie brauchen keine Bahncard, weil Sie meist schon drei Tage vorher wissen, mit welchem Zug Sie fahren. Und wenn die nette Frau am Bahnschalter sagt, dass in diesem Zug kein Platz mehr ist, macht es Ihnen auch nichts aus, einen anderen zu nehmen, sie sind ja flexibel. Vorteil: Sie müssen kein Geld für Bahncards ausgeben und können dennoch, wenn Sie Hin- und Rückfahrt drei Tage vorher fest buchen, zwischen 25 und 50 Prozent sparen. Rabatte für One-way-Tickets gibt es künftig aber nicht mehr.

Der Bahncard-25-Typ

Wenn Sie übers Jahr Fahrkarten im Wert von 200 bis 600 Euro kaufen, lohnt sich rechnerisch für Sie die Bahncard 25. Sie bekommen auf alle Fahrten 25 Prozent Rabatt. Der Vorteil dieser Bahncard ist zudem, dass Sie sie mit den Plan&Spar-Tarifen kombinieren können. Auf den bereits reduzierten Fahrpreis gibt es dann noch mal 25 Prozent Rabatt. So können Sie auf bis zu 62,5 Prozent Preisnachlass kommen.

Der Bahncard-50-Typ

Wenn Sie sich nicht im Voraus auf einen Zug festlegen wollen und im Jahr für mehr als 600 Euro Fahrkarten kaufen, lohnt sich für Sie die Bahncard 50. Damit bekommen Sie alle Fahrkarten für die Hälfte. Wenn Sie Schüler, Student, Azubi, Rentner oder schwerbehindert sind, bekommen Sie sie sogar zum halben Preis. In diesem Fall lohnt sich die Anschaffung bereits ab einem Jahresumsatz von 200 Euro.

Markus Grill print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker